Full text: Europäischer Frieden

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Einnahmen, die riesige Armee, die er unterhält, und das wunder 
bare Uebergewicht, das er in Europa hat, werden in der künf 
tigen Geschichte unglaubhaft erscheinen. Er fand bei seines 
Vaters Tode ein Einkommen von 13 Millionen, einen Schatz von 
16 Millionen, keine Schulden, und eine Armee von 50 000 Mann, 
und dies galt damals für das größte Resultat, welches durch 
Sparsamkeit zu erreichen sei. jetzt hat er ein Einkommen 
von 21 Millionen, dreimal so viel in seinen Kassen, und eine 
Armee von beinahe 200 000 Mann. Er verdankt dies ohne Zweifel 
größtenteils seinen überlegenen Talenten, ich glaube jedoch, daß 
sich noch eine zweite Ursache in dem Charakter und der Lage 
seiner Untertanen auffinden läßt. Diese sind im allgemeinen arm, 
eitel, unwissend und ohne Grundsätze; wären sie reich gewesen, 
so würde der Adel sich nie dazu verstanden haben, mit Eifer 
und Tapferkeit als subaltern zu dienen. In ihrer Eitelkeit glauben 
sie, ihre eigene Größe in der Größe ihres Monarchen zu sehen. 
Ihre Unwissenheit erstickt in ihnen jeden Begriff von Freiheit 
und Widerstand, und ihr Mangel an Grundsätzen macht sie 
zu bereitwilligen Werkzeugen zur Ausführung aller Befehle, die 
sie erhalten, ohne zu überlegen, ob sie auf Gerechtigkeit gegründet 
sind oder nicht. Der König hat wohl verstanden, diesen Charakter 
zu benutzen, indem er seine Untertanen stets in der ehrerbietigsten 
Entfernung gehalten hat. Sie betrachten ein Wort oder ein Lächeln 
von ihm als eine Gnade, und dadurch, daß er sie niemals nach 
ihren Verdiensten belohnt, hat sich bei ihnen der Glaube ein 
geprägt, daß sie überhaupt gar kein Verdienst besitzen. Die hohen 
Talente, welche die Natur ihm gegeben hat, und die Höhe, auf 
welche er sich seinen Untertanen gegenüber stellt, haben diese 
veranlaßt, ihn wie eine Gottheit zu betrachten, und obschon sie 
die eiserne Rute fühlen, mit welcher sie beherrscht werden, so 
klagen doch nur wenige, und keiner wagt zu murren.“ 
In diesem Zusammenhang möchte ich noch einen weiteren 
Brief des genannten Grafen Malmesbury vom Jahre 1773 zitieren, 
worin er schreibt: „Hinsichtlich der Annehmlichkeiten des ge 
selligen Lebens kann es keinen schlechteren Ort geben als Berlin, 
Berlin ist eine Stadt, wo, wenn man ,fortis‘ mit ehrlich über
	        

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