Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

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Der Internationale Herold. 
im allgemeinen und jedes einzelnen besonders im letzten Grunde 
um die Verwirklichung heiliger Gottesgedanken, die himmelweit 
höher sind als alle Menschengedanken, und darum muß auch 
über allen menschlichen Erwägungen die grundlegende Gewißheit 
stehen: „Gott will, daß allen Menschen geholfen werde, und 
daß sic zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“. Wer auf solchem 
Bekenntnis bcharrt, der läßt sich in dem großen Glauben an 
einen Aufstieg der Menschheit nicht irre machen, weil er diesen 
in dem heiligen Willen des höchsten Lenkers aller Menschhcits- 
gcschicke fest begründet weiß, und der spricht mit Gotthold 
Ephraim Lessing („Die Erziehung des Menschengeschlechts“): 
„Geh deinen unmerklichen Schritt, ewige Vor 
sehung! Nur laß mich dieser Unmerklichkeit wegen 
an dir nicht verzweifeln! Laß mich an dir nicht 
verzweifeln, wenn selbst deine Schritte mir scheinen 
sollten, zurückzugehen!“ 
Pazifismus und Pädagogik. 
Von Dr. M. Jahn. 
(Fortsetzung und Schluß.) 
Anstatt sich ernstlich der sittlichen, staatsbürgerlichen und 
weltbürgerlichen Erziehung zu widmen, zerschlagen sich die 
guten Deutschen die Köpfe über die Konfession in der Schule; 
die Kinder des Volkes sollen dem Bekenntnis der Eltern ent 
sprechend auseinandergerissen werden. Sic merken nicht, daß 
eine besondere Macht den Glaubenshaß schürt und für sich 
Erfolge erzielen will. Oder die guten Deutschen erhitzen sich 
weiter und verlangen eine allgemeine Abstimmung, ob schwarz- 
weiß-rot oder schwarz-rot-gold das äußere Symbol des Reiches 
sein soll. Und wenn es noch eines Beweises bedarf, wie wir 
am Phantastischen hängen, daß es uns schwer fällt, 
politisch real zu denken, so ist cs wohl der im vorigen
	        

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