Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

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Der Internationale Herold. 
ihre Zeitgenossen und ihre Nachwelt ausgeübt, aber für den 
Aufbau der Gesellschaftsordnung sind sie keineswegs von Be 
deutung gewesen. Die vorwiegend geistigen Arbeiter haben erst 
in allerletzter Zeit angefangen, sich zu organisieren, da sie, 
infolge einer gewissen Bevorzugung von seiten der herrschenden 
Klassen, sich stets zu diesen zählten und, in der Tat, deren er 
gebenste Diener und wertvollste Stützen bildeten. Mit dem stets 
kräftigeren Hervortreten des materialistischen Charakters des 
ganzen wirtschaftlichen Lebens, konnten sie sich jedoch auf die 
Dauer der Einsicht nicht verschließen, daß auch sie und ihre 
geistigen Fähigkeiten lediglich als Produktionsmittel bewertet 
werden, und daß bei der rapiden Zunahme ihrer Zahl, ihre 
wirtschaftlichen Interessen nur durch geeignete Organisationen 
zu wahren sind. Ganz schlimm stände es um die Jünger der 
Kunst, wenn nicht zunehmendes Verlangen nach ästhetisch an 
genehmer Wirkung aller Gebrauchsgegenstände ihnen in der 
neuzeitlichen Industrie ein riesiges Arbeitsfeld eröffnet hätte, 
ebenso wie diese Industrie auch einer stetig wachsenden Zahl von 
Gelehrten die Möglichkeit bietet, ihre persönlichen Neigungen 
mit ihren wirtschaftlichen Interessen in angemessener Weise zu 
verbinden. Staat und Gesellschaft haben in zahlreichen Anstalten 
und Einrichtungen ähnliche Möglichkeiten geschaffen. Nur die 
berufsmäßigen Träger der Religion sind zahlreich und einfluß 
reich genug gewesen, um sich in den Religionsgemeinschaften 
und in der Kirche eigene Organisationen zu gründen, die überall 
auch die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder zu wahren 
suchten; davon, wie gesagt, an anderer Stelle mehr. 
Zusammenfassend erkennen wir also in dem Aufbau der 
Gesellschaftsordnung das Resultat des ununterbrochenen Kampfes 
aller um das Dasein und um die Herrschaft über andere. Der 
Kampf wird vornehmlich auf wirtschaftlichem Gebiete geführt, 
wennschon die anderen Grundideale mit allen ihren Hilfsidealen 
unaufhörlich in ihn eingreifen und seine äußere Gestaltung zeit
	        

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