Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

Umschau (Deutschland). 
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tige Hilfe der Neuen Welt erwarten. Osteuropa und Asien halten 
die Hoffnung Europas und der Welt in ihrem Schoße, nur ein 
geeinigtes Europa wird sie verwirklichen können. 
Deutschland. 
In der vorigen Ausgabe hatten wir dem Reichstag einen 
Vorwurf gemacht, weil er sich zwar zur Befolgung der Regie- 
rungspolitik bereit erklärt, nicht aber zu einem Vertrauensvotum 
hatte aufschwingen können. Unmittelbar darauf versuchten die 
beiden Parteien der Rechten im Vereine mit der äußersten 
Linken sogar, die Regierung zum Falle zu bringen, erlitten aber 
selbst eine Niederlage und die Regierung erhielt ihr Vertrauens 
votum, das sie durch ihre feste Haltung gegenüber den streiken 
den Bahnbeamten noch ganz besonders verdiente. In ihrem 
neuen Minister des Auswärtigen, Herrn Dr. Walter Rathenau, 
hat sie einen durch seine Beziehungen zu dem internationalen 
Großkapital, sowie durch seine persönlichen Eigenschaften sehr 
wertvollen und, wir glauben, auch geschickten Mitarbeiter ge 
funden, der allerdings von einer einflußreichen Gruppe des 
deutschen Großkapitals und der ihr nahestehenden Deutschen 
Volkspartei anscheinend bitter befehdet wird. Deutschland kann 
cs sich in seiner gegenwärtigen Lage am allerwenigsten erlauben, 
seine an und für sich schon allzugroße politische Zergliederung 
durch solchc'persönlichen und engherzigen Parteizwistigkeiten auf 
die Spitze zu treiben. 
Neue Steuergesetze, die nach langen und heißen Partei 
kämpfen gesichert sind, werden dem notleidenden Teile der 
Bevölkerung weitere, schwere Lasten aufbürden, mit einer 
Zwangsanleihe aber auch das private Kapital ziemlich derb 
anfassen. Der eigentliche Zweck, Ausgleich des ordentlichen 
Etats, kann nicht dauernd erreicht werden, solange jede zahlen 
mäßige Erhöhung des Einkommens immer sofort durch eine 
entsprechende Entwertung des Geldes wieder ausgeglichen, zu
	        

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