Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

lieber Geschichtsauffassung. 
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ein fast rein idealistisches Element; der Wert des Produktes wird 
also problematisch sein und durch subjektive Empfindungen des 
Besitzers beeinflußt. Soll aber ein solches Produktionsmittel 
lediglich als Tauschobjekt gelten, so nimmt es den Charakter 
der Ware an, und das subjektive oder idealistische Element seines 
Wertes tritt ganz zurück, der Wert wird durch das materialistische 
Element allein bestimmt. Die Frage des Besitzers lautet nicht 
mehr, welche Befriedigung kann ich durch eigene Verwendung 
des Produktes erzielen, sondern welche anderen Produkte kann 
ich dafür erhalten ? Mit dem Ausscheiden des subjektiven 
Elementes fehlt jeder absolute Wertmesser und muß der Wert 
der einzelnen Produktionsmittel nun durch den Vergleich mit 
einem als Maß gewählten Produkte quantitativ oder zahlenmäßig 
bestimmt werden. Dieses gemeinsame Maß ist in unserm Wirt 
schaftssysteme das Geld. Durch diese Einführung des Geldmaßes 
werden alle subjektiven oder persönlichen Beziehungen zwischen 
Produzenten oder Händlern und Arbeitsprodukten ausgeschaltet, 
letztere erscheinen nur noch als Produktionsmittel, sie werden 
zum Handelsobjekte oder zur Ware. So entsteht der Wunsch 
nach dem Besitze möglichst vieler und am Gelde gemessen, 
wertvoller Produktionsmittel oder, unter normalen Zuständen, 
nach dem Erwerbe möglichst vielen Geldes; das ist „das Ideal 
des Gelderwerbes“ oder „des Gewinnes“. 
Es leuchtet ohne weiteres ein, daß die Geldwertung der 
Arbeitsprodukte als Produktionsmittel eine durchaus gekünstelte, 
um nicht zu sagen willkürliche, ist. Die schöne Theorie von 
Nachfrage und Angebot kann hier nicht näher beleuchtet werden, 
denn sie fällt in das Gebiet der Wirtschaftslehre, aber es soll 
doch kurz darauf hingewiesen werden, wie sic unter den jetzigen 
Verhältnissen fast überall und täglich ad absurdum geführt, 
widerlegt wird; in Rußland sterben Millionen Menschen an 
Nahrungsmangel und in Teilen Nordamerikas heizen Fabriken 
mit Mais, während die Häfen Englands mit Kohle angefüllt sind
	        

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