Full text: Europäischer Frieden

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Male eine Vereinigung der Stämme Deutschlands; aber das 
Reich, welches Karl der Große im Jahre 800 durch einen mysti 
schen Vertrag mit dem Papst geschaffen hatte, war nur eine 
sehr lose Vereinigung, die nur durch seine starken und ge 
schickten Hände zusammengehalten wurde, die aber unter seinem 
Nachfolger sehr bald wieder zerfiel. Erst mehr als ein Jahr 
hundert später gelang es dem Ludolfinger Otto, neue festere 
Grundlagen für eine deutsche Reichsverfassung zu schaffen. 
Nicht karolingische Tradition und nicht romantische Schwärme 
reien, sondern ein wohlverstandenes Staatsinteresse veranlaßten 
ihn, die römische Kaiserkrone zu nehmen, weil die Kirche allein 
in damaliger Zeit über eine höhere Kultur verfügte und ihre 
Diener mit dem Bewußtsein für das große Ganze zu erfüllen 
verstand. Otto I. begründete das deutsch-römische Kaisertum 
und schuf durch den ruhmvollen Sieg in der Schlacht auf dem 
Lechfeld am 10. August 955 die Vorherrschaft seines Reichs 
im Abendland. Freilich, eine feste Zentralregierung vermochte 
auch seine starke Hand nicht zu schaffen, das von ihm be 
gründete deutsch-römische Reich war weder ein Nationalstaat, 
noch ein Weltreich, sondern das unter deutscher Vorherrschaft 
vereinigte Mitteleuropa. Aber die neue Reichsverfassung schuf 
doch das Dach, unter dem die Deutschen darauf jahrhunderte 
lang gelebt haben. Dadurch wurde ihr Stammesbewußtsein und 
ihr Selbstgefühl mächtig gestärkt, und so kam es, daß aus dem 
Namen diutise = deutsch = volkstümlich ein gemeinsamer natio 
naler Name für das ganze Volk wurde. 
Noch mehr gesteigert wurde das Selbstbewußtscin der Deut 
schen unter der Regierung der Hohenstaufen. Unter allen Herr 
schern des Mittelalters wurde Friedrich Barbarossa die popu 
lärste Person und in der Erinnerung lebte er im Volk gewisser 
maßen als Verkörperung deutscher Kaiserherrlichkeit. 
Aber gleichzeitig war auch die Uneinigkeit unter den 
Deutschen im Laufe der Jahre immer stärker geworden, und so 
war dieser gewaltige Recke aus dem Geschlecht der Hohen 
staufen schon nicht mehr ein allgemein gebietender Herrscher, 
sondern nur noch das Oberhaupt der stolzen, eigenwilligen und
	        

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