Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

Wirtschaftliche Nöte und Hoffnungen. 
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Aufbietung aller Kräfte zu lösen. Amerika fürchtet wohl nicht 
ohne Grund, daß seine sofortige Bereitwilligkeit zu Intrigen unter 
den europäischen Staaten, vielleicht sogar zu Spaltungen führen 
könnte, indem einige ihr Augenmerk nicht so sehr auf die 
eigentliche Aufgabe als vielmehr auf die E^rhaschung aller 
möglicher Vorteile und Begünstigungen durch die Hilfe des 
mächtigen Arbeitsgefährten richten könnten. Das hat es in 
seiner ablehnenden Antwort auf die Einladung zur Konferenz 
von Genua ziemlich deutlich zum Ausdrucke gebracht. 
Frankreich hat sich lange genug gegen das ganze Projekt 
gewehrt, sieht aber ein, daß es unmöglich abseits stehen kann, 
wenn es dennoch zur Ausführung gebracht werden soll. Sein 
Mißtrauen gegen Deutschland scheint unüberwindbar zu sein 
und veranlaßt es, sich allerlei Garantien auszubedingen gegen 
jedwede Beeinträchtigung seiner vertraglichen Rechte und son 
stigen Ansprüche. Das ist die denkbar ungünstigste Geistes 
verfassung zu einer freudigen Zusammenarbeit und wird noch 
zu manchen unliebsamen Störungen und Zwischenfällen führen. 
Man darf aber wohl erwarten, daß Amerika und England, als 
übermächtige Gläubiger, einen heilsamen Druck auf den ehe 
maligen Kriegskameraden ausüben werden. Unverkennbar sind 
die Bemühungen Frankreichs, zu einer Verständigung mit Polen, 
den Staaten der Kleinen Entente und Italien zu gelangen, um 
so nicht nur sein eigenes Gewicht beträchtlich zu vermehren, 
sondern auch als Vormacht der Staaten, die entweder zu dem 
Arbeitsfeldc gehören oder es von den Unternehmern trennen, 
eine Kontrolle über alle Arbeitsprojekte ausüben zu können. 
Hier liegt eine der größten Gefahren, die dem ganzen Unter 
nehmen drohen. Eine feindliche Haltung jener Randgebiete 
allein könnte schon viele und ernste Hindernisse schaffen, aber 
wenn sie einheitlich Vorgehen und an Frankreich einen offenen 
oder versteckten Rückhalt finden, können sie unter Umständen 
das ganze Unternehmen zum Scheitern bringen. Frankreich
	        

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