Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

Qandhi’s passiver Widerstand in Indien. 
15 
belebung der alten indischen Kultur mit Ausschaltung aller 
Einflüsse des Abendlandes. Mit der Herrschaft und Regierung 
der Europäer sollen auch ihre sogenannten Errungenschaften 
aus dem Lande verschwinden, Eisenbahn, mechanischer Web 
stuhl, Elektromotor nicht weniger als europäische Kleidung, 
Sprache und Gesittung, um das Leben Indiens da wieder an 
zuknüpfen, wo die Entdeckung des Vasco da Gama cs einst 
unterbrach. Gandhi hat die rein materialistische Tendenz unserer 
Entwicklung erkannt, fühlt sich abgestoßen von den lediglich 
auf das Außere wirkenden Triumphen unseres Fortschrittes, 
verspricht sich nichts, fürchtet alles von den Wundern unserer 
Technik für das Seelenleben, das wirkliche Leben der Völker 
Asiens. 
Soweit seine Anhänger im Banne dieser merkwürdigen 
Persönlichkeit stehen, befolgen sie die Lehren des Meisters 
blindlings, enthalten sie sich jeder Gewalttat, leiden sie ergeben 
die über sie verhängten Strafen. Aber nicht alle Vertreter 
„Jung Indiens“ sind solche Anhänger Gandhis, und selbst seine 
Jünger, die dem Volke den Willen des Meisters verkünden und er 
läutern, sind nicht immer solch überzeugte Apostel des Friedens 
wie er. So fehlt es denn auch nicht an Drohungen, Einschüch 
terungen und selbst rohen Gewaltakten und es stellt sich immer 
deutlicher heraus, daß Gandhi die Kontrolle über die in Be 
wegung geratenen Massen schnell verliert, trotz seiner öffent 
lichen und schweren Busen, mit denen er solche Fehler seiner 
Anhänger zu sühnen sucht. Als bei der Ankunft des englischen 
Thronfolgers in Bombay ein Aufruhr entstand und 53 Personen 
getötet nebst mehreren hunderten verwundet wurden, kündete 
er an, er habe sich zur Sühne für diese Sünden seines Volkes 
ein achttägiges Fasten auferlegt, was einen großen Eindruck 
auf alle die machte, die in ihm den „mahatma“ erblicken, 
leider aber nicht vor immer häufigeren Wiederholungen ähnlicher 
Szenen schützen konnte. Darum haben die englischen Behörden
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.