Volltext: Europäischer Frieden

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ihm die Eingliederung in den Deutschen Bund eine drückende 
Last, und deswegen ist im Jahre 1866 die Lostrennung vom 
Bund und die Ausscheidung Oesterreichs gelungen. Aber auf 
die Dauer mußte diese Ablösung die größten Schwierigkeiten 
hervorrufen, denn die Geschicke Preußens waren eben nicht 
von denen des übrigen Deutschlands zu trennen. Gerade vom 
preußischen Standpunkte aus hätte alles für die Aufrechterhaltung 
des Deutschen Bundes getan werden müssen, weil sich gerade 
innerhalb des geschmeidigen Rahmens einer völkerrechtlichen 
Föderation der preußische Individualcharakter viel freier hätte 
entwickeln können. Auf jeden Fall mußte, nachdem die Lösung 
von Oesterreich erfolgt war, die deutsche Politik unbedingt in 
dem Gleise weiter gesteuert werden, auf dem Bismarck dies 
getan hatte, denn die Form, die das Deutsche Reich bekommen 
hatte, entstammte ja ausschließlich dem Ingenium Bismarcks, 
und das hat auch der alte Kaiser Wilhelm stets und bei allen 
Gelegenheiten dankbar anerkannt. Man braucht hierüber nur 
die Briefe zu lesen, die zwischen ihm und seinem ersten Rat 
geber gewechselt worden sind. Ich führe nur den einen Brief 
vom 1. April 1885 an, den der Kaiser an Bismarck schrieb zu 
seinem 70. Geburtstag. Damals schenkte ihm der Kaiser namens 
seiner Familie das Bild der Kaiserproklamation in Versailles 
und schrieb: „Ich denke, daß dieses Bild noch Ihren späten 
Nachkommen vor Augen stellen wird, daß Ihr Kaiser und König 
und sein Haus sich dessen wohl bewußt waren, was wir Ihnen 
zu danken haben.“ Wenige Jahre darauf kam aber schon der 
erzwungene Bruch mit dem jungen Kaiser, und wenn man die 
Aeußerungen, die der junge Kaiser im persönlichen Verkehr und 
schriftlich im Anfang der 90er Jahre über Bismarck getan hat, 
vergleicht, so steht man vor einem Rätsel. Von Letzlingen 
schreibt er am 12. November 1898 an Kaiser Nikolaus: „Ich 
bin tieftraurig über Bismarcks schreckliches Benehmen, obgleich 
es ein Coup ist, der sich lediglich gegen mich persönlich 
richtet, nichtsdestoweniger einen Bruch der Loyalität gegen 
Deine Regierung darstellt und einen Flecken auf dem Gedächtnis 
meines geliebten Großvaters sowohl wie auf dem Deines ge
	        

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