Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

Lieber Geschichtsauffassung. 
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tionsmittel hat durchweg die Gestalt der Ersetzung seiner Glied 
maßen und Muskelkraft durch mechanische Werkzeuge und 
andere Kraftquellen angenommen. Darüber ist bereits einiges 
gesagt worden und wird später abermals gesprochen werden, 
aber die Äusbildung des menschlichen Geistes als Produktions 
mittel soll noch kurz gestreift werden. 
Es ist eine mächtige Organisation, die diesem Zwecke dient, 
in tausenden von wissenschaftlichen Einrichtungen werden der 
Natur ihre Geheimnisse entlockt, in abertausenden von Instituten 
werden die so gewonnenen Kenntnisse gesammelt, geordnet und 
zur praktischen Verwertung in Technik und Industrie bearbeitet; 
in Schulen und Universitäten, in Werkstätten und Kontoren 
werden die Ärbeiter vor- und ausgebildet, und die Presse und 
der Büchermarkt verbreiten die Produkte menschlicher Geistes 
arbeit über den ganzen Erdball. Enorme Fortschritte sind in 
• den letzten hundert bis hundertundfünfzig Jahren gemacht worden, 
aber viel mehr, unendlich viel mehr bleibt zu tun übrig. Die 
Schule hat ihr Motiv mehrfach geändert, von der Erziehung 
guter Christen bis zur Äusbildung guter Staatsbürger und brauch 
barer Ärbeiter, aber in der ganzen Entwicklung hat das Ideal 
der Ärbeitsersparnis, dem wir die technischen Fortschritte ver 
danken, bisher nur wenig und recht unvollkommene Beachtung 
gefunden. Dort hat man längst erkannt, daß nicht die Zu 
bereitung des Materials sondern die Vervollkommnung der 
Maschine Fortschritt erzeugt, hier tritt die Äusbildung des 
Geistes noch immer zurück hinter der Äuswahl und Zubereitung 
des Stoffes; nicht die Fähigkeit, sich Kenntnisse anzueignen, 
sondern die Uebermittlung fertiger Kenntnisse bleibt oberstes 
Prinzip der Erziehung. Das Resultat ist eine enorme Kräfte- 
und Zeitvergeudung und sehr mäßiger Erfolg in der wirklichen 
Äusbildung des Geistes. Es ist leider unmöglich, an dieser Stelle 
weiter auf diese bedeutsame Erscheinung einzugehen oder ihre 
Ursachen auch nur flüchtig zu erwähnen.
	        

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