Full text: Unser ist der Sieg (Nr. 36, Juli/August 1943)

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Bischofferode Photo: Heinel, Spangenberg 
1360 war die Treffurtsche Herrschaft zu Ende. Ich glaube, daß 
das letzte Wort über das Fortbestehen oder Nichtbestehen 
des Amts doch noch nicht gesprochen ist. 
Auf Euere Frauen in der Heimat könnt Ihr stolz sein. 
Zweimal in der letzten Zeit hat das ein Militär-Kommandant 
lobend hervorgerufen. Elversoorfer und Spangenberger Frauen 
waren es, die so klug und entschlossen handelten, daß Aus 
reißer vom Ober- und Unterlager sehr schnell wieder in Nummer 
Sicher gebracht werden konnten. Als vorgestern drei USA.- 
Gangster vom Himmel fielen, waren unsere Jungen stellenweise 
die ersten, die sie stellten und dem Militär in die Hand gaben. 
Zwei waren am Malsberg und einer bei Bergheim aus dem 
Fallschirm gekrochen. 
Kürzlich machte ich mit dem „Stadtküllmer" eine Quellen 
kontrolle zum Glasebach und Liebenbach. Ich muß Euch sagen, 
ich bin von unserem herrlichen Heimatwald immer wieder be 
geistert. Wenn Ihr in Urlaub kommt, vergeht nicht gerade die 
Distrikte am Bromsberg einmal aufzusuchen. Das ist Revier- 
förster Schuchhardts Reich, das er mit besonderer Liebe pflegt. 
Wir wollen aus unserem Stadtwald allmählich wieder den alten 
hessischen Mischwald machen. Dafür sind Glasebach und Lieben 
bach beispielhaft. Man sieht schon jetzt, was daraus wird. Ein 
traumhaftes Bild tiefen Friedens umfängt den Wanderer, der 
sich hier auf einer Bank oder einem alten Baumstumpf nieder 
läßt. Wenn man da eine Weile sitzt, kann man nicht begreifen, 
daß wir mitten im entsetzlichsten Kampf aller Zeiten stehen. 
Im Schutz hoher Kiefern, Eichen und Lärchen wächst das junge 
Geschlecht heran. Lärchen und Fichten, Kiefern und Douglasien, 
Buchen und Eichen, Ahorn und Birken, Vogelbeere mit ihren 
jetzt schon leuchtenden Früchten, darüber der Sonnenglast des 
heißen Sommertags. Der Blick geht hinüber auf den bunten 
Teppich der Felder, die das stille Kaltenbach umkränzen. In der 
Luft brummt der Motor eines feindlichen Beobachters: Krieg. 
Unwillkürlich find die Gedanken da bei Euch und bei denen, die 
jetzt in der Heimat unter feindlichem Terror bestehen müssen. 
Wir freuen uns, daß manche von ihnen bei uns ihre alte oder 
eine neue Heimat finden durften. In der Schlucht über der 
Glasebachquelle steigen wir zu dem Sitzplatz hinauf, den einst 
Bürgermeister Bender unter mächtigen Buchen hier anlegen ließ. 
„Hier stand's Füßchen, wenn die Stadtverordneten Quellen- 
begang hielten", meint Küllmer und zeigt mir einen Pfahl mit 
einem Brett darauf, die in die dicke Namensbuche eingewachsen 
sind. Es sieht aus, als gehörte das ganz zur Buche und wollte 
sich aufheben für Zeiten, in denen es wieder einmal seinen 
Zweck erfüllen kann. Hier haben also unsere Stadtverordneten 
mit Heinrich Bender Rat gepflegt, und dabei den Durst nicht 
vergessen, was an einer Quelle so natürlich ist. Einige von 
ihnen aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg sind noch 
unter uns. Georg Appell ist heute unser ältester Ratsherr. 
Ehrenbürger Georg Salzmann wirkt noch für seinen Sohn wie 
Konrad Wenzel, Georg Gundlach, Konrad Siebert-Lotz. Andere 
stehen dafür lebhaft in unserer Erinnerung, wie Heinrich Mohr, 
H. C. Siebert, der Goldhenner genannt, Christian Meurer, der 
alte Kettler, Gerichtssekretär Göbel, Steinbruchbesitzer Waldemar 
eberer, Postmeister Keil, Philipp Methe, Friedrich Schmidt, 
arl Bertram, Wilhelm Entzeroth, Forstrentmeister Georg Meu 
rer und mein Vater. Als sie die Glasebachleitung neu legen 
ließen, haben sie nicht geahnt, daß einmal sich Tommis an 
diesem Tropfen laben würden. Von der alten Glasebachleitung 
liegt übrigens hier und da noch ein Stück in der Erde. Man 
kann hier die ganze Entwicklung sehen. Holzrohre. Tonrohre, in 
verschiedenen Formen, aber auch den ursprünglich aus Platten 
gemauerten Wasserkanal. Die Quelle muß also vor Jahr 
hunderten sehr viel ergiebiger gewesen sein. Ich hoffe, daß 
wir auch später wieder mehr Wasser haben, wenn der Fichten 
wald einmal aus ein erträgliches Maß zurückgedrängt ist. 
Unter den Steinbrüchen am Bromsberg lief bis vor 10 
Jahren noch das „Günfebörnchen". Es ist ganz versiegt. Wie oft 
haben wir Kinder auf dem „weiten Weg" in die Heidelbeeren 
uns hier gelabt. Auch die Steinbrecher und Steinhauer in 
Schanzen Henners Bruch holten hier ihr Trinkwasser, wenn 
der „halbe Schoppen" (Branntwein) alle war. Die Steinbrüche 
sind nun schon seit Jahren völlig eingeschlafen. Was hat 
hier in den „Eifenbahnsjahren" für ein Betrieb geherrscht! Zwei 
Generationen Elbersdorfer und Bergheimer Steinhauer sind hier 
in harter Arbeit groß geworden. Ziegelstein und Beton haben 
sie verdrängt. Kaum einer von ihnen führt den Meißel heute 
noch, die Schanzen, die Bachmänner, die Hupfelde, die Aß- 
männer, die Kolben, die Alberte, die Steinbache, Fette, Brassel, 
Lichau und wie sie alle heißen. Ich sende ihren Söhnen und 
Enkeln heute einen besonderen Gruß, denn ich bin auch von der 
Zunft. Es waren schon prächtige Kerle, alle diese Männet. 
Vielleicht wacht der Bromsberg wieder einmal auf, der Stein 
in ihm wartet darauf. Heute sind die Schutthalden über 
wuchert, ein natürlicher wunderbarer Wald wächst auf ihnen. 
Doch wir steigen durch den dichten Tannenwald unter sonnen 
durchfluteten Buchen über den Reichenbacher Pfad und die 
Salzlecke hinüber zum Liebenbach. Vor der Schutzhütte vor 
Adam Sieberts Ruh hat Vater Schuchhardt sich eine breite 
Schneise gehauen. Weit öffnet sich ein Blick in das liebliche 
Landetal. Der Ahlheimer schließt ihn ab. Den kennt ihr ja 
alle. Die Dächer von Metzebach und die Kirche von Landefeld 
winken herüber. In Deisenroths Steinbruch steht das Schweizer 
haus, das ich einst für eine Gebirglerin baute, der hier dann 
doch nicht Bergheimat genug war. Und dann inmitten des 
Tales zivischen Dinkelgrund und Beieröde, wo Pfieffe, Bocke 
und Lande zusammenfließen und sich grüne Wiesen breiten, 
steht heute kein Hof und kein Haus. Aber es lag dort einst 
die Siedlung Gastendorf. Keine Spur mehr ist davon zu sehen. 
Schon vor dem 30jährigen Kriege mag sie untergegangen sein. 
So wie damals im Kampf kleiner Herren und in der Unsicherheit 
herrenloser Zeiten zahllose deutsche Dörfer untergingen, so fallen 
jetzt im Kampf zwischen Welten große blühende Gemeinwesen 
der Zerstörungswut jüdisch-bolschewistischen Ungeistes zum Opfer. 
Aber so wie damals die ewig unbändige Urkraft des deutschen 
Volkes sich nicht unterkriegen ließ und immer wieder neues 
Leben zeugte, so werden auch die Opfer unserer Zeit nicht 
vergebens sein. Das ist unser fester Glaube. 
Und nun zum Schluß. Geht im nächsten Urlaub diesen 
Quellenweg mir nach, einerlei ob im Sommer oder Winter, ob 
in Sonne oder Sturm, Ihr werdet mit mir empfinden, wie schön 
doch unsere Berge sind, wie herrlich unsere Heimat ist. Mir 
fehlen die Worte es Euch ganz zu sagen. 
In treuer Verbundenheit grüße ich Euch alle von Lande, 
Bocke, Esse und Pfieffe mit Heil Hitler! 
als Euer Ortsgruppenleiter F e n n e r. 
Ortsgruppe Körle 
Liebe Kameraden! 
Leise raunt der Sommerwind durch das Laub der blühen 
den Dorflinde, in deren Zweigen die Amsel ihr Abendlied er 
klingen läßt. Leichte Nebelschleier liegen auf den Wiesen des 
Fuldatales und der Blick zu.m Quiller läßt das Auge Idie 
ersten Getreidehügel und die Hocken des Rapses erkennen und 
zeigt damit den Beginn der diesjährigen Ernte an, die eine gute 
zu werden verspricht. Hin und wieder wird die Stille des 
dörflichen Sommerabends durch das Gebell eines Hundes unter 
brochen und vereinzelt strebt noch ein Autofahrer seinem Heimat 
orte zu. 
Heiße Sommertage waren uns bisher noch nicht beschieden. 
Die Heuernte hat sich durch nicht ganz günstige Witterung 
in die Länge gezogen. Die Roggenfelder fangen an. sick tzu 
färben und die Vorbereitungen für die Einbringung des Segens 
der Scholle werden getroffen. Seit Ende Juni werden die 
Kartoffelfelder jeden Freitag nach dem Kartoffelkäfer abgesucht. 
In Ermangelung Erwachsener bestehen die Suchkolonnen zur 
Hälfte aus' über zehn Jahre alten Kindern. Gefunden wurde 
bis jetzt noch nichts. Unter den Fahrgästen, die den Abendzügen 
hier entsteigen, sind eine ganze Anzahl Frauen und Mädchen, die 
in auswärtigen Betrieben arbeiten. Auch auf dem Basalt- und 
dem Sägewerk wird emsig geschafft. 
In den Familien hat es folgende Veränderungen gegeben: 
Geboren wurden: Kurt Metz ein Sohn, Schönewald eine 
Tochter und W. Dieling-Wagenfurth ein Sohn. Gestorben 
sind: Frau Witwe Anna Elisabeth Wenzel und Julius Zilch- 
Körle. 
Verbunden mit allen guten Wünschen und Grüßen der 
Heimat grüßt Euch liebe Kameraden Euer A. A r e n d.
	        

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