Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

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Der Internationale Herold. 
einen nahmhaften Teil der Gesamlbevölkerung, sie stellen auch 
die Blüte ihrer Intelligenz dar und beeinflussen maßgebend 
einen erheblichen Teil des gesamten Geisteslebens der Nation. 
Durch ihre straffe Organisation, Schulung, Vorbildung und 
durch ihre sorgfältig gewahrte Tradition, wie ihren ebenso sorg 
fältig gepflegten Korpsgeist bilden sie einen von der übrigen 
Nation gesonderten Block der Bevölkerung, der fast als eine 
besondere Klasse der Gesellschaftsordnung gelten könnte. Ihre 
Stellung zu der übrigen Bevölkerung wird ferner durch ihre 
Betätigung beeinflußt und durch die Autorität des Staates, die 
sich im täglichen Verkehre auf seine persönlichen Vertreter 
überträgt. Gewiß ist der Staat eine Einrichtung, die sich die 
Menschheit geschaffen hat, um sich ihren Kampf um ihre Ideale 
zu erleichtern; gewiß dient er mit seinen Funktionen den 
Interessen der Nation, aber das bestimmt seine Stellung in der 
Nation noch nicht als die eines Dieners. Solange der Verkehr 
zwischen Menschen und zwischen gesellschaftlichen Klassen in der 
Hauptsache durch den Willen zur Macht geregelt wird und sich die 
Staatsregierung in erster Linie auf dieses Prinzip stützt, solange wird 
der Staat und sein Beamter bei aller Hilfsbereitschaft stets von 
dem Bewußtsein seiner Autorität durchdrungen sein und mehr 
zum Herrschen als zum Dienen neigen. Aber auch alle diese 
Faktoren ruhen letzten Endes auf der eigenartigen wirtschaft 
lichen Stellung des Staates und seiner Angestellten. Losgelöst 
von dem wirtschaftlichen Getriebe, ausgeschieden aus dem wirt 
schaftlichen Kampfe, rekrutieren sie sich aus allen Schichten 
der Bevölkerung und stehen sic nur in losem Zusammenhänge 
mit den Klassen, aus denen sie hervorgegangen. In der Ein 
teilung der Beamtenklassen spielen die wirtschaftlichen Faktoren 
allerdings die beträchtlichste Rolle, aber sie sind anderer Art 
als die, mit denen der im Erwerbsleben stehende zu rechnen 
hat. Der Kampf mit seinen Siegen und Niederlagen dringt nur 
gedämpft, geschwächt in die Reihen des Staates; nicht das Los
	        

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