Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

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Der Internationale Herold. 
Fanal.“ Ein Freund teilte mir im vorigen Jahre aus Melbourne 
mit, daß vom Verein deutscher Patrioten verschiedene Pamphlets 
in Australien verbreitet worden seien, in denen die deutschen 
Patrioten behaupten, Äustralien sei moralisch untauglich, die 
deutschen Besitzungen im Stillen Ozean zu übernehmen. Weiter 
habe die „Tägliche Rundschau“ in Berlin £ 5—20 offeriert, 
um das Gedicht: Where is the Flag of England — umzudichten, 
und es seien 478 Uebersetzungen eingegangen. Diese Ver 
höhnung Äustraliens habe hier den Haß aufs neue entfacht. 
Älso überall Fortsetzung der Feindschaft, des Hasses und des 
Kampfes, keine Völkerversöhnung, kein Völker friede. Die Brand 
fackel des Krieges will nicht verlöschen. Sie klimmt am Boden 
weiter. Von Volks Verhetzung und Parteileidenschaft verblendete 
Menschen suchen sie immer wieder zu ergreifen. 
Das Deutsche Reich als Staatsganzes hat demgegenüber 
allerdings den ernsten Vorsatz, versöhnend zu wirken. In der 
Einleitung zur Verfassung, die am 31. Juli 1919 von der National 
versammlung in Weimar beschlossen worden ist, heißt es: „Das 
deutsche Volk hat sich die Verfassung gegeben, beseelt von, 
dem Willen, das Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern 
und zu befestigen, dem innern und dem äußern Frieden 
zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern.“ 
Die neue Reichsverfassung hat einen bestimmten pazifistischen 
Grundton. Jeder treue Reichsbürger wird an dieser Willens 
kundgebung nicht achtlos vorübergehen, sie vielmehr zu einem 
eigenen Willensimpuls werden lassen. Deutschland hat der 
Gewalt- und Machtpolitik entsagt. Die Liebe für das eigene 
Vaterland soll das weltbürgerliche Ideal mit umschließen nach 
einem früheren Äusspruche, daß es „undeutsch ist, bloß deutsch 
sein zu wollen“. 
Das gilt also auch für die deutsche Schule. Der Einleitung 
der Verfassung entspricht der Ärtikcl 148, der sich inmitten 
des 4. Äbschnittes des 2. Teiles der Verfassung, der von der
	        

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