Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

Umschau (Lloyd George und Genua), 
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dürfte man der französischen Behauptung — Deutschland habe 
allein den Krieg verschuldet, erwidern: — und Frankreich trägt 
allein die Schuld an diesem Frieden. Wir gestehen, daß uns 
eine Anklage fast ebenso schwerwiegend erscheint als die andere; 
der Geist, der aus beiden Handlungen spricht, sieht sich ver 
zweifelt ähnlich, und wenn dieser Friede viel länger dauert 
als der Krieg gedauert hat, wird er fast ebenso verheerend 
wirken aber noch viel mehr Schuldlose treffen als jener. 
Lloyd George und Genua. 
Lloyd George hat seine allseitig mit großer Spannung er 
wartete Rede im englischen Unterhause gehalten und einen 
beträchtlichen parlamentarischen Erfolg errungen, obwohl er 
eigentlich nichts neues gesagt und sein Programm nicht einmal 
angedeutet hat. Wir können mit einer gewissen Genugtuung 
darauf hinweisen, daß wir schon in unserer März-Ausgabe richtig 
und ausführlich beschrieben haben, was immer deutlicher als 
die Kernfrage der nächsten gemeinsamen Verhandlungen hervor 
tritt, nämlich, die Erschließung Osteuropas und Westasiens für 
die Industrie und den Handel Mittel- und Westeuropas. Wir 
wollen daher diese Aufgabe nicht noch einmal erörtern, sondern 
nur die weitere Entwicklung der Konferenzfragc und die Stellung 
nahme der einzelnen, maßgebenden Regierungen zu ihr kurz 
schildern. Zweifellos ist Lloyd George der geistige Vater und 
die treibende Kraft dieses Konferenzplancs, mit dem er endlich 
offen zu der Politik seiner Versailler Denkschrift zurückkehrt. 
Wer die politische Tätigkeit dieses geistreichen, hervorragenden 
Mannes vor dem Kriege beobachtet hat, der konnte nicht an 
seiner eigentlichsten, innersten Ueberzcugung zweifeln, daß unsere 
ganze europäische Wirtschafts-, Gesellschafts- und Staatsordnung 
tiefgreifender Reformen bedürfe, und daß er bereit sei, gründlich 
mit ihr aufzuräumen. Als er dann, während des Krieges, alle 
Reformpläne aufgab, um durch die Beseitigung des antidemo
	        

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