Full text: Unser ist der Sieg (Nr. 44, im Februar 1945)

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bis zum Aeußerstsil eFüllt, so steht auch die Heimatfront, alt 
und jung, trotz oftmaligem drohendem Bombergebrumm und 
Bombenkrachen, in unermüdlichem Schaffenseifer von früh bis 
spät, um das zu erarbeiten, was die Front kampfbereit und 
die Heimat sicher macht. 
In dem neu erstandenen Behelfsheim, in der Nachbarschaft 
von „Barthels Schorsche" ist ein kleiner Hetzel angekommen, 
Stöbels haben einen kleinen Sohn und Wöstyn eine Tochter 
bekommen. 
In Urlaub weilten Georg Angersbach und Adam Leimbach. 
Der älteste Einwohner von Neuenbrunslar, der alte Bahnwärter 
i. R. Schmidt, ist im gesegneten Alter von über 9>3 Jahren 
verstorben. ' 
Euch allen wünsche ich im Namen der Gemeinde rechtes 
Soldatenglück und sende Euch herzliche Heimatgrüße in der 
siegesfrohen Hoffnung auf gesundes Wiedersehen! 
Heil Hitler! Euer W. Ey sei, Stellv. Pressewart. 
Ortsgruppe Körle 
Liebe Kameraden! Der Anfang des Jahres 1945 brachte uns 
den Winter. Mittlere Kältetemperaturen und eine ziemlich hohe 
Schneedecke find das Bild, wie es die Heimat im Januar bot. 
Unsere Jugend nutzte diese Zeit tüchtig aus, um den Wintersport 
zu treiben. Ueberall an den Hängen und auch verbotenerweise 
in den Ortsstraßen sausten die Schlitten zu Tal. Aus den 
frischfröhlichen Gesichtern strahlte der Eifer und die Freude. Es 
ist eine Lust, unsere Kinder nach über fünf Jahren Krieg in einem 
solch guten Gesundheits- und Ernährungszustand zu sehen. Der 
Beginn des Februar machte diesen winterlichen Freuden der 
Kinder ein schnelles Ende. In wenigen Tagen trug unsere 
Mutter Erde wieder ihr altes Kleid. 
Die kriegsbedingten Aufgaben der Heimat find in ständigem 
Wachsen begriffen. Alle Hände werden benötigt, um diese zu 
meistern. Auch die Aufgaben der Partei', ihrer Gliederungen und 
angeschlossenen Verbände werden größer und fordern viel von 
Führung und Mitgliedern. Fast hundertprozentig ist das Ver 
ständnis, was den Erfordernissen entgegengebracht wird. 
Durch Feindeinwirkung wurden zwer Familien in Körle in 
Trauer versetzt. Heinrich Zrm mer m a n n kam der einem 
Angriff auf Kassel zu Tode und die Kriegswitwe Lisbeth 
Wachs verlor in Körle durch einen Flakauffchlagkrepierer das 
Leben. Ferner sind zu Anfang dieses Jahres gestorben: Frau 
Elisabeth A l h e i t, Katharina K ö r d e l und Konrad Jacob. 
In unseren Dörfern geht das Treiben seinen gewohnten 
Gang. Ueberall sind die Hände bei fleißiger Arbeit. Trotz 
mancher Schwierigkeiten will auch die Heimat ihr Teil zum 
Siege beitragen. 
Es grüßt Euch liebe Kameraden und wünscht Euch alles Gute 
die Heimat und Euer K. A r e n d. 
Ortsgruppe Guxhagen 
Liebe Soldaten und Kameraden aus der Ortsgruppe Gux 
hagen! Hoffentlich ist die Weihnachtsnummer unserer Front- 
zeitung inzwischen in Eure Hände gelangt. Manches Stück 
wird ja wohl auch diesmal verloren gegangen sein, obwohl Eure 
Angehörigen, der richtigen Anschrift 'wegen, den Versand direkt 
vornahmen. Zu unserer großen Freude schrieb mir in diesen 
Tagen Kamerad Werner Hoske vom 1. 1. 1945: „Ihre lieben 
Weihnachtsgrüße aus der Ortsgruppe Guxhagen haben mich noch 
rechtzeitig vor Weihnachten erreicht. Ich habe mich sehr gefreut, 
daß auch die Heimat immer an uns Soldaten, die weit in 
Feindesland find, denkt." Er läßt die Kameraden Hans Nägel 
und Jakob Reuter herzlich grüßen — Still und ernst ver 
liefen die Weihnachts- und Neujahrstage. Urlauber sahen wir 
leider kaum. Darum weilten diesmal unsere Gedanken unter 
dem Weihnachtsbaum um so inniger bei Euch, hoffend, daß es 
wirklich die letzten Kriegsweihnachten fein möchten! Mit großer 
Spannung lauschten wir den Worten des Reichsministers Dr. 
Goebbels und der Neujahrsansprache des Führers, die unsere 
Herzen mit neuer Kraft und Hoffnung füllten. 
Inzwischen hatte unser altes, liebes Kassel wieder mehrere 
Bombenterrorangriffe zu erdulden, bei welchem auch unser lieber 
Konrad Kleinert von der Bahn den Tod für das Vater 
land erlitt. Unter großer Beteiligung betteten wir ihn hier in 
der Heimat zur letzten Ruhe. In gleich schweres Leid wurde 
die Familie des Kriegsinvaliden Hans Wolfram versetzt, 
dem seine Frau Katharine Elisabeth geb. Franziskini und seine 
Tochter Mariechen, verheiratete Fehl kurz hintereinander durch 
den Tod entrissen wurden. Auch Familie Gärtner Johannes 
Krug trauert um die Heimgegangene Gattin und Mutter Martha 
Elisabeth geb. Icke. — Als' Verlobte grüßen Euch Erna 
Boefer und Martin B r a n d e n st e i n. 
Sonst geht das Leben hier seinen gewohnten Gang. Vg. 
Richard Riedemann, der jahrelang die Bürgermeistergeschäfte 
führte, ist inzwischen auch wieder zur Fahne geeilt. Zahlreiche 
Rückgeführte — zuletzt noch von der Saar — fanden gastliche 
Aufnahme. Wenn wir auch enger zusammenrücken mußten, so 
haben wir doch alle ein Dach über uns und keiner braucht zu 
hungern und zu frieren. Auch unsere Schule ist trotz der Kohlen 
verknappung noch in Ordnung. * 
Ein Herrlich-schönes Bild bot Eure liebe Heimat im Winter 
kleide. Wochenlang deckte dicker Schnee die weite Flur und 
schützte die schlummernde Saat. Ein Paradies für alte Winter 
sportler, wenn Friede wäre. Statt dessen sehen wir unseren 
Bolkssturm Sonntag für Sonntag draußen auf verschneiten 
Wegen oder auf dem Schießstand bei Geländeübungen, um sich 
vorzubereiten für den Einsatz im letzten Ringen unseres Volkes. 
Wir wollen ja gerne alles tun und das Letzte geben, wenn wir 
unser liebes Vaterland schützen und erhalten können. 
So flössen auch die Gaben bei dem letzten Volksopfer reich 
licher als wir alle gedacht, und es ist bewundernswert,, wie tapfer 
die Heimat bemüht ist, Euch Feldgrauen und dem Volkssturm 
zu geben, was an Ausrüstung gebraucht wird. 
Der Gesundheitszustand und die Ernährung sind noch immer 
gut. Die feindlichen Flieger haben uns bis jetzt verschont. Die 
Einwohner von Breitenau bauen z. Zt. einen Stollen in 
den Borg. 
Möchte bald der Tag der Freiheit kommen, der alle Not 
beendet, damit Ihr wieder heimkehren könnt zu Euren Lieben und 
wir in Frieden wieder aufbauen können unser so schwer getroffe 
nes herrliches schönes deutsches Vaterland. 
In diesem Sinne grüßt Euch Eure liebe Heimat und in 
Sonderheit Eure Ortsgruppe Guxhagen! Riese. 
Ortsgruppe ^ieäermöttrrek 
Liebe Kameraden! In diesen schweren Wochen letzter Ent 
scheidung wird auch in unserer Heimat der Rhythmus des 
seelischen Lebens von dem alles beherrschenden Kriegsgeschehen 
bestimmt, mag auch nach außen in Dorf und Flur der Arbeits 
gang wie seit Jahrhunderten der gleiche geblieben sein und Tages 
und' Nachtzeit nur durch das Heulen der Sirenen und durch die 
Motorengeräusche das kriegsmäßige Gepräge erhalten, Achtlos 
streift der Blick die Schönheit des Heimatbildes, wie es uns 
dieser Januar bot, wie ihr es im Traum Eurer Jugend erlebt 
habt, im tollen Wirbel des Schneegestöbers, im Wunder des 
Rauhreifs, in der weißen Pracht des Sonnentages und im 
Zauberschein der Bollmondnacht. Von Blums Rain herunter 
sausten wieder die Rodelschlitten, klangen die Rufe unbeschwerter 
Jugend — und unten floß die Eder mit leichtem Eisgang, aber 
von lautem Geschnatter der Gänse belebt. In wenigen Tagen 
schwand dann mit Beginn des Taumonats die Winterherrlich 
keit, dunkelschollig liegen wieder die Gewanne, jenseits des Bahnt 
damms glänzt der Ueberfchwemmungsspiegel der Schwalm, und 
lehmfarben strömt die alte Eder zwischen den leicht besonnten 
fahlgrauen Wiesen — ein erstes Borfrühlingsbild schöpferisch 
aufbrechender Natursehnsucht. Heilig ist uns die Heimat, heilig 
der weitgedehnte Hang, in dessen Mitte unser Dorf gelagert ist, 
der Sonne entgegen, heilig ist uns der Fluß, heilig der Kmnz 
der stillen Höhen. 
Rhünda im engen Tal des Rhündaflüßchens ^ oto Hemel-Sfanffmlurg
	        

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