Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

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Der Internationale Herold. 
rialistischen und idealistischen Faktoren befaßt, das zur Um 
gestaltung der Naturumgebung zu Produktionsmitteln und, durch 
den Kampf um den Besitz derselben, zur Gesellschaftsordnung 
führte. Alle diese Faktoren sind auch weiterhin tätig und bringen 
immer neue Erscheinungen in der Umgebung, dadurch neue 
Erfahrung, und somit neue Ideale der gesellschaftlich organi 
sierten Menschheit hervor. In den Vordergrund unserer jetzigen 
Betrachtung tritt jedoch der Wunsch und das Bestreben der 
Gesellschaft, die sich jeweilig ergebenden Resultate, Erschei 
nungen und Ideale erkenntnismäßig zu erfassen, nach gewissen 
Normen zu ordnen, sie zu formulieren und so weit als möglich 
festzuhalten, mit einem Worte, sie zu einer für alle Gesell 
schaftsmitglieder gültigen Lebensordnung der Gesellschaft zu 
machen. Diesen Wunsch selbst bezeichnen wir als „das Ideal 
der Regierung“, sein Endergebnis ist der Staat. Die wesent 
lichste Funktion des Staates besteht also darin, das uns bereits 
bekannte Spiel der Kräfte in dem Leben der Gesellschaft zu 
ordnen, zu leiten, seine Ergebnisse zu formulieren und zu er 
halten, wobei er sich jedoch auf solche beschränkt, die ihm 
bedeutsam genug für das gesellschaftliche Leben erscheinen, 
während er die Ordnung aller übrigen einzelnen Gruppen und 
Organisationen der Gesellschaft überläßt, z. B. die Regelung 
des größeren Teiles des religiösen Lebens der Kirche, oder die 
künstlerische Betätigung, unter Wahrung der „öffentlichen Sitt 
lichkeit“, den privaten Vereinen, Klubs und Kunstschulen, die 
sich damit befassen mögen. Wir sehen also bereits, die Funk 
tionen des Staates erstrecken sich nicht nur auf alle Gebiete, 
sondern sogar auf alle bedeutsamen Einzelerscheinungen des 
Lebens in der Gesellschaft, und es versteht sich von selbst, 
daß ein Apparat mit derartig umfassenden und vielseitigen 
Funktionen selbst eine markante und höchst wichtige Erschei 
nung in der Gesellschaft bilden muß. Ehe wir uns nun den 
Einzelheiten dieser Erscheinung und ihrer Funktionen zuwenden.
	        

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