Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

Umschau (Französische versus englische Politik). 
21 
ejropa; nimmt man dazu seine großen und konsequenten An 
strengungen in Kleinasien und Nordafrika, so kann man kaum 
noch zweifeln, daß man es hier mit einer Neubelebung der 
Napoleonischen Wcltmachtspläne, allerdings in neuzeitlicher 
Gestalt, zu tun hat. Wie stets in seiner Geschichte geht Frank 
reich von der Erweiterung seines politischen Einflusses und 
seiner Staatsgewalt aus in der Annahme, die wirtschaftliche 
Gestaltung werde dann ohne weiteres folgen. Ein Gedanke, der 
sich wiederholt als falsch erwiesen hat, der aber, ehe er wiede 
rum aufgegeben werden muß, unsägliches Unheil anrichten kann, 
wenn es nicht gelingen sollte, die französische Politik in andere 
Bahnen zu lenken oder, wenn es sein muß, zu drängen. Das 
ist die Aufgabe, die Amerika und besonders England zu be 
werkstelligen haben. Die Regierungen wahren noch ihre korrekte 
Haltung und erklären bei jeder Gelegenheit ihr völliges oder 
herzliches Einvernehmen, täuschen damit aber niemanden mehr. 
Die Presse spricht schon eine viel offenere Sprache und hie 
und da werden Stimmen laut, die die alte Feindschaft bereits 
wieder in voller Glut erblicken lassen. Man braucht diesen keine 
allzugroße Bedeutung beizumessen, darf sie aber auch nicht 
gänzlich übersehen. Die Schriften des deutschen Generals Bern 
hard! wurden in seiner Heimat wenig beachtet, galten aber der 
übrigen Welt als ein klarer Spiegel der deutschen Denkweise 
und Stimmung, ähnlich darf man das Buch des französischen 
Obersten Charles Gautier — „l’Angleterre et Nous“ — betrachten, 
das zweifellos trotz mancher Uebcrtrcibungen den Grundton der 
französischen Imperialisten gegenüber England richtig erkennen 
läßt. Das Leitmotiv ist: England behauptet seine Stellung unter 
den Mächten der Welt lediglich durch seinen Bluff; wirkliche 
Macht steckt nicht dahinter; Frankreich braucht nur furchtlos 
zuzufassen, um den tönernen Koloß zu Falle zu bringen. Das 
ist jene verhängnisvolle Verkennung der wirtschaftlichen Kräfte, 
auf denen das britische Weltreich beruht, und die den milita
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.