Full text: Europäischer Frieden

Glanze seines Namens einen gewissen Nimbus verliehen und 
ihn so seinen pygmäischen Nachfolgern gleichsam als politisches 
Dogma hinterlassen. Er löste das Heer und den Adel von dem 
Volke ab und stellte sie diesem feindlich gegenüber, Heer und 
Adel als Pfosten der Hohenzollern-Macht erklärend. Er brachte 
den Adel, der schon am Verdorren war, zur wilden Ueber- 
wucherung, indem er jeden bürgerlich Geborenen vom Offiziers 
stand ausschloß und damit den Abstand zwischen Bürgerlichen 
und Adligen zu einer früher nie gekannten Kluft erweiterte. 
Er hat Preußen zu einer Monarchie des Zufalls gemacht und 
den Staat zu einer Mosaikarbeit von einigen hunderttausend 
Soldaten. 
Alles im Staat, der Staat selbst, war nach seiner Absicht 
Maschine, die der Monarch an der Spitze in Bewegung setzte 
und nach seinem Willen arbeiten ließ. Die Staatsmaschine ar 
beitete gut, so lange ein Mann, wie er selbst sie bewegte. Sie 
mußte aber andererseits stille stehen, sobald der große Regent 
wegfiel. Tatsächlich ist sie auch wie trockner Mörtel kaum 
20 Jahre nach seinem Tod in der Schlacht von Jena zusammen 
gebrochen. Und dasselbe haben wir in der Neuzeit erlebt, auch 
gerade etwa 20 Jahre, nachdem Bismarck von der politischen 
Arena abgetreten war, nachdem er ein Menschenalter lang selb 
ständig und allein die preußische Maschine gelenkt hatte. 
Beide Vorgänge lassen den Schluß zu, daß ein Fehler im 
Aufbau des preußischen Staates vorliegen muß, denn ein mäch 
tiger nationaler Staat könnte sonst nicht einen so tiefen Fall 
tun, wie wir es nach Jena und jetzt erlebt haben. 
Bis zu Friedrichs Regierung konnte der Kaiser die deutschen 
Völker von den Alpen bis zur Nord- und Ostsee zu den Waffen 
rufen gegen einen gemeinsamen Feind in Ost und West. Erst 
durch Friedrich trat die Wendung ein und eine Spaltung der 
deutschen Nation in zwei Heerlager. Alle Maßregeln des Königs 
im Innern waren nur berechnet, Geld zusammenzubringen zum 
Krieg gegen Oesterreich, und daraus entsprang der unsägliche 
Druck, die unsägliche Bevormundung. Friedrich lähmte den 
Fleiß und die Tätigkeit seiner Untertanen durch unzählige Ver 
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