Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

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Der Internationale Herold. 
mehr Rücksicht au! ihren Handel nehmen und können nicht 
hoffen, Verluste Merkurs durch Dienste des Mars wettzumachen, 
und Frankreich hängt sehr an Belgien, sehr, damit sich dieses 
ja nicht etwa an England hängen und einst vielleicht gar Freund 
schaft mit Deutschland schließen möge. 
Italien schneidet glänzend ab, gefälliger Gastherr, ge 
schmeidiger Vermittler, aufrichtiger Friedensfreund, intimer 
Freund des Landes, das für sein wirtschaftliches und politisches 
Gedeihen maßgebend ist — glänzender hat es nie dagestanden. 
Es ist in der beneidenswerten Lage, seine eigenen Interessen 
durch die Dienste fördern zu können, die es dem Gemeinwohle 
leistet, ohne sic besonders erwähnen zu brauchen. Ohne die 
kräftige und, wie wir gerne anerkennen, geschickte Unterstützung 
Italiens wäre die Lage Lloyd Georges geradezu unhaltbar. Er 
wähnung verdient noch die Haltung Japans, das in aller Stille 
seine Sympathie für Frankreich entdeckt zu haben scheint. Es 
wäre nicht weiter erstaunlich, wenn man in Tokio dem einstigen 
Bundesgenossen den Wechsel zu Amerika hinüber nicht verzeihen 
könnte. Der junge, lebenskräftige, selbstbewußte Imperialismus 
des asiatischen Insclrciches zerrt im Geheimen sicher unge 
duldig an den Fesseln, die man ihm in Washington angelegt 
hat, und die ihn nötigen, sich lächelnd mit den verhaßten 
Yankees solidarisch zu erklären in dem Wunsche nach Erhal 
tung des Friedens und der offenen Türe im fernen Osten. 
Der Gesamteindruck Europas, so wie er sich in Genua dar 
tut, ist überaus entmutigend und beunruhigend; auch wer sich 
keinen Illusionen betreffs der Zersplitterung und Verteiltheit der 
europäischen Staaten hingegeben hat, muß doch mit Schrecken 
diese Tiefe der Leidenschaften, diese Wälle unversöhnlichen 
Hasses wahrnehmen, die sie von einander trennen. Wer noch 
daran zweifelte, daß das bürgerliche kapitalistische Wirtschafts 
und Gesellschaftssystem im grassesten Materialismus aufgeht 
und jedes Verständnis für die ideellen Kräfte des Völkerlebens,
	        

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