Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

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Der Internationale Herold. 
ristisch-politischen Imperialisten unverständlich sind — jetzt in 
Frankreich wie einst in Deutschland. 
Dieser englisch-französische Gegensatz spielt heute eine 
Hauptrolle in den politischen und wirtschaftlichen Ereignissen 
der Welt. Gelingt es nicht, ihn in Genua und den darauf folgen 
den Konferenzen aus der Welt zu schaffen, so müssen wir uns 
auf das Schlimmste gefaßt machen, — Eifersucht — politisches 
Ränkespiel — Wettlüsten — Bündnisse — Krieg. Den Weg 
kennen wir, fragt sich nur, ob die Völker sich bereit finden 
werden, ihn abermals zu gehen; jedesfalls ist die Gefahr wirk 
lich, ernst, unmittelbar bevorstehend, drohend. Friedensfreunde 
der Welt, haltet Euch bereit, ihr beizeiten entgegenzutreten! 
Noten, Nöte und Notizen. 
Die amerikanische Note, die den Finanzministern der En 
tente die Verteilung der ersten Goldmilliarde so leicht und allen 
Staatsmännern die Herzen so schwer machte, war ernst ge 
meint. In Paris hat man sich sehr wider Willen davon über 
zeugen müssen, daß das ein energischer Wink zur Abrüstung 
sei, den man beachten müsse, falls man nicht noch schlimmere 
Forderungen erleben wolle. Einstweilen hat man in einer sehr 
höflichen Antwort die Forderung als berechtigt anerkannl, was 
man sonst noch geantwortet, ist vorläufig noch nicht bekannt 
geworden, wohl aber ein ziemlich auffallender Wechsel in der 
Stellung der Pariser Regierung zur Konferenz von Genua. Man 
behauptet, sich und seine Rechte und Privilegien nach jeder 
Richtung hin bestens gesichert und gedeckt zu haben, zeigt aber 
eine merkwürdige Unruhe und spricht sogar von drohender 
Gefahr. Glaubt man etwa doch, daß das abwesende Amerika 
trotz der Schweigepflicht der Anwesenden eine deutliche Sprache 
reden könnte? Das wäre allerdings unheimlich — aber möglich 
ist es schon; die erste Tischklopferei war ja wohl auch ame 
rikanischen Ursprunges ?
	        

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