Full text: Europäischer Frieden

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dieser Freiheitskampf hatte das Volk belehrt, daß es den Franzosen 
ebenbürtig war, vorausgesetzt, daß es einig war. Leider wurde 
der Kongreß zu Wien, der nach den langen Freiheitskämpfen 
der Diplomatie das Wort gab, nach den Grundsätzen der 
Diplomatie des 18. Jahrhunderts geregelt. Die aus seinen 
Verhandlungen hervorgegangene Karte von Europa war mehr 
oder weniger ein willkürliches Diplomatenwerk, durch dessen 
Herstellung viele alte Rechte planlos verletzt worden waren. 
Die Italiener, welche von Napoleon das Geheimnis gelernt hatten, 
daß sie in allem Wesentlichen eine Nation seien, grämten sich 
tief über die Herrschaft Oesterreichs in der Lombardei und die 
Aufteilung des Restes ihrer Halbinsel unter reaktionäre Könige, 
Fürsten und unwissende Geistliche. Die Belgier protestierten 
ebenso gegen die erzwungene Vereinigung mit Holland zu dem 
sogenannten Königtum der vereinigten Niederlande. Im Osten 
Europas wehrten sich die Polen vergeblich gegen das Geschick, 
welches sie noch einmal unter Rußland, Oesterreich und Preußen 
verteilte. Die deutschen Ansprüche blieben trotz der ungeheuren 
Anstrengungen des gesamten Volkes während der Freiheitskriege 
so gut wie unberücksichtigt und die Sehnsucht der deutschen 
Nation nach Einheit unbefriedigt. Der Kongreß wählte für 
Deutschland die Form der Rheinbundmacht einschließlich Oester 
reich und Preußen mit ihren deutschen Provinzen, er schloß 
auf derselben Grundlage ein Dänemark und die Niederlande. 
Deutschland hatte jetzt eine innere Form, aber keine innere 
Einigung. Nur zwei Großmächte behielten ihre Eroberungen: 
England Malta und die ionischen Inseln, Rußland Beßarabien, 
Finnland und Polen. Oesterreich und Preußen bekamen nur 
Entschädigungen. Oesterreich hielt sich mit dem Gebiet von 
Venetien für Belgien und mit Salzburg für seine alten Domänen 
in Schwaben schadlos. Preußen tauschte für die polnischen 
Länder die Provinzen Westfalen, Sachsen und Rheinprovinz ein, 
als Ersatz für Lauenburg bekam es Pommern. Von den Zer 
störungen der revolutionären Periode übernahmen die Ver 
bündeten das, was ihnen paßte, und alle diese Maßnahmen ge 
schahen nach der Hebung des 18. Jahrhunderts, ohne die Ein
	        

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