Full text: Unser ist der Sieg (Nr. 43, Dezember 1944)

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Soldatenbetreuung’ mit Herz und Hand 
14000 Wäschestücke wurden in einem Jahr von der Meisunger Nähstube der NS.-Frauenschaft ausgebessert 
Am Bahnhof in Melsungen steht ein vielbesuchtes Haus. Als 
Arbeitsamt und Krankenkasse ist es vielen Soldaten wohl bekannt, 
daß sich darin aber auch eine stille bescheidene Arbeitsstätte! 
der NS.--Frauenschaft befindet, wissen nur wenige. Wer sein 
Auge darauf richtet, der sieht aber, daß dort ein reges Leiben 
herrscht. Seit Beginn des Krieges arbeitet hier die Nähstube. 
Allwöchentlich wandern 2—!3 Körbe Lazarettwüsche hinein, die 
unter den fleißigen Händen der Frauen geflickt und gestopft 
werden. Keineswegs find solche Hemden, Unterhosen, Kranken 
anzüge oder Strümpfe eine leichte Arbeit für Frauen, auch dann 
nicht, wenn sie fein sauber gewaschen aus dem Lazarett kom 
men. Da sitzt gar manches Loch, wo es nicht hingehört und 
manche Stunde fleißiger Arbeit geht erst dahin, ehe -das Wäsche 
stück wieder so hergerichtet ist, daß es einem deutschen Soldaten 
zur Benutzung ausgehändigt werden kann. Aber unverdrossen 
wird dort geschafft. Seit einem Jahr ist die Nühstube täglich 
besetzt. Ein Stab von ungefähr 20 Frauen arbeitet dort jeden 
Nachmittag. Außerdem holen die Zellen- und Blockleiterinnen der 
NS.-Frauenschaft an jedem Montag noch Flickwäsche dort ab. 
die sie den stillen bescheidenen Helferinnen bringen, die aus 
irgend welchen Gründen nicht außer dem Haufe arbeiten kön 
nen. 14 000 Stck. Wäsche wurden im vergangenen Jahr auf 
diese Weise wieder hergerichtet. Eine solche Zahl spricht sich 
zwar leicht aus, aber mancher Stich mußte getan werden, ehe 
die 14 000 Wäschestücke fertig zur Seite gelegt werden konnten-. 
Nicht nur im Lazarett ist die segensreiche Einrichtung der Näh 
stube bekannt, sondern auch das Heeresbekleidungsamt weiß regen 
Gebrauch davon zu machen. 3 000 Stck. Flickwüsche lieferte 
diese Stelle feit Beginn des Krieges an die Nühstube. Im ver? 
gangenen Jahr kamen sogar noch 700 Strickwesten und 600 
Paar Strümpfe dazu, die nur nach Aufbietung aller pmk- 
tischen und künstlerischen Fähigkeiten der Frauen beim Einstricken 
von großen und kleinen Teilen wieder als Strickwesten und 
brauchbare Strümpfe angesprochen werden konnten. 
Bon mancher Arbeit der Nähstube und ihren Heimg» 
beiterinnen könnte man noch sprechen, vom Flickbeutel für 
kranke und kinderreiche Mütter, vom Nähen der Bettwäsche 
NSRK-Motorsturm 21/M 47 Melsungen 
Liebe Kameraden! 
Es ist eine Zeit her, daß Ihn von uns gehört habt, und so 
wollen wir die Weihnachtsnummer der Frontzeitung benutzen, 
um Euch allen unsere Grüße auf diesem Wege zu senden und 
Euch von uns Nachricht zu geben. 
Unser Sturm ist weiterhin zusammengeschmolzen, und nur 
noch wenige Kameraden halten die Fahne Hoch. Der Geist 
aber ist der gleiche geblieben, und so wie unsere Gedanken 
bei Euch sind, so werdet auch Ihr gerade in der Weihnachts 
zeit an uns zurückdenken, an die Stunden unseres ftohen 
kameradschaftlichen Zusammenseins, an unsere Weihnachtsfeiern 
und überhaupt an unseren Dienst. ' 
Don manchen Kameraden hören wir laufend. Biele aber 
hüllen sich auch in Schweigen, und nichts freut uns mehr, als 
wenn Ihr die Verbindung mit uns aufrecht erhaltet und uns im 
Urlaub besucht. 
Möge die Zeit nicht fern fein, da wir wieder im Kame 
radenkreise zusammensitzen und gemeinsam unseren Dienst für 
Führer, Volk und Vaterland tun! 
Trotz der wenigen Männer, die noch hier sind, läuft der 
Dienstbetrieb weiter, sei es durch die Nachschulung der Kraft 
fahrer von Nutzfahrzeugen, sei es durch Ausbildung der Motor- 
HI.. durch Beteiligung am Wehrschießen, durch Einsatz am 
Westwall oder jetzt im Bolkssturm. Bis zum letzten wollen wir 
unsere Kraft hergeben, um mit dazu beizutragen, daß aus allem 
Kampf und aus der Schwere der Zeit der Sieg hervorgeht. 
Wir grüßen Euch mit einem kräftigen Heil Hitler! 
Im Namen aller Kameraden Euer Sturmführer. 
Aus Feldpostbriefen, die die Kreisleitung erreichten: 
.. Nun. nachdem der Feind an verschiedenen Stellen 
der Front deutschen Boden betreten hat, wollen wir getreu 
unserem Eid auf den Führer unsere Pflicht bis zum letzten er 
füllen. Wir wissen, daß der Führer im entscheidenden Augen 
blick durch den Einsatz neuer Waffen und Kampfmittel uns die 
Möglichkeit zum Endsieg geben wird (Uffz. K. D.) 
.... Sonst kann Iwan nicht viel ausrichten, denn wir 
haben feste Stellungen und Bunker. Lieber für die Heimat 
sterben, als ewig Sklave anderer Mächte fein!... (Obgfr. W. E.) 
für NSB.-Heime. Nach dem Terrorangriff auf Kassel wurde 
sogar Bettwäsche für Geschäfte genäht, damit den Fliegergo 
schädigten auf schnellstem Wege wieder Bezüge ausgehändigt 
werden könnten. Aber heute wollen wir noch etwas anderes 
berichten: 
Wer vor einiger Zeit den Beginn der Nähstube beobachten 
konnte, der stellte einen besonders regen Besuch fest. Etwas fesb- 
licher angezogen als sonst erschienen die Frauen recht pünktlich 
und jede trug ein Päckchen und noch ein paar Blümchen vor 
sichtig in der Hand. Seit dem Bestehen der Nähstube wird 
einmal im Jahr ein Nachmittag gefeiert, an dem die fleißigen 
Hände ruhen. Wer aber so treue Freundschaft mit zerrissenen 
Soldaten-Hemden und -Strümpfen hält, der will bei einer 
solchen Feier die Träger dieser Dinge nicht missen. So fanden 
auch 25 Soldaten den Weg zur Nähstube. Die beiden kleinen 
Räume empfingen die Frontkämpfer blumengeschmückt. Auf 
den Tischen lagen kein- zerrissenen Hemden, sondern standen 
leckere Kuchen, von denen einer der Soldaten feststellte, daß 
sie nicht nach dem 6. Kriegsjahr aussahen. Bald saß eine gc-j 
mütliche Kaffeegesellschaft beisammen. In Knüttelversen wurden 
die Frauen den Soldaten vorgestellt, wodurch ihnen gleichzeitig 
ein lustiges Bild von der besonderen Veranlagung und Tätigkeit 
der Frauen gegeben wurde. Der Schweiß floß in Strömen, denn 
die Sonne und der Kaffee meinten es gut, aber Frl. Becker, die 
Kreisabteilungsleiterm „Hilfsdienst", in deren Hände ja Nähstube 
und Soldatenbetreuung vereint find, hatte für eine Abkühlung 
gesorgt. Sogar Bier wurde aufgefahren. Nach einem lustigen 
Liedlein auf den Branntwein (von einer der Frauen selbst ver 
faßt). durfte jeder Soldat sogar ein Gläslein versuchen. Die 
Soldaten freuten sich, die Frauen aber waren glücklich, auch 
einmal in dieser Form Verwundete betreut zu haben. 
Wir wissen genau, daß jeder der anwesenden Frontkämpfer 
in Zukunft, wenn er sein frisch geflicktes Hemd überzieht, daran 
denken wird, daß in der Melfunger Nähstube Frauen sitzen, 
die zu jeder Zeit mit Herz und Hand sich für ihre Soldaten 
einsetzen. Ow. 
Ein Kamerad, der eingeschlossen war und sich über eine 
Strecke von 800 Km. mit zwei Verwundungen durch die 
bolschewistischen Linien durchgeschlagen hat, schreibt u. a.: .. In 
diesen schicksalsschweren Tagen und Wochen begleitete mich der 
Wahlspruch: „Es gibt keine verzweifelte Lage, nur verzwei'- 
felte Menschen." (Ussz. 3. G.) 
Das Päckchen 
Die gute Mutter packte dem Peter ein Feldpoftpäckchen. 
In die Mitte legte sie zwei große, nicht zu weiche Wijn- 
terbirnen, rings drum herum eine Mischung von Holzwolle 
und Sägemehl, rechts daneben Tabak, links eine Tüte Bon,- 
bons. oben drauf einen Beutel mit Insektenpulver, und dann — 
und dann, neun Wochen später, schrieb Peter (der 
wohl die Gutheit von der Mutter geerbt hatte) einen Brief: ,. . 
Ganz heil und ganz frisch war er natürlich nicht mehr, aber ge 
schmeckt hat er uns trotzdem prächtig, der Honigkuchen!" 
m 
Bei den Rekruten erklärt der Unteroffizier die Rangabzei 
chen der Sanitäts- und Beterinäroffizvere und fragt nun: 
„Was sind denn nun Veterinäre?" 
„Veteranäre sind solche, die wo schon 1870/71 mitgemacht 
haben!" 
Achtung! 
Wichtig für alle Fmplänger des Heimatbriefes! 
Im Versand des Soldatenbriefes ist eine Aenderung erfolgt. 
Da die in letzter Zeit eingetretenen vielen Adressenänderungen 
der Kreisleitung nicht rechtzeitig gemeldet werden konnten, wird 
der Versand des Soldatenbriefes ab sofort von den An" 
gehörigen ausgeführt. Wir hoffen, daß alle Empfänger 
dadurch schneller in den Besitz des Frontbriefes gelangen und 
bitten, da dieser Bersandweg auch in Zukunft beibehalten we^ 
den soll, Adressenänderungen nicht mehr der 
Kreisleitung mitzuteilen. Die Gruß-Ecke im Sot- 
datenbrief bleibt natürlich bestehen. Ebenso werden auch die 
Auszeichnungen und Beförderungen laufend veröffentlicht. Alle 
diese Einsendungen werden weiterhin an die Kreisleitung erbeten.
	        

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