Full text: Europäischer Frieden

*5 
67 
Papieren Sullys und aus anderen Schriftstellern wissen wir 
jedoch, daß tatsächlich der große Heinrich den Plan verfolgt 
hat, eine christliche Republik von Europa zu schaffen, in der 
im Innern vollkommener Frieden herrschen, nach außen jedoch 
eine eigene, energische, einheitliche Politik auf gemeinschaftlicher 
Grundlage vertreten werden sollte. Um das große Ziel zu er 
reichen, sollte von Frankreich auf jeden Erwerb von anderen 
Ländern verzichtet werden, um nur ja die Konföderation Europas 
durchzusetzen. Europa sollte im Anschluß an die damaligen 
Verhältnisse in 15 Staaten zerfallen, in fünf Erbmonarchien: 
Frankreich, Spanien, Großbritannien, Schweden und die Lom 
bardei; in sechs Wahlmonarchien: den Kirchenstaat, Deutsches 
Reich, Ungarn, Böhmen, Polen, Dänemark; in vier Republiken, 
von denen zwei aristokratisch (unter den italienischen Städten) und 
zwei demokratisch: die Niederlande und die Schweiz, waren. 
Machtvoll war der Plan vorbereitet und die ganze französische 
Kriegsmacht stand dahinter und er wäre auch sicher zum Segen 
von Europa gelungen, wenn nicht ein Dolchstoß das Leben 
Heinrichs beim Ausrücken ins Feld beendet hätte. Da König 
Heinrichs Gedanken dem Plane des Hauses Habsburg, eine 
europäische Universalmonarehie zu begründen, stracks entgegen 
lief, wurde allgemein angenommen, daß der politische Mord von 
habsburgischer Seite oder wenigstens von seinen Freunden an 
gezettelt worden sei. 
Jedenfalls hat der unselige Dolchstoß Ravaillacs, der am 
14. Mai 1610 das Leben des großen Heinrich beendete und 
damit die Verwirklichung seines gigantischen Plans, ein einiges 
Europa zu schaffen, hinderte, entsetzliche Wirkungen ausgelöst, 
indem er dem Hause Haubsburg für sich und zugleich als Voll 
streckerin papistischer Pläne freie Hand und damit das Signal 
zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges gab. 
Aber jede Schuld rächt sich auf Erden, und so hat anderer 
seits der im Frühjahr 1914 gegen den Erzherzog Ferdinand 
geführte Dolchstoß jenes serbischen Fanatikers die Fackel für 
den großen europäischen Krieg entzündet und das Haus Habs 
burg in den Strudel gerissen.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.