Full text: Der Kanonen-Quentel

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Frau (kommt zurück): Die zwei sind schon fort ins Dorf. 
Quentel: Wenn Babette zurückkommt, Frau, dann stellt ihr 
in der Küche Brot, Wurst, Speck. Butter und Eier be 
bereit und was sonst noch aufzutreiben ist. aber reichlich! 
Ich werde sehen, daß wir Einquartierung bekommen, 
und die soll es gut haben. 
Frau: Unser Brot wird aber nicht langen. Mann. wenn du 
uns den ganzen Schwarm auf den Hals laden willst. Ich 
habe schon ohne das für übermorgen Brotbacken vor 
gesehen. 
Quentel: Borg' dir ein paar Laibe in der Nachbarschaft! Und 
nur nicht gesäumt! Was ich plane, muß gelingen. 
Frau: Wenn du uns nur nicht ins Unglück hineinreißt! 
Quentel: Nicht kleingläubig fein. Trude! Das steht einer 
Pfarrfrau schlecht an. Nur wer Glauben hat. wird der 
Feinde Herr werden. (Es klopft.) Herein! Ah. da kom 
men die getreuen Nachbarn! (Gleim und Lorenz kommen.) 
Lorenz: Was ist denn los. Herr Parr? So in aller Herr 
gottsfrüh' und dazu noch am hellen Werktag sollen wir 
zur Kirche kommen? Da wird ja das ganze Dorf re 
bellisch. 
Quentel: Leute. Leute, das wär' das Verkehrteste, was es 
geben könnte! Das Dorf muß fein, wie ein Bauerndorf 
im Herbst ist: Dreschen. Vieh füttern. Wasser holen. Ställe 
misten — da darf nichts fehlen. 
Gleim: So steht's ja auch im Dorf. Ich hab' meinen Leuten 
die Wacht angesagt, daß sie weitermacheil, als wär ich 
selber dabei. Und das werden die Nachbarn auch tun. 
Quentel: So ist's recht, Bürgermeister! Und nun hört, was 
ich vorhabe! Es kommt eine Wagenkolonne mit Muni 
tion durchs Dorf- Hier vorm Pfarrhaus, wo die Straße 
stark ansteigt und die alte Mühlhäuser Straße schneidet, 
werden die Soldaten wohl haltmachen und nad) dem 
Weg fragen. Das war bis jetzt immer so. Id) werde wie 
der Wolf in der Fabel nahe sein und ihnen Auskunft 
geben, ihnen auch, wenn sie's verlangen, mit einem Früh
	        

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