Full text: Der Kanonen-Quentel

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zwei große Krüge Wacholderschnaps holen! Vom besten, 
den er hat! Werden das Zeug brauchen können. Mich 
schüttelt's zwar, wenn ich's nur nral schmecke. Aber 
heute soll's uns gute Menste tun. Wein haben mir 
noch genug im Keller. 
Frau: Willst du denn Hofprediger Seiner Majestät des Kö 
nigs werden, daß du dir's soviel kosten läßt? Oder 
den Franzosen wirklich einen Streich spielen? 
Quentel: Ei gewiß, Frau! Einen Streich, den das ganze 
Hessenland belachen soll. 
Frau (besorgt): Wenn wir ihn nur nicht beweinen müssen! 
Quentel: Sei doch keine Angstkatz«, Frau! Bist's ja sonst 
auch nicht. Sieh mal, wie neblig es draußen ist! 
Ist das nicht ein Nebel, daß nran ihn schneiden kann! 
Liegt wie eine Tarnkappe über dem Dorf. Siehst grad 
unser Scheunentor noch und ein Stück von der Straße. 
Ist gut, ist gut für meinen Plan. 
Frau: Ob sie wohl bald kommen? 
Quentel: Nur nicht zappelig werden, Frau! Ich will mir 
mal meine Lange anstecken. Das gibt die nötige Nahe 
und ein rechtes Pastorales Aussehen. Nicht wahr? So, 
und nun stell' ich mich ans Tor und gucke die Straße 
hinab, wo sie herkommen müssen. 
(Ab. Helmut und Babette kommen.) 
Frau: Seid ihr schon da? Babette, geh inal gleich zum Wirt 
und hole zwei Krüge Wacholderschnaps, aber vom besten! 
Babette: Ja, gleich, Frau Pfarrer! (Ab.) 
Helmut: Mutter, die Männer sind alle zur Kirche geschlichen. 
Sie fragten mich, was Vater im Schilde führt. Aber ich 
konnt's ihnen nicht sagen. Was hat er denn nur? 
Frau: Franzosen kommen. 
Helmut: Sind doch schon oft hier durchgekommen. Was soll 
denn da heute Besonderes dabei fein? 
Frau: Sie fahren Kugeln für die Kanonen. 
Helmut: So, so!
	        

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