Full text: Unser ist der Sieg (Nr. 33, März 1943)

264 
Spielzeuglücke wundervoll geschlossen, die sonst entstanden sein 
würde. Der Spielzeugmarkt der HI. am Sonntag vor Weih 
nachten war für alle Kinder ein großes Ereignis, wenn auch 
der große Weihnachtsbaum vor unserem Liebenbachbrunnen ohne 
Kerzen war. Im übrigen wurden die Weihnachten still im 
Kreise der Familien gefeiert. Die Gedanken waren draußen 
bei Euch. Die Sonnwendfeier der Partei fand im Stöhr'schen 
Saal 'statt. Sie wurde als Morgenfeier durch den BdM. ge 
staltet. Die erste Ortsgruppenversammlung in diesem Fahr 
hielten wir am 10. Januar nachmittags auch im Lichtspielhaus 
Sfphr ab. Die Parteigenossen von den Dörfern waren, soweit 
sie noch in der Heimat sind, fast sämtlich erschienen. Ansang 
Dezember hatten wir ein großes Erlebnis mit dem Besuch von 
Ritterkreuzträger Oberleutnant S t e e g e r. Er wurde am Nach 
mittag des 12. 12. 1942 im 'Namen der Ortsgruppe und Stadt 
im Rathaus feierlich empfangen und bewirtet. Der geschmückte 
Bürgersaal gab dazu den würdigen Rahmen. Der Rede von 
Oberleutnant Steeger im Saale des Schützenhauses folgte die 
Zuhörerschar in unerhörter Spannung. Einfach und ungeschminkt, 
militärisch kurz umriß der Redner in seiner Schilderung ein 
packendes Bild von Eurem Heldenkampf im Osten. Unser Kreis 
leiter sprach von den Pflichten der Heimat und endete die be 
geisternde Kundgebung mit dem Treuegelöbnis zum Führer. 
Fn den letzten Tagen kam leider von der Front die Kunde, 
daß infolge eines Ünglücksfalles Schuhmachermeister Franz 
S i e b e r t, den Ihr auch alle als Buchbinder kennt, nicht 
mehr zu seinen Lieben zurückkehren wird. Auch Henner 
Schenk hat am 22. 11. 1942 im Raum vor Stalingrad sein 
junges Leben für Großdeutschland gegeben. In Schnell 
rode traf die Nachricht ein, daß Hans M e u r e r schwer ver 
wundet im Lazarett von Wjasma liegt. Es waren in letzter 
Zeit eine ganze Menge Kameraden im Urlaub. Wir haben 
uns zumeist über ihr gesundes und frisches Aussehen trotz des 
langentbehrten Urlaubs freuen können. Mein Sohn Otto 
wurde am 4. Oktober 1942 als Feldunterarzt im Westkaukasus 
durch Granatsplitter am Fuß verwundet. Mit dem Stock in 
der Hand kann er jetzt sein Studium in Marburg fortsetzen. 
Auch erhielt er das Eiserne Kreuz 2. Klasse für seinen Einsatz 
bei der Infanterie. Rektor G u t e r m u t h schickt allen Span- 
aenbergern in der Heimat und an der Front Grüße aus dem 
hohen Norden, Lappland. Einmal habe die Sonne schon über 
den Horizont geguckt, schreibt er. Pionier Gefr. Paul H e u ß - 
n e r war kurz vor Weihnachten mit seinem Bruder Georg 
zusammen in Urlaub. Gegenwärtig liegt er schwerverwundet 
im Lazarett Freiberg i. Sa. 
Der Gesundheitszustand der Bevölkerung in der Ortsgruppe 
ist gut. Ich freue mich ganz besonders Euch melden zu können, 
daß Dr. Kaiser in sämtlichen Gemeinden der Ortsgruppe die 
Diphtherie-Schutzimpfung durchgeführt hat, schon ehe die staat 
liche Anordnung dazu allgemein erteilt wurde. Das Melsunger 
Tageblatt brachte am 13. November 1942 einen ausführlichen 
Bericht über unseren ältesten Mitbürger, Küfermeister Werner 
Möller, der an diesem Tage in aller Frische seinen 90. Ge 
burtstag feiern konnte. Ehrenbürger Georg S a l z m a n n konnte 
am 19. Dezember 1942 seinen 82. Geburtstag begehen. Lehrer 
Heinrich Pfeil wurde am 18. Januar 80 Jahre alt. Und 
fein Berufskamerad Lehrer R o h d e kam am gleichen Tage 
gutgeheilt aus dem Krankenhaus in Melsungen zurück, wo er 
wegen eines Unfalles operiert werden mußte. 
Beim Standesamt Spangenberg find im Jahre -1942 fol 
gende Personenstandsfälle eingct.agen worden: 22 Eheschließun 
gen, 42 Geburten, 37 Sterbefälle. — Für das vierte Jahr des 
Weltkrieges lauten die entsprechenden Zahlen, also für 1917: 
12, 24 und 56. Jetzt vor einem Menschenalter 1912 also wur 
den dagegen gezählt: 20 Eheschließungen, 51 Geburten, 25 
Sterbefälle. Sehr aufschlußreich ist der Vergleich mit weiteren 
30 Jahren zuvor, also 1882: Damals wurden bei 24 Ehe 
schließungen 87 Geburten und 70 Sterbefälle gemeldet. Damals 
betrug die Einwohnerzahl in der Stadt etwa 1500 Personen, 
heute beinahe 2400, dasselbe Verhältnis gilt für die beiden zum 
Standesamt gehörigen Dorfgemeinden. Die Zahlen reden eine 
deutliche Sprache und geben sehr zu denken. Unsere Voreltern 
haben gewußt, daß Kinder der größte Reichtum eines Volkes 
sind, und danach gelebt. 
2. Elbersdorf. 
Ihr werdet wissen, daß Georg A ß m a n n aus Elbersdorf, 
der frohe Junge mit dem immer freundlichen Gesicht, im West 
kaukasus im September 1942 geblieben ist. Nun ist als letzter 
Gefallener aus Elbersdorf Euer Kamerad Uffz. Kurt G e r - 
l a ch ihm gefolgt. 
Aber auch Erfreuliches kann ich Euch berichten. Franz 
H u p f e l d hat feine Tochter Katharina, die Ihr nur 
als Luise kennt, mit Heinrich Salzmann aus Günsterode 
verheiratet. Das war die zehnte Hochzeit, die er für seine 
Kinder ausrichtete. Gewiß eine stolze Leistung und ein großes 
Vorbild. Schade, daß seine Frau das nicht miterleben durste. 
3. Pfieffe. 
In Pfieffe war Mutter Anna Lange kürzlich sehr krank, 
sodaß die Angehörigen sehr in Sorge um sie waren. Bei der 
Gelegenheit wurden wir wieder 
einmal darauf aufmerksam, was 
manche deutsche Mutter für ihr 
Volk und Vaterland geleistet 
hat. Da steht Frau Lange ganz 
oben an. Sie ist Trägerin des 
Goldenen Ehrenkreuzes der deut 
schen Mutter, denn sie gab neun 
Kindern das Leben. Sechs da 
von wurden Soldat und stan 
den in diesem Kriege gegen den 
Feind. Daß einer von ihnen 
auf Grund der Führerverord 
nung nach Hause geholt wurde, 
will dabei nichts sagen. Wir 
bringen Euch Mutter Lange und 
ihre sechs Soldatensöhne im 
Bild: 
Ernst Lange Wilhelm Lange Eduard Lange 
Anna Lange geb. Opfer, Pfieffe 
Karl Lange 
Heinrich Lange 
Jakob Lange 
Das ist wahrhaftig eine stolze Liste. Hütte Vater Lange, der 
selbst von 1900—1902 aktiv gedient hat, das noch erleben können! 
Sein ältester Enkel dient im nördlichen Eismeer auf einem Zer 
störer als Maschinengefreiter. Zwei der Söhne Lange waren mit 
in Stalingrad. Wir wollen Mutier Lange wünschen, daß sie 
die Rückkehr ihrer tapferen Söhne am siegreichen Ende in neu- 
gekräftigter Gesundheit miterleben darf. 
4. Mörshausen. 
Pg. Lehrer H offmann berichtet aus Mörshausen: Paul 
Koch erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Im Urlaub waren 
daheim: Ernst Koch und Heinrich Wilhelm. Dann trafen 
sich zufällig die beiden Brüder Adam und Adolf R e i n - 
bold. Und ebenso — zufällig natürlich — war auch Adolfs 
Braut, Dina Schmelz gerade zu Hause. Sie ist in einem 
großen Lazarett im Osten als Krankenschwester tätig. Mörs 
hausen schafft mit gewohntem Fleiß und ist mit dem Herzen 
stets bei Euch. Wir wollen's untereinander mit dem alten 
Hes^engruß halten, Ihr draußen und wir drinnen: „Hahld uch 
Diese Zeilen schrieb ich schon z. T. vor Wochen nieder. 
Inzwischen ist unser Volk durch das Schicksal des Krieges schwer 
angefaßt worden. Eine neue Haltung ist daraus entstanden. 
Deutschland steht fest. Die Heimat sieht gläubig auf den Führer 
und seine Soldaten und wird ihrer Pflicht gemäß handeln. 
Die Stunde der Bewährung ist nun für uns alle — ohne Aus- 
nahme — gekommen. 
Heil Deutschland! Heil dem Führer! 
Ich grüße Euch alle, die Ihr Liebenbachwasser getrunken 
habt, als Euer Ortsgruppenleiter T h.' F e n n e r.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.