Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

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Der Internationale Herold. 
Zugeständnisse wertlos für Frankreich zu machen. Als die Tür 
kei ganz gegen alle Erwartungen aber wohl nicht ganz ohne 
französische Hilfe kräftigen Widerstand zu leisten begann, gegen 
den weder die Araber noch die Juden etwas ausrichtcn konnten, 
mußte Griechenland versuchen, die bereits angebrannten eng 
lischen Kastanien aus dem Feuer zu holen, wofür es allerdings 
keine direkte offizielle Unterstützung, wohl aber allerlei Zusagen 
von England erhielt. Mit der griechischen Niederlage fiel das 
ganze Gebäude dieser ränkevollen, unehrlichen englischen Politik 
zusammen und geriet London in große Bedrängnis, denn alle, 
die Zusagen erhalten haben, verlangen nun Erfüllung derselben. 
Am gefährlichsten ist aber doch das kräftige Aufflammen der 
panislamischen Bewegung infolge der türkischen Siege. Gelingt 
es England nicht, die Araber fest auf seiner Seite zu halten, 
so kann es sich einem gewaltigen Flammenmeere in Mesopo 
tamien und Indien gegenübergestellt finden. Diese große Be 
drängnis wird dem „kranken Manne“ nicht nur das Leben, 
sondern auch Teile seines europäischen Reiches retten, die für 
ihn unwiderruflich verloren zu sein schienen; ob er sich ohne 
den Besitz der „heiligen“ Stadt Adrianopel zufrieden geben 
wird, erscheint sehr fraglich. Frankreich hat indirekt einen be 
trächtlichen Sieg über England davongetragen und wird fraglos 
versuchen, einige Früchte desselben in Genua zu pflücken. 
Geradezu skandalös ist die abermalige Auslieferung der Ar 
menier und anderer Christen an ihre unversöhnlichen türkischen 
Schlächter; sie hatten dazu gedient, die reine Interessenpolitik 
Englands mit einem schönen moralischen Mäntelchen zu ver 
decken, denn gerade ihr überaus trauriges Schicksal hatte als 
Beweis dafür gegolten, daß man dem Türken das Leben solcher 
Menschen unmöglich ferner anvertrauen dürfe. Es wird sich 
jetzt zeigen, welche Anstrengungen England zu machen bereit 
ist, um das Leben und Eigentum dieser Minoritäten zu sichern. 
Auch die Zukunft Aegyptens hängt an dem Ausgange dieser
	        

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