Full text: Unser ist der Sieg (Nr. 42, Juli/August 1944)

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25jährige pflichtgetreue Dienstleistung an Mutter und Kind und 
wünschen ihr noch eine recht lange segensreiche Tätigkeit! 
Und nun drücken wir Euch, liebe Kameraden, im Geiste die 
Hand, wünschen Euch weiter von Herzen alles Soldatenglück 
in diesen schweren Tagen und grüßen Euch bis zum Wieder 
sehen in alter Treue! 
Euere Ortsgruppe Guxhagen: Fritz Niese. 
Ortsgruppe Felsberg 
Liebe Kameraden im Waffenrock! Am Beginn der sommer 
lichen Wende stand in unserem Kreis die von der HI. durch 
geführte S o n n e n w e n d f e i e r auf dem Heiligender g. 
Die Sonnenwende, der Wendepunkt im Iahreskreis, galt unseren 
Ahnen als Totengedenk- und Schicksalstag, ein Tag, an dem 
das Kommende sich anmeldet und die Zukunft vorausgesehen 
werden kann. An diesem Tage verbindet sich die Seele des 
Menschen mit der Seele des Alls und wird hellsichtig. Am Son- 
nenmendtag, heißt es, blüht der Farn und trägt zugleich Samen. 
Dieser Samen ist, wie die gelbe Schlüsselblume, die ebenfalls 
zur Sonnenwende blüht, jene geheimnisvolle Springwurzel, die 
alle Tore öffnet und den glücklichen Finder zu verborgenen 
Schätzen führt —wie die Sagen, die sich um den Heiligenberg und 
andere hessische Berge ranken, kundtun. Aus unergründlichen 
Brunnen tönt wunderbare Musik, versunkene Glocken klin 
gen, und untergegangene Schlösser erstehen in alter Pracht. Es 
ist die heilige 'Stunde des Jahres, in der der geheimnisvolle 
göttliche Grund der Welt sichtbar wird, wo der erste Schöpfungs 
tag Wiederkehr hält und alles in magischem Glanz liegt. Im 
Feuerglanz erstrahlte der „Heilige Berg", als der Gauleiter 
zur Jugend sprach. Es lag etwas ganz Eigenes, dem gewöhn 
lichen Leben Entrücktes in dieser Abendstunde, in der die Ge 
danken die Ferne suchten, Euch, Kameraden an allen Fronten, 
auch eine Sonnenwende des Krieges wünschend. 
Der Hochsommer hat sonst die sogenannte „Saure Gurken 
zeit" im Gefolge. In diesem Sommer haben wir in der Heimat 
trotz Sonnenwende bisher die Sonne noch nicht oft gesehen; doch 
stehen sowohl Halm- als auch Hackfrüchte gut und versprechen 
reiche Ernte. — Aus unserm Städtchen ist nicht viel Neues zu 
berichten. Seit einiger Zeit ist der sonst so unverwüstliche 
Kaspar Grasmeier erkrankt. An seinem 79. Geburtstag 
mußte er das Bett hüten. Daß er sich nicht unterkriegen läßt, 
beweisen seine seit 'etlichen Tagen wieder unternommenen 
Ausgänge. Daß Franz Wagner am 4. Juni tödlich verun 
glückte,'werdet Ihr wohl inzwischen erfahren haben. — Sein 
Leben gab für unser Leben an der Italienfront der Obergefr. 
Hch. Helln»ig. Ostern konnte er seinen letzten Urlaub noch 
zu Hause verleben. — Zum M u t t e r e h r e n t a g hatte der 
Ortsgruppenleiter als besondere Ehrung kinderreiche Mütter, 
Soldatenmütter und -frauen in den Schwanensaal zu einer Film 
vorführung eingeladen. Der 9. Juli stand im Zeichen einer 
öffentlichen Großkundgebung der Partei. Es nahmen 
teil die Ortsgruppen Felsberg, Gensungen und Hilgershausen. 
Leider mußte'Reichsredner Pg. Alfred Dill, Weimar/Thür., 
im Saal sprechen und konnte nicht, wie beabsichtigt, im 
Freien zu seinen vielen Hörern reden, weil der Wettergott kein, 
Einsehen hatte. 
Im vorigen Monat war der Storch reichlich faul. Es wurden 
geboren am 9. 6. Waltraud Elisabeth Salz mann, Tochter 
des Georg Sallzmann; am 25. 6. Monika Reuter, Tochter 
des kaufm. Angestellten Ernst Reuter; am 30. 6. Karl Ludwig 
Heinz Mayfarth, Sohn des Feldw. Karl Heinz May- 
farth. Die Ehe schlossen am 27. 5. Adam Konr. Preßicr, 
Iserlohn, mit Elisabeth D e p o l d. Felsberg, und Uffz. Christian 
Rößler. Lohre. 
Die Ortsgruppe wünscht Euch. lb. Kameraden, weiterhin alles 
Glück und grüßt mit Heil Hitler! 
Euer B. Lenge m a n n. 
Ortsgruppe Gensungen 
Ihr lieben Kameraden! Die Sonnenwende ist in diesem 
Jahre für den Gau Kurhessen wieder auf dein Heiligenberg 
durch die HI. unter Anwesenheit unseres Gauleiters Pa>. 
Gerland, des kommandierenden Generals, des Gebietsführers, 
des Kreisleiters, Vertretern der Verbände und Gliederungen, 
auch Behörden und Gästen, darunter auch Ritterkreuzträger, sowie 
zahlreicher Orts- und Kreiseinwohner gehalten worden. Sprüche 
und Gesang der HI, BDM und des Landdienstes umrahmten die 
Feierstunde, wo die Flamme zum Himmel loderte. Eine Abtei- 
lung der Gaumusikschule Gudensberg und Hersfeld unter Stab 
führung des Feldmeisters Philipp wirkte mit. Unser Gauleiter 
sprach dann zur kurhessischen Jugend über Sein und Werden 
der Nation und die Reinerhaltung des Blutes, Einsatz und Tat- 
bereitschaft der Jugend vor dem Feinde. Vertretungen aller HI.- 
Banne waren anwesend, weil gleichzeitig auch für die Frei 
willigen der HI. des Jahrganges 1927 der rote Schulterstreifen 
verliehen wuroe. Auch die WE.-Lager Wetter und Ziegenhain, 
die Gebietsführerschule Walkemühle usw. waren zur Teilnahme 
befohlen. Ein reges Treiben herrschte in Gensungen. Am Nach- 
mittag hatten wir auf dem Hindenburg-Platz, nach langer Zeit 
mal wieder, ein schönes Platzkonzert, für welches der Bürger 
meister mit herzlichen Worten, im Namen aller Zuhörer, seinen 
Dank ausipraci). ^chon rückte auch das WE -Lager Wetter mit 
rd. 100 Mann an, die auf Minks Scheune Quartier fanden. Ihr 
alle hättet die Jugend sehen müssen, mit welcher Begeiste 
rung sie dabei war. Es war wirklich ein Tag, an dem man 
den' Krieg vergessen konnte, wenn nicht die Gedanken so 
vieler nach den Angehörigen im Feldgrau lind an den Fronten 
gerichtet gewesen wären. 
Die hier gehaltene Sonnenwende brachte uns dann abc"' 
in einigen Tagen die Zeitenwende im großen Völkerringen: 
die stärkste Kampfansage in Italien, die Invasion im Westen 
und an der gesamten Ostfront den Großaufbruch. Die Heimch 
vertraut auf die tapferen Väter, Söhne und Brüder an allen 
Fronten, die unter der herrlichen Führung von Adolf Hitler 
stehen. Nie ist der Glaube an den Sieg so stark gewesen, 
als wie zur Stunde, wo nun zur rechten Zeit durch die V 1 
auch die Vergeltung begonnen hat. 
In der letzten Woche hat uns traurige Kunde ereilt, aber 
die Zuversicht ist dadurch noch fester geworden. Seit Januar 
1944 hat Euch alle das Soldatenglück begleitet, bis nun die 
Nachricht Kain, daß der Sohn des Dentisten Neuhaus im Mai 
an seinen schweren Verwundungen verstorben ist. Die harten 
Kämpfe im Osten raubten uns Heinrich Werner (Mihrsch 
Heinchen) und im Westen mußte sein junges Leben mit 18 
Jahren Karl R e u ß e in einer ^-Formation lassen. 
Ihr Lieben alle aus Rhünda und Gensungen! Die Heimat 
interessiert Euch nun sicher auch noch auf anderen Gebieten und 
ich will versuchen, wenn auch besonders für Gensungen, Euch 
eine kleine Schilderung zu geben. Der Bau von Behelfs 
heimen für die Unterbringung der Evakuierten ist jetzt eine 
vordringliche Aufgabe in der Heimat, genau wie der Ausbau 
der Dachgeschoßwohnungen. Eine Maßnahme, die von Partei 
und Staat gefördert wird. In Rhünda ist das Schaurgerüst 
für ein Doppelbehelfsheim geschlagen und mit den Arbeiten 
begonnen worden. In Gensungen soll das zweite Doppel 
behelfsheim „am Koppelwege, im Linngarten" gerichtet wer 
den. Die Erdarbeiten für den dritten Bau find bald fertig. 
Die alten Invalidenmaurer Schmidt, Dippel, Wickert und 
Wölling sind eifrig im Fach wieder eingesetzt, alles hilft eben 
mit. Die Gemeinde trügt Sorge um Materialien und Bau 
gelände und die Partei sorgt für die Stellung der Arbeits 
kräfte zur Erledigung der Erdarbeiten. Alles ist eine große 
Gemeinschaft, Ortsgruppenleiter, Bürgermeister, Evakuierte, Par 
tei- und Volksgenossen stehen hier in gemeinsamer Arbeit. 
Ihr müßt Euch die Sache so denken, wie bei der Förderung 
der Arbeiten zum Bau des Gauehrenmales. Wir können 
uns nicht mit Euch vor dem Feinde gleich stellen, aber die 
Heimatfront will ihren Einsatz auch leisten, z. Zt. für die Eva 
kuierten und dann für verschiedene von Euch, wenn Ihr aus dem 
Felde zurückkommt und dann mit der Familie für den Ueber- 
gang nach einer Wohnung fragt. Die Möglichkeit muß dann 
besonders hier in Genfungen gelöst fein bei seiner Bevölkerungs 
dichte. Im steten Gedenken an Euch, wird daher solche Arbeit 
mit Liebe und Aufopferung neben all den sonstigen Verpflich 
tungen gern geleistet. 
Die Heuernte ist gut und reichlich bei bestem Wetter ge 
borgen. Auch der andere Stand der Flur ist gut, man kann 
sagen, daß wir hier Treibhauswetter bis zur Stunde gehabt 
haben. Regen und Sonnenschein, alles zu seiner Zeit. Die Gerste 
und der Raps sind zum Teil schon geschnitten. Mit dem Roggen 
ivird sicher in 14 Tagen begonnen. Es dürfte alles zum Besten 
werden. Der Regen hat auch die Kartoffeln u. Rüben aus den 
scharfen Böden gut zur Entwicklung gebracht. Wenn nun auch 
hier und da ein Bauer an der Front oder im feldgrauen Rock 
steht, dann wird die Ortsführung schon Mittel und Wege schaffen, 
daß alles gut unter Dach und Fach kommt. 
Urlauber sieht man z. Zt. nur selten, oder es find solche aus 
Genesungs-Kompanien. Kurt Momberg mit seinen so schweren 
Verwundungen weilt zur Zeit hier, auch Kurt Klapp, der aber 
schon wieder gut laufen kann; ferner Willi Wunsch und Heinrich 
Schreiber, Rudolf Hoffmann und Adolf Herwig. Adolf Herwig 
konnte ich auch die Hand als jungem Leutnant drücken und Aug. 
Gipper ist auch Unteroffizier und steht im Westen. Braun Heinz, 
Porbek Willi, Scheuten Wilhelm, Mücke Willi, Pfannkuch 
Erich sind zur Zeit die letzten, die im RAD stehen. Auch der 
weibliche RAD braucht unsere Jugend und so ist Ilse Komiske, 
teilte Dietrich, Luise Kaiser, Elisabeth Groß, Maria Kramn« 
nun auch dem Ruf gefolgt. 
Weil Euch nun sicher auch das Standesamt interessiert, so 
gebe ich einige Zahlen: Geburten bis jetzt 20; Sterbefülle 21 
(unter diesen sind nun auch die im Kampf gefallenen Helden ent 
halten); Eheschließungen 14, davon die letzten 3 im Juni d. I. 
zur besonderen Kenntnis: Heinrich Hilmes, Reinhold Martin 
und Wilhelm Herwig; heute stehen nun die Männer wieder 
vor dem Feinde.
	        

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