Full text: Unser ist der Sieg (Nr. 36, Juli/August 1943)

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Rübenfelder sowie die Rapsfelder bewundern. Kommt die Ernte 
so unter Dach und Fach, wie jetzt die Felder prahlen, dann wer 
den uns die Nahrungssorgen nichts zu schaffen machen. 
Noch kurz einige Standesamtsmeldungen: Verheiratet: An 
dreas Bolz mit Anna Kath. Pfeiffer-Neuenbrunslar, Heinrich 
Sauer mit Emma Schäfer-Wolfershausen. Geboren: Maurer Gg. 
Angersbach-Neuenbrunslar ein Sohn, Wilhelm Gerhold-Wol- 
fershaufen ein Sohn. Gestorben: Stellmacher Becker-Altenbruns 
lar, Adam Schaumlöffel-Wolfershausen. 
Das Bild der Ederbrücke ist von einem nach hier versetzten 
Parteigenossen Schlichting, es wird Euch an die Zeit Eurer 
Fugend erinnern. 
Durch das Hochwasser bin ich so in Anspruch genommen, daß 
die Beantwortung Eurer Briese später erfolgen muß. Nun weiter 
hin die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen — und der Sieg 
ist unser. 
Mit kameradschaftlichem Gruß Euer Gg. U m b a ch. 
Ortsgruppe I^Iieclermöllrick 
1. August 1943. 
Liebe Kameraden! 
Unser Edertal zeigt wieder das alte, reiche Bild; im dunk 
len Laub des Sommers stehen die Wipfel der hohen Pappeln, 
der Weiden und Obstbüume, das Niederholz und die busch 
bewachsenen Hänge vom Schmalrain bis zur Lohrer Weg- 
biegung, wo der wieder friedlich in seinem Bett dahinfließende 
Fluß sich nach Norden wendet. Die Getreideernte ist seit acht 
Tagen in vollem Gange bei warmem bis heißem, trockenem 
Wetter. In schneller Folge, fast gleichzeitig, vollzog sich mach 
dem Schnitt der über Erwarten extrareichen Rapsfelder das 
Reifen der Halmfrüchte. Gerste und Roggen sind schon ge 
borgen, Weizen und Hafer stehen in Hocken. Die infolge des 
Talsperrenbruches entstandenen Schäden waren weit hinter 
den anfänglichen Befürchtungen zurückgeblieben! der prompt ein 
gesetzte Arbeitsdienst, dessen Iungmannen nicht nur an den 
befohlenen Arbeitsplätzen, sondern auch nach Feierabend noch in 
den Quartieren, auf den Höfen und in Gärten einsatzbereit 
waren, dazu die fleißigen Hände unserer Niedermöllricher und 
ihrer Urlauber gaben der Landschaft bald wieder ihre Ordnung 
und Schönheit zurück. Zum Ausdruck kam das gute Verhältnis 
zwischen Dorf und RAD. in zwei überaus stark besuchten 
fröhlichen Abendveranstaltungen (erster Abend vom BDM., 
zweiter vom RAD. durchgeführt), wo am Schluß auch in Rede 
und Gegenrede unter größtem Beifall Dank und Anerkennung 
ausgesprochen wurden. — Einen ausführlichen Bericht über all 
die Borgänge werdet ihr später einmal lesen können. 
Leider muß ich eine betrübende Nachricht anschließen. Am 
30. Juli wurde in ungewöhnlich großem Trauerzuge, unter 
Vorantritt der Partei, des Krieger- und des Gesangvereins 
unser Bürgermeister Karl G u m b e l zur letzten Ruhe geleitet. 
Bon allen Sprechern am Grabe wurde der pflichttreuen Amts 
führung und der großen Verdienste des Verstorbenen gedacht. 
Nach der Grabrede von Psr. Teichmül l e r gab Kreisleiter 
Dr. Reinhardt eine eindrucksvolle Würdigung des Mannes 
und seiner Arbeit, betonte, wie der Verstorbene, den der Landrat 
einmal als seinen besten Bürgermeister bezeichnet habe, durch 
feine vorbildliche Lebensführung die Bevölkerung verpflichtend 
auch ein in seiner Gesinnung sauberes Dorf zu schaffen vermocht 
habe und wie von der zuversichtlichen Haltung-des schlichten Mannes 
eine Kraft ausgegangen fei, an der er bei seiner Anwesenheit in 
Niedermöllrich während der Ereignisse im Edertal sich selbst 
habe aufrichten können. In all den anderen Gedüchtnismorten 
anläßlich der zahlreichen Kranzniederlegungen fand diese Würdi 
gung noch eine reiche Ergänzung. 
Mörshausen Photo: Hemel, Epangcnberg 
Obermelsungen Photo: Junger,nann, Melsungen 
Das Standesamt verzeichnet außerdem für die Zeit nach 
Ostern bis zum 1. August noch drei weitere Todesfälle: Frau 
Kath. Schäfer, Elise Riemenschneider (Schlosser R.) 
und Altbauer Ioh. Schmidt, aber keine Trauung und auch 
keine Geburt. — Die Zahl der Urlauber war zu groß, als daß 
ich auch diesesmal die Namen nennen könnte. 
Eure alte schöne Heimat grüßt Euch in dankbar herz 
lichem Gedenken. 
Euer Konr. W e i d e m a n n. 
Ortsgruppe Uilgerskausen 
Zelle O st h e i m 
Liebe Kameraden! 
Nun sollt Ihr auch aus Ostheim einmal besondere Grüße 
erhalten. Ihr wißt ja, daß wir aus unserem Dörfchen keine 
weltbewegenden Ereignisse berichten können, und doch wartet Ihr 
alle auf eine Nachricht aus der engeren Heimat. 
Den Kameraden, die lange nicht unsere Fluren und Wiesen 
sehen konnten, möchte ich berichten, wie die Felder üppige Frucht 
tragen und die Wiesen volle Mahden bringen. Noch nie sah ich 
eigentlich solche Roggenfelder, wie sie jetzt im Winde wogen. 
Möge ein gütiger Wettergott es zulassen, daß wir diese Ernte gut 
in die Scheunen bergen können! 
Eine kleine Veränderung hat es in den letzten Wochen im 
Dorf gegeben. In die leerstehende Wohnung der Schule ist 
ein Landdienstlager der HI. eingezogen. Die Mädchen — etwa 
20 an der Zahl — sind verteilt auf Arbeitsplätze in Ostheim und 
Dagobertshausen und bemühen sich redlich, in ihren neuen Wir 
kungskreis sich einzuleben. Da neben dem Landdienstlager im 
Sommer auch die Kinder von Dagobertshausen mit in die Schule 
hier eingegliedert sind und der Kindergarten schon länger im 
zweiten Schulsaal Heimatrecht genießt, könnt Ihr Euch denken, 
wie das junge Leben auf dem Schulhof oft bunt durcheinander 
quirlt, wenn vielleicht auch noch gerade Mütterberatung ist und die 
Allerkleinsten in den Kolonnen der „Selbstfahrer" mit auf 
gestellt sind. 
Es hat uns gefreut, daß wir in der letzten Zeit so manchen 
Urlauber hier begrüßen konnten. So waren auf Urlaub: Ioh. 
Ackermann, Otto Ackermann, Heini Bickel, Konrad Bickel, Gg. 
Grenzebach, Aug. Linne, Adolf Reinbold, Karl Gräuel, Wilh. 
Brandt, Adam Prinz, Aug. Seitz, Gg. Horn, Martin Aschen 
brenner, Hch. Aschenbrenner I, Gg. Botte, Willi Linne. Bei allen 
Kameraden fanden wir die gleiche zuversichtliche Stimmung und 
Entschlossenheit, die der Heimat immer wieder Vorbild und 
Auftrieb zu neuer Anstrengung sein wird. 
Im Lazarett sind noch immer die beiden schwer verwundeten 
Kameraden Hch. Aschenbrenner II und Justus Hesse. Wir wün 
schen ihnen baldige und gute Genesung. Leider kam auch die 
Kunde, daß Hch. Ackermann und Karl Pfeiffer den 
Heldentod erlitten. Das Opfer dieser beiden lebensfrohen Kame 
raden, die auf dem gleichen Ehrenfriedhof im Osten ruhen, ist 
für uns alle heiligste Verpflichtung für alle Zetten. Jeder an 
seinem Platz wird helfen, daß ihr Tod nicht vergeblich war. 
Von Euch hoffen wir, daß Ihr noch in bester Gesundheit 
seid und daß auch die, die in der letzten Zeit mit dem Urlaub 
noch nicht „dran" waren, bald wieder einmal Heimatluft atmen 
können. 
Und so grüßen wir Euch mit einem herzlichen Heil Hitler! 
Euer Karl K o ch.
	        

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