Full text: Unser ist der Sieg (Nr. 29/30, den 1. Dezember 1942)

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wollte ja zum Ausdruck bringen, daß auch für die Jugend 
heute schon die Tugenden gelten, welche in erhöhtem Maße von 
den Soldaten geforvert werden. 
Der Vormittag sah noch einen Vortrag und Unterricht vor. 
Alsdann Spähtruppausbildung, die Krönung unserer vormili 
tärischen Wehrertüchligung. Als am Mittag der Lehrgang schlamm 
bespritzt zur Schule zurückkehrte, war Oberleutnant Henz bereits 
eingetroffen. Bei dem Rundgang durch die Gebäude unterhielt 
er fick mit den Kameraden. Manche lustige Unterhaltung gab 
es hier. Da war der kleinste Pimpf des Lehrganges, 128 Zenti 
meter groß, der bereits einen Iungzug führte, und voller Stolz 
Oberleutnant Henz berichtete, daß ihm seine 40 Lungen genau 
so folgen würden wie die Kompanie ihrem Oberleutnant Henz. 
Oberleutnant Henz war immer wieder erfreut über die frische 
Aufgeschlossenheit und Lebendigkeit der Lehrgangsteilnehmer. Am 
Nachmittag lag Oberleutnant Henz neben den Hitler-Iugend- 
Führern auf der Pritsche und es galt hier zu beweisen, daß die 
Schießausbildung der Hitler-Jugend einen gebührenden Raum 
einnimmt. Der Höhepunkt war für die Lehrgangsteilnehmer 
ein anschließender Bortrag von Oberleutnant Henz über seine 
Erlebnisse in Stalingrad und Dinge, die Ihr täglich an Euch 
Wirklichkeit werden laßt und selbst erlebt, wurden hier ge 
schildert und es wäre Anmaßung, Euch davon zu berichten. 
Lieder und Worte gaben dieser schönen Stunde einen guten 
Rahmen. Nun sollte aber in den nächsten Tagen jeder ein 
zelne Lehrgangsteilnehmer einmal selbst im kleinen Maß spüren, 
was es heißt, auf Bequemlichkeiten und gewisse Selbstverständ 
lichkeiten des Alltags zu verzichten. „Der Tag der Härte" gibt 
jedem Lehrgang ein besonderes Gepräge. Da beginnt der Tag 
zur frühen Stunde. Da wird im Innendienst ein doppelt strenger 
Maßstab angelegt. Da ist morgens kein Kaffeetisch gedeckt, da 
heißt es alarmmäßig abrücken und lediglich ganze Brote kön 
nen mitgenommen werden, um in einem Augenblick der Ruhe 
kameravschait.ich verteilt zu werden. Nach einer gewissen Mar,ch- 
strecke gab es Findigkeitsausgaben zu lösen. In Spähtrupps 
mit Kompaß, mit Planzeiger, mit Wegeskizzen, mit Marschricht 
zielen und auch mit Karte werden Kontrollpunkte angelaufen. 
Ja, ein jeder Spähtrupp hat auf der Karte in der Kürze der 
Zeit nicht entdeckt, daß da ein Steg über die Pfieffe läuft und 
kurz, der ganze Spähtrupp machte mit dem Wasser Bekannt 
schaft. Bei dem nächsten Punkt stimmt die Karte nicht mehr. Am 
Fuß der Karte ist die Jahreszahl 1912 verzeichnet, da hat sich 
allerhand geändert. Bis gegen 13 Uhr sind die Kontrollpunkte 
durchlaufen und ein Zeltlager ist zu errichten und Kochstellen 
anzulegen und der Spatengebrauch zu üben. Bei dem Bau 
dieser Kochstelle machen sich vielleicht erstmalig „gewisse Ge 
fühle" von Kohldampf bemerkbar, aber der Tag ist noch nicht 
zu Ende. Nach einigen Kilometern Marsch von der Straße geht 
es in die Wälder nach Süden, Osten und Norden, hin und her, 
kreuz und quer, bis jede Orientierung, insbesondere eben im 
Tannendickicht, verlorengegangen ist. Zu allem Unglück ist es 
so trübe, daß keine Sonne festzustellen ist. Der Kompaß ist 
beim Anlaufen des letzten Kontrollpunktes eingezogen worden. 
Ein kurzes Halten, einzelne haben abgebaut. Einteilung in Späh 
trupps, derselbe auseinandergezogen, nach Anlauf eines weiteren 
Kontrollpunktes ist die Walkemühle auf schnellstem Wege zu 
erreichen. Es dämmert inzwischen. Die 12- und 13jährigen be 
kommen von sachkundiger Hand einen 'Fingerzeig für ihre 
Marschrichtung, damit sie durch ein evtl. Nachtquartier im Freien 
keinen gesundheitlichen Schaden erleiden. Es ist stockdunkel als 
die Spähtrupps nach und nach schweißgebadet in der Schule 
ankommen, denn jeder wollte der Erste sein. Eine kräftige 
Abendmahlzeit hilft wieder auf die Beine. Anschließend Putz- 
und Flickstunde, welche Beweis davon gibt, daß allerhand 
Schmutz hängen geblieben ist. 20.30 Uhr Zapfenstreich und nach 
wenigen Minuten ist Ruhe. Selbst die sonst zu dieser Stunde 
noch in Erscheinung tretenden Erzähler sind verstummt. Eine 
Stunde später, 21.30 Uhr: Alarm! Das Licht brennt nicht. Be 
kanntgabe einer Lage: es soll ein Nachtgeländespiel, Angriff, 
Verteidigung. Durchgeführt werden. „Verflucht" ist das eine 
Dunkelheit, dauernd schlagen einem in dem Gebüsch Aeste in das 
Gesicht. Hier soll man einen Weg finden, wo sich der Gegner 
zur Verteidigung eingerichtet hat. Dabei sieht man noch nicht 
einmal die Hand vor Augen, die müden Knochen wollen nicht 
mehr, aber der Tag heißt ja: Der Tag der Härten. Die Aufgabe 
wurde gelöst und im Nahkampf, einer zünftigen Schlägerei am 
Schluß des Geländespieles wurde gezeigt, daß die Hitler-Iugend- 
Führer auch hart sein können im Geben und Nehmen. Gegen 
2 Uhr nachts war dann der Tag wirklich zu Ende. Wie bei den 
Soldaten, so sind die härtesten Stunden später die schönsten, von 
denen der Junge immer wieder erzählt. 
Ein Lehrgang beim Flaggenhissen Foto: Obe,scharf. Schmidt, Melsungen 
's-' 
Die Härte wird auch an diese jungen Führer noch heran 
treten, wenn sie den grauen Rock tragen und jedes will geübt 
und erprobt sein, nur so können wirklich gute Leistungen er 
zielt werden. 
Der letzte Tag des Lehrganges kommt, wenn auch während 
des Krieges im Vordergrund die Wehrertüchtigung zu stehen 
hat, so wissen wir doch, daß auch der Soldat in seiner rauhen 
Schale, gerade aus den Worten deutscher Dichter gewaltige 
Kräfte schöpft. Es war wieder der Heimatdichter' Heinrich 
R u p p e l, der in einer herrlichen Stunde in dem Festsaal der 
Schule aus seinen Werken las. Der Zeit entsprechend zunächst 
Vers und Prosa, die den Soldaten des Schwertes und der 
Arbeit aus vergangener und jetziger Zeit gewidmet waren. 
Zum Schluß brachte er uns seine lustigen Erzählungen aus 
unserer Heimat, die immer freudige Zuhörer finden. Mit einem 
Aufruf an das Vaterland und dem Lied „Heilig Vaterland" 
ging dieser Tag und damit der letzte dieses Lehrganges zu Ende. 
Als sichtbares Zeichen des Erfolges erhielten die Teilnehmer 
den K.-Schein, der Zeugnis über die vormilitärische Ausbildung 
gibt, das Hitler-Iugend-Leistungsabzeichen, das Schießabzeichen, 
oder aber auch den besten von ihnen die Berechtigung, für die 
Leistungsabzcichen Prüfungen abzunehmen. Mit neuer Kraft mö 
gen in jedem Lehrgang immer wieder 100 kurhessische Hitler- 
Iugend-Führer in ihre Heimatorte gehen, um mit einer Gläu 
bigkeit. einem Fanatismus ohnegleichen Künder nationalsozialisti 
schen Lebens zu werden. Möge in ihrem Geist, der der Geist des 
politischen Soldaten ist, die Jugend immer wieder zum Kampf an 
treten, in dem Ihr jetzt in vorderster Linie steht, bis der Sieg 
unser ist. 
Euch gebührt der Dank der Jugend, den wir in der Heimat 
durch unermüdlichen Einsatz nur zum geringen Teil abstatten 
können.— Nicht um einer Anerkennung wegen, sondern weil Eure 
Leistungen unvergleichlich sind. Weil Ihr diejenigen seid, die 
den Söhnen Eures Volkes, Euren eignen Kindern den Weg in 
eine schöne und starke Zukunft öffnet. 
So grüße ich Euch aus der Führerschule des Gebietes Kur 
hessen/14 Walkemühle. Erich Bischofs, Bannführer. 
3 Punkte, die uns die Arbeit erleichtern 
muß sich jeder Empfänger des Heimatbriefes einprägen. 
O Es wird gebeten, bei den Grüßen, die in dem Heimatbrief 
„Unser ist der Sieg" veröffentlicht werden, neben dem 
Namen auch den Heimatort des Einsenders 
anzugeben, da zahlreiche Familiennamen bei der alt 
eingesessenen Bevölkerung oft vorhanden sind, daß Ver 
wechslungen eintreten können. 
@ Um Druckfehler zu vermeiden, ist der Name recht 
deutlich zu schreiben, da die oft sehr charakteristi 
schen Namenszüge schwer lesbar sind. 
© Aenderungen in der Anschrift (Feldpostnummer 
usw.) sind sofort der zuständigen Ortsgruppe oder der 
Kreisleitung zu melden.
	        

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