Objekt: Hessenland (41.1930)

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einen neuen Teilungsvertrag ab: Spanien, die 
Niederlande und die Kolonien sollten an Karl, den 
zweiten Sohn Kaiser Leopolds, fallen, der gesamte 
italienische Besitz aber an Philipp von Anjou, den 
zweiten Sohn des französischen Dauphins Ludwig; 
doch sollte Philipp statt Mailand Lothringen er 
halten und dessen Herzog Leopold Joseph dafür 
Mailand. Mit dem Verluste des alten Reichs 
lehens Mailand aber war Kaiser Leopold nicht 
einverstanden. Der französische Gesandte am Ma- 
drider Hofe, Harcourt, dem dortigen kaiserlichen 
Gesandten Grafen Harrach diplomatisch über 
legen, vermochte es aber, den Beichtvater König 
Karls und Erzbischof von Toledo, Kardinal Porto 
Carrero, im französischen Sinne zu beeinflussen. 
Und Porto Carrero brachte den auf den Tod kran 
ken König wirklich dahin, daß er am Z. Oktober 
1700 Philipp von Anjou als Gesamterben der 
spanischen Krone einsetzte. Am i. November starb 
Karl II., der letzte spanische Habsburger, und 
Ludwig XIV. ließ seinen Enkel Philipp schnellstens 
in Versailles zum König von Spanien prokla 
mieren. Bald folgte ein Protest Kaiser Leopolds. 
Aber auch England und Holland hatten sehr ge 
rechtfertigte Besorgnisse für ihren Handel, wenn 
die spanischen Häfen in so nahe Verbindung mit 
Frankreich treten sollten. Daher brachte Wil 
helm III. am 7. September 1701 die „Große 
Allianz" zwischen England, Holland und dem 
Kaiser zustande: Leopold sollte die italienischen und 
belgischen Besitzungen der spanischen Krone erhal 
ten; außerdem sollte Vorsorge getroffen werden, 
daß Spanien nie mit Frankreich vereinigt würde; 
stillschweigend wurde Philipps Nachfolge in Spa 
nien und den Kolonien anerkannt. Der Abschluß 
der Allianz war nicht leicht gewesen, denn das eng 
lische Parlament und die holländischen General 
staaten hofften zunächst, den Frieden erhalten zu 
können. Als aber französische Truppen in Belgien 
und Mailand erschienen und auf dem italienischen 
Kriegsschauplätze die kaiserlichen Truppen unter 
der glänzenden Führung von Prinz Eugen von 
Savoyen siegreich waren, wurden die Verhand 
lungen schnell gefördert. Ein halbes Jahr später 
starb Wilhelm III. plötzlich ohne Nachkommen 
schaft; ihm folgte auf dem Throne Anna, die 
Schwester seiner vor ihm verstorbenen Gattin 
Marie und ältere Tochter Jakobö II. Es fiel ihr 
nicht ein, an den Abmachungen ihres Schwagers 
zu rütteln. Leiter der holländischen Politik wurde 
nach Wilhelms Tode der Ratöpenfionär Anton 
Heinfius, der die Notwendigkeit, mit der Großen 
Allianz zusammenzugehen, ebenfalls längst einge 
sehen hatte. 
Noch aber war fraglich, wie sich das Deutsche 
Reich dazu stellen würde. Formell nicht ganz un 
berechtigt, aber politisch kurzsichtig, hielt der Re 
gensburger Reichstag die spanische Frage für eine 
Angelegenheit, die das Reich unmittelbar nichts 
anginge; man scheute vor einem neuen Kriege zu 
rück. Infolgedessen bemühten sich Leopold und die 
Seemächte auf der einen, Ludwig XIV. auf der 
anderen Seite um die einzelnen Reichsfürsten. 
Zwei von ihnen, Mar Emanuel von Bayern und 
sein Bruder Joseph Klemens von Köln, standen 
entschieden auf Seiten Ludwigs, ersterer durch 
Aussicht auf die Rheinpfalz, auf die Erbstatt 
halterwürde in Belgien, auf Rangerhöhung und 
Subfidien gelockt, letzterer vurch die Nachbarschaft 
Frankreichs für fein Erzbistum besorgt. Branden 
burg dagegen war durch den Krontraktat an den 
Kaiser gefesselt, da sich Friedrich III. die preußische 
Königskrone aufsetzen wollte und am 18. Januar 
1701 auch wirklich aufsetzte. Pfalz, Mainz, 
Trier, Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt traten 
ebenfalls der Großen Allianz bei. Wir müssen 
hier einen Augenblick bei Landgraf Karl ver 
weilen. 
Noch vor dem Tode Karls II. hatte Wilhelm III. 
den Landgrafen durch seinen Rat Plantamour für 
die Mrtgarantie des Teilungsvertrageö vom Marz 
1700 zu erwärmen gesucht. Das Gleiche unter 
nahm Ludwig XIV. durch seinen Gesandten d'Jber- 
ville. Der Landgraf antwortete beiden zunächst 
ausweichend, da man erst die Entwicklung der 
Dinge abwarten müsse. Nach dem Tode des spa 
nischen Königs ließ Ludwig dem Landgrafen von 
dessen Testament Kenntnis geben, und sprach die 
Hoffnung ans, ihn zu seinen Freunden zählen zn 
dürfen; er, Ludwig, sei ja immer für die Rechte der 
deutschen Fürsten eingetreten. Als Graf Albemarle 
dem Landgrafen im Auftrage Wilhelms III. 
abermals wegen eines Bündnisses gegen Frankreich 
und Spanien schrieb, verlangte Karl am 17. Ja 
nuar 1701 Sicherstellung gegen Frankreich und 
Mittel zur Verstärkung seiner „Miliz", d. h. der 
gegebenenfalls fremden Mächten zu überlastenden 
Truppen. Jberville verlangte nun wenigstens die 
Neutralität des Landgrafen für den Kriegsfall, 
vergaß aber nicht, die Friedensliebe seines Königs 
zu unterstreichen, der nur rüste, um seinem Enkel 
zu helfen. Karl antwortet geschickt, wenn kein 
Krieg bevorstehe, brauche er sich doch auch nach 
keiner Seite zu binden. Im April 1701 bittet 
Albemarle nun wieder um Hilfstruppen für die 
Niederlande. Darüber, erwidert Karl, werde er 
sich mit dem gerade in Kassel weilenden holländi 
schen General v. Obdam besprechen. Mit diesem 
schließt er am 24. April bereits einen Vertrag 
über Gestellung von 2000 Mann Fußvolk ab.
	        
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