Full text: Der internationale Herold (1. Jahrg. 1922)

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Der Internationale Herold. 
aufgebraucht und ist außerstande die großen Bodenschätze und 
Naturreichtümer des Landes zu heben und zu fördern. Hier 
gilt es die vorhandenen unzureichenden Arbeitskräfte zu stärken, 
zu organisieren, anzuleitcn und durch Menscheneinfuhr zu 
mehren, um so im Laufe der Zeit, aber doch so schnell als 
möglich, Werte zu schaffen, die den Handel mit den Industrie 
ländern Mittel- und Westeuropas ermöglichen werden. Die Arbeit 
wird größer, die Entwicklung langsamer sein als in Ostasien, 
aber die Resultate können unter Umständen nicht nur viel länger 
Vorhalten, sondern auch viel großartiger werden als dort. 
Die Schwierigkeiten, die sich der Durchführung dieses Planes 
entgegenstellen sind so enorm, daß nur die zwingende Not und 
die Aussicht auf Rettung uns zu der Hoffnung auf ihre Ueber- 
windung berechtigen; sie können in drei große Gruppen eingeteilt 
werden, die Organisation der Zusammenarbeit der unternehmen 
den Staaten, der Widerstand der Bevölkerung in den zum 
Arbeitsobjekte erwählten Gebieten und die technischen Schwierig 
keiten. Die letzte dieser Gruppen mag den Sachverständigen 
überlassen werden, aber die beiden ersten bilden Fragenkomplexe, 
die die gesamte Politik der nächsten Zukunft beherrschen und 
daher unmittelbar in das Leben jedes einzelnen eingreifen werden. 
Es ist äußerst interessant, die Haltung der einzelnen Länder zu 
diesem Probleme zu beobachten. Wie vorauszusehen war, haben 
die Vereinigten Staaten von Amerika zunächst eine abwartende 
Haltung angenommen; sie sind mit dem sie viel näher und 
dringlicher berührenden Probleme der Erschließung Ostasiens 
beschäftigt und hüten sich weislich, die ihnen zugedachte Rolle 
des Retters aus der Not für die untereinander sich mißtrauenden 
und befehdenden Staaten Europas zu spielen. Sie verlangen 
die Erfüllung einiger eigentlich selbstverständlicher Voraus 
setzungen, ehe sie sich an dem gemeinsamen Werke beteiligen 
wollen, vor allen Dingen wünschen sie erst einmal zu sehen, 
daß Europa diese Aufgabe klar erkennt und bereit ist, sie mit
	        

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