Full text: Landflucht

34 
Friedrich: Ja, die Liesbeth. 
Liesbeth: Sehr gut. Ich darf nicht Klagen. Alles Liebe haben 
sie mir angetan. Und ich bin mir deshalb so undankbar 
vorgekommen, aber keiner kann aus seiner Haut. 
Line: Du hast recht. Wie war denn die Kost? Ich meine 
das Zugebröts? 
Liesbeth: Immer sehr gut. Und reichlich. Trotzdem wäre mir 
ein Ranft trockenes Brot von daheim manchmal lieber 
gewesen als die beste Torte, die ich selbst habe backen 
lernen. 
Line: Das kannst du nun alles? Und was man gelernt hat, 
daran trägt man nicht sauer. Einmal schön ist's von 
dir, daß du die alte Tracht noch hast. 
Liesbeth: Line, die hätte ich mir ja doch wieder nähen müs 
sen. Für's Land patzt sich's so viel besser. 
Line: Ja und dem Friedrich, dem hättest du nicht mehr ge 
fallen mit Bubikopf und modernem Wesen, der sucht 
eine von altem Schrot und Korn. 
Liesbeth: Sei doch still mit dem Friedrich, Line. 
Line: Du weißt ja, daß es aus ist mit der Lene? Natürlich, 
das wirst du gleich erfahren haben. Dafür hat so «in 
Mädchensding wie du ein aufinerksames Ohr. 
Liesbeth: Ruhig, da kommt der Friedrich. Ich will mal zu 
den Mädchen gehen. (Ab.) 
Line: Bis nachher. Ein echtes Ding. — Friedrich, na wie? 
Friedrich (strahlt): Gut, gut, gut! 
Line: Ich muß mich nur wundern, wie du alleweil lachen 
kannst, du Heimlicher, du hast auch Lachen und Weinen 
in einem Sack? 
Friedrich: Es kann nicht jeden Tag die Sonne scheinen, Line. 
Line: So gut wie nicht jeden Tag Sonntag ist, du Schlau 
kopf. Aber heut' ist Sonntag und Kirmes dazu. Und 
noch etwas, das Beste, die Liesbeth ist wieder da!
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.