Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

lieber Geschichtsauffassung. 
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auf Paris ausüben werden. Erst verlangt Amerika Bezahlung 
der Kosten für seine Rheinarmee und stellt weitere Forderungen 
in Aussicht, dann kommt England mit seinen Zins- und Schuld 
forderungen und nun deutet man an, daß weitere Kontroll 
kommissionen in Deutschland nur auf Kosten der Ententeländer 
unterhalten werden können, — daß heißt also: Wenn Frankreich 
sich seinen Militärluxus absolut leisten will, muß es bereit sein, 
teuer dafür zu zahlen, aber ob es wirkliche Vorteile aus ihm 
ziehen wird, das ist eine ganz andere Frage. Der Geschäfts 
imperialismus der Angelsachsen ist ganz gewiß kein hehres 
Ideal, dem man jeden Erfolg wünschen könnte, aber er ist im 
Vergleiche zum militaristischen Imperialismus so sehr das 
kleinere Uebel, daß man ihm vor jenem unbedingt den Vorzug 
geben muß. Genua wird kaum mehr als die Entscheidung da 
rüber bringen, welche Richtung tonangebend in Europa und der 
Welt sein soll; — das ist eine Entscheidung von eminenter, 
fundamentaler Bedeutung. 
Gelangt man darüber hinaus zu einer Verständigung mit 
Rußland, die jene so wichtigen Gebiete dem Neubau des wirt 
schaftlichen Lebens zugänglich macht, so werden wir mit großer 
Genugtuung auf diese Konferenz zurückblicken können, die jedes- 
falls einen Schritt in der Richtung der Völker Versöhnung und 
Völkerverständigung, einen Versuch zur Konsolidierung des 
Friedens in Europa und daher ein historisches Ereignis ersten 
Ranges darstellt. 
lieber Geschichtsauffassung. 
IV. Arbeitsteilung und Gesellschaftsordnung. 
J. J. Rousseau’s geistreiche Theorie von dem „contrat 
social“ ist längst als gänzlich unhaltbar fallen gelassen worden, 
und wir dürfen zweifellos annehmen, daß auch das gemein 
schaftliche Zusammen- und Nebeneinanderleben der Menschen
	        

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