Full text: Unser ist der Sieg (Nr. 37, September/Oktober 1943)

Ortsgruppe Neumorschen 
Liebe Soldaten! 
Wieder geht ein Sommer seinem Ende zu und wieder 
können wir sagen, daß Gott mit uns war. Eure Frauen und 
Mütter haben auch in diesem Fahre wieder ihre Pflicht ge 
tan. Wenn auch viele Männer und Frauen zum Heeresdienst 
eingezogen sind, an den Feldern und Gärten war davon nichts 
zu sehen. Die Dreschmaschinen haben schon etwas geleistet 
und haben noch einige Wochen Arbeit, um den letzten Kern 
in die Säcke zu bringen. Kartoffel- und Rübenfelder lassen 
uns jedenfalls nicht zu schlechten Hoffnungen kommen. 
Erfreulich ist im Gegensatz zum Vorjahre, daß auch die 
Obstbäume einen sehr guten Behang zeigen. Zwar hatten 
wir durch die starken letzten Winter viel Ausfall, indem 
uns viele gute Bäume erfroren find, aber was geblieben ist, 
trug in diesem Fahre gut. Das Gemeindeobst wurde, wie 
auch schon in den übrigen Kriegsjahren, zu einer bestimmten 
Taxe an die Einwohner und auch an die Umgesiedelten, 
je nach Familienstärke, abgegeben. Ich glaube, alle Familien 
sind, soweit sie sich um Zuteilung bei dem Berkarlf be 
müht haben, auch berücksichtigt worden. In der Gemeinde 
Neumorschen haben wir für die Ausfälle an erfrorenem Obst 
wieder gut gesorgt. Unser Obstbaumsachmann. Pg. Haupt- 
mann Iffert, hat dafür gesorgt und sorgt auch jetzt, trotz 
seiner Einberufung, immer noch dafür, daß Ersatzstämmchen 
zur Neuanpflanzung nach hier kommen. 
Die Liebe zur Heimat bricht sich eben immer wieder Bahn 
und die Liebe zur Heimat hält uns alle zusammen und macht 
unsere deutsche Heimat uniiberwindlich. Beseitigt ist die 
deutsche Zwietracht, deshalb sind wir auch so stark. Wir ar 
beiten und Kämpfen bis zum Siege. Und wenn Ihr und 
Und wir eines Tages nach der letzten Schlacht auf dem 
Schlachtfeld draußen und daheim stehen werden, den Blick 
nach oben gerichtet, dann werden wir dankbar zu dem Gott 
aufblicken, der uns den Siegeslorbeer gereicht hat. Wir 
werden dankbar sein, daß wir im Kriege so stark gewesen 
sind. Eure Tapferkeit und Eure Treue zum Führer und zu 
Eurer Heimat sind einmalig. Die Welt sieht voll Bewunderung 
auf Deutschland. Der Führer ist stolz, unser Führer zu 
sein und wir sind stolz, ihn zu besitzen, das ist unser Glaube 
und das ist unser Sieg. Und so grüßen wir Euch 
Euer Aug. Hast. 
Ortsgruppe Heinebach gibt Rätsel auf! 
Liebe Soldaten! Die Aufgabe in Nr. 35 war folgende: 
Auf der Straße von Heinebach nach Altmorschen begegnete 
mir die schwarze Annemarthe von Altmorschen. Diese hatte 
an der rechten Hand einen Enkeljungen, der einen kleinen 
Hund am Seile hatte. An der linken Hand hatte sie ein 
kleines Enkelmädchen, welches zwei Kätzchen in einem Körb 
chen trug. Auf dem Buckel trug die Annemarthe eine Kötze, 
auf der sie eine Schachtel mit 6 Pfd. Willerchen hatte. Das 
Willchen wog 125 Gramm. Nun war die Frage: „Wieviel 
Lebewesen gingen nach Altmorschen?" Auf dieses Rätsel 
gingen eine große Anzahl Lösungen ein, doch nur 5 davon 
waren richtig. Die anderen hatten alle daneben gehauen. Die 
Lösung ist folgende: „Nach Altmorschen ging nur ein Lebe 
wesen und das war ich." Die schwarze Annemarthe war 
mir doch begegnet und ging daher nicht nach Altmorschen, 
sondem nach Heinebach. 
Richtige Lösung sandten ein: Obergefr. W. Stö 
be l - Altmorschen, Obergefr. A. Möller-Rhünda, Obergefr. 
H. K ü l l m e r - Heinebach, G. H o l st e i n - Heinebach und 
Obergefr. H. N ö d i n g - Konnefeld. 
* 
Vielleicht hat der eine oder andere von Euch lieben 
Soldaten schon einmal die Gelegenheit gehabt, in eine alte 
Landkarte von Kurhessen zu schauen und Ihr werdet dann 
festgestellt haben, daß in derselben außer Melsungen, nur noch 
das Dörfchen Konnefeld eingezeichnet war. Das hat fol 
genden Grund: Fn der Gemarkung Konnefeld ruht ein 
Marmorsteinlager von ganz seltener Art. Es gibt dort 
Marmor mit einer grauen, Ifchwarzen und grünlichen Ader. 
Fn Konnefeld selbst liegt ein großes Lager echten Marmor mit 
einer roten Ader! Solch selten schönen Marmorstein soll es 
auf der ganzen Welt nur noch einmal geben und zwar in 
Mittelamerika. Dieser herrliche Stein hat es mit sich gebracht, 
daß Konnefeld schon vor vielen Fahrhunderten in jede Land 
karte eingezeichnet wurde. Das Dumme an der ganzen Sache 
ist nur, daß die Konnefelder nicht genau wissen, an welcher 
Stelle der großartige Marmorstein liegt. Generationen hin 
durch haben sich schon die Bürger von Konnefeld um den 
richtigen Lageplatz des kostbaren Steines gestritten und gezankt. 
Fn der Gemeindesitzung hat es wegen dieser Geschichte 
schon manchmal ganz haarig hergegangen. Manche verab 
redete Gevatterschaft ist wegen diesem Streit schon in die 
Brüche gegangen. Ein Teil der Bürger behauptet immer, 
der edle Stein läge am Klapperberge. Der andere Teil be 
hauptet nun, er läge beim Kumbach. Daß die Sache mit 
der Roten-Ader auf Wahrheit beruht, ersehen wir aus fol 
gender Ueberlieferung. 3m Archiv für Heimatkunde zu Mar 
burg liegt eine Urkunde von Konnefeld, die schon viele hundert 
Fahre alt ist. Fn diese Urkunde hat vor langen Fahren ein 
Bürgermeister von Konnefeld, namens R o h d e, folgendes 
Berschen geschrieben: 
„Es ruht ein Schatz zu Connefeld, 
Fm Klapperberg Hochoben. 
Das ganze Dörfchen schwimmt in Geld, 
Sobald der Schatz gehoben!" 
Etwa 100 Fahre später hat alsdann ein Bürgermeister, 
namens Groh, folgende Worte unter das Berschen ge 
schrieben : 
„Der Klapperberg kommt nicht in Frage, 
am Kumbach ist des Schatzes Lage!" 
Aus dieser Urkunde erkennen wir, daß der Streit um 
den richtigen Lageplatz der Roten-Ader schon sehr lange zu 
rückliegt. Der letztgenannte Bürgermeister Groh soll so 
ein ganz kluger und tüchtiger Mann gewesen sein. Die Ur- 
Ur-Groheltern von den noch jetzt lebenden alten Leuten haben 
erzählt, daß in der Amtszeit des Bürgermeisters Groh auch 
die erste Schwippe über die Fulda gebaut worden ist. Die 
jetzige Schwippe soll noch die erste sein, nur daß sie immer 
wieder neu ausgebessert worden ist. Fn der genannten Ur 
kunde von Marburg ist auch die Rede von jener Schwippe. 
Diese soll einmal das Wasser mitgenommen haben, aber die 
Konnefelder wären ihr nachgelaufen und hätten sie mit langen 
Stangen wieder aus der Nordsee gezogen. Bürgermeister 
Groh ist.über 90 Fahre alt geworden. Weil es in Konnefeld 
viele Menschen gibt, die diesen Namen tragen, nannte man 
ihn den alten „Kretzegroh". 
Bald hätte man im Fahre 1922 den richtigen Stein 
gefunden. Bel einer großangelegten Schürfung hatte man 
damals sehr prächtige Steine mit roten Streifen gefunden. 
Sofort nach dem großen Funde wurde eine Aktiengesellschaft 
namens „Rote-Ader" gegründet, welche auch sofort in Tätig 
keit trat. Die Aktien waren sehr schnell vergriffen. Auch mir 
war es gelungen, eine solche für 32 000 Mark zu erhaschen. 
Zuerst wurde nun in der Konnefelder Gemarkung eine 
Drahtseilbahn abgestochen, auf welcher der kostbare Stein 
zum Verladebahnhof Altmorschen befördert werden sollte. Nach 
kurzer Zeit traf auch schon die Seilbalm ein. Fn der Zwischen 
zeit hatte der neu ernannte „Rote-Ader-Direktor" den mit 
großer Mühe gefundenen Stein zur Begutachtung an die in 
Frage kommende Stelle nach Berlin geschickt, um die Echtheit 
der roten Ader feststellen zu lassen. Zu allem Schreck kam 
nach einigen Tagen von dem Forschungsinstitut der Bescheid 
zurück, daß der Stein wertlos sei, da die roten Streifen auf 
dem Steine von Waldschnecken herrührten. Diese duinme 
Nachricht hat dann in ganz Konnefeld eine große Nieder 
geschlagenheit hervorgerufen. 
Da aber die Konnefelder Bürger ihrer Sache gewiß 
sind, arbeiten sie auch jetzt im Kriege an dem großen Plane 
weiter. Sofort mach erkämpftem Siege soll mit der Ber 
gung des wertvollen Marmors mit der roten Ader begonnen 
werden. Auch ist es gelungen, den weltbekannten Wünschel 
rutengänger B u r k h a r d t-Heinebach, Bahnbofstr. 51, oben 
am Fenster, zu gewinnen, der nach dem Siege nun endlich 
genau feststellen soll, wo der wertvolle Stein liegt. Hoffentlich 
gelingt es dann bald, die rote Ader zu finden. Das dürfte für 
den Kreis Melsungen von großem wirtschaftlichem Vorteil 
werden, zumal die Konnefelder als sehr freigiebig 'bekannt 
sind. Es wäre wohl ratsam, wenn die Seilbahn, die noch in 
Altmorschen bei der Firma Hessenland liegt, von Zeit zu 
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