Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

38 
Der Internationale Herold. 
schalt antreten mußte. Die bürgerlichen „Demokratien“ der 
ganzen Welt haben denn auch alsbald unzweideutig gezeigt, wie 
ernst es ihnen um den Begriff der Volkshcrrschaft zu tun ist, 
wie sehr sie den Willen eines Volkes achten, wenn es sich um 
andere als bürgerlich-feudal orientierte Gesellschaftsordnungen 
handelt. 
Der Druck der „demokratischen“ Gesellschaft und Regierung 
hat das Proletariat bald darüber belehrt, daß es ohne eigene 
Organisation den herrschenden Klassen wehrlos ausgeliefert 
sei. Es verfügt nur über die persönlichen Fähigkeiten der 
einzelnen Arbeiter als Produktionsmittel aber, dank der fabri- 
kationsmäßigen Produktionsweise, in solchem Ausmaße, daß es 
tatsächlich das gesamte wirtschaftliche Leben eines Volkes lahm- 
legen kann. Mit dieser Organisation führt es einen dreifachen 
Kampf, um bessere Daseinsbedingungen (Lohnkampf), um poli 
tische und soziale Rechte und um eine neue Wirtschafts- und 
Gesellschaftsordnung. Theoretisch sollen die ersten beiden Be 
strebungen der letzten untergeordnet sein, als Mittel zur Er 
reichung des dritten Zieles gelten; tatsächlich bilden die zwei 
ersten Selbstzwecke, und anscheinend oft, sehr oft, die einzigen 
wirklich klar erkannten Ziele. Hierüber mehr, wenn wir den 
Kampf der Klassen um die Vorherrschaft im Staate erörtern 
werden, aber es möge hier kurz daraufhin gewiesen sein, daß 
der Kampf um die Gesellschaftsordnung und um den Staat auf 
wirtschaftlichem Boden mit wirtschaftlichen Mitteln geführt wird; 
politische Rechte sind dabei nur Mittel zur Erringung wirtschaft 
licher Vorteile. Wie wenig eine wirtschaftlich abhängige Klasse 
die politische Führung übernehmen und behalten kann, wenn 
sie nicht einfach das Werkzeug der wirtschaftlich herrschenden 
Klassen sein will, wie wenig die politische Führung sie instand 
setzt, ihre wirtschaftlich-gesellschaftlichen Ziele zu erreichen, 
das lehrt neben Australien 1 jetzt besonders Rußland, und das 
werden wir in nächster Zukunft wahrnehmen können, so oft
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.