Full text: Europäischer Frieden

62 
über Staatswissenschaft ausgeführt: „Dasselbe Vernunftgebot, 
das die in einem Dorfe zusammenlebenden Menschen einigt, das 
Rechtsgesetz unter sich anzuerkennen, dasselbe Vernunftgebot, 
das verschiedene Dorfgemeinden im Kanton, verschiedene Kantone 
in der Eidgenossenschaft vereinigt, dasselbe Vernunftgebol, welches 
in Amerika eine Menge Staaten, die an Flächengehalt Europa 
übertreffen, unter dem Rechtsgesetz verbindet — dasselbe Ver- 
nunftgebot fordert mit Notwendigkeit, daß dereinst alle Völker 
Europas das Rechtsgesetz unter sich anerkennen, und zwar 
sobald sic zu dem Grade von Aufklärung gekommen sein werden, 
um einzusehen, daß alle einzelnen und also die ganze Mensch 
heit ihrem Zweck in eben demjenigen Grade näherkomme, in 
welchem das Rechtsgesetz in größeren Kreisen zur Herrschaft 
gelangt, um einzusehen, daß gegenseitige Befeindung in militä 
rischer und merkantilistischcr Hinsicht ihre moralischen und 
materiellen Kräfte gegenseitig schwächt, und daß ein Kamp! 
zwischen hunderttausenden vernünftigen Menschen dem Sitten 
gesetz ebensovielmal mehr zuwidcrlaufe, als. ein Kampf zwischen 
zweien.“ Auch andere hervorragende deutsche, französische und 
englische Volkswirte haben schon um die Mitte des vorigen 
Jahrhunderts die Schaffung eines europäischen Staatenbundes 
warm befürwortet. Sia sagten sich ganz richtig, daß ein solcher 
Zusammenschluß nur im Falle des Ausbruchs eines großen 
europäischen Krieges möglich sein könnte, weil nur ein solcher 
die dazu nötigen Umgestaltungen der politischen Karte des 
europäischen Kontinents mit sich bringen würde. 
Um die Sache in die Wege zu leiten, trug sich der Prinz 
gemahl Albert von England mit dem Plan, zunächst eine poli 
tische Allianz zwischen England und Deutschland herzustellen. 
Seine Bestrebungen sind, wie man aus einem vom damaligen 
englischen Premierminister Lord Palmerston eingehend begrün 
deten Memorandum erkennen kann, prinzipiell gebilligt worden. 
U. a. führte Palmerston aus: „Geographische Gründe hindern 
England und ethnographische Deutschland, eine Landvergrößerung 
anzustreben. Keines von beiden Ländern hat deswegen den 
Wunsch, einen ihrer Nachbarn zu unterwerfen, aber beide haben
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.