Full text: Landflucht

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Line: Liesbeth, Liesbeth, hierher, hierher! Oder ivillst du 
heimgehen und Kaffee trinken? Nein? 
Liesbeth: Ich hab' nicht mitgeholfen beim Backen, die Musi 
kanten gehen mit der Sophie heim. Ich bleib' solange hier. 
Line: Dann setz' dich zu mir, wir erzählen uns eins. Sag 
mal, was hat's mit der Martha auf sich? Das Ding ist 
ja wie behext. 
Liesbeth: Die Martha hat hart durchgemacht in der Stadt. 
Ein Jahr ist sie mit dem Kerl gelaufen. Ein ganzes 
Jahr. Da hat er sie gebeten, ihm ihr Sparbuch zu geben. 
Line: Was? Bor der Hochzeit verlangt der so etwas? 
Liesbeth: Ja, und dann ist er verschwunden und hat's Wie 
derkommen vergessen. 
Line: Und das Geld? 
Liesbeth: Blieb auch weg! 
Line: So ein schlechter Kerl! 
Liesbeth: Und die Martha war ihm so gut. Alles hat sie 
für den Kerl übrig gehabt, sie hat ihr ganzes Herz an 
ihn gehängt. Nun kann sie's büßen, das arme Mädchen. 
Line: Wirklich, sie kann einem leid tun. Jetzt will sie natürlich 
nicht mehr fort, oder? 
Liesbeth: Kein Gedanke. Die bleibt daheim und sucht beim 
Bauern eine Stellung. Hier passiert so etwas doch nicht. 
Man kennt sich, man weiß, wer man ist. Wenn's jauch 
mal nicht schön geht, daheim ist daheim! Unser Päckchen 
kriegen wir alle zu schleppen, ob draußen in der Fremde, 
ob hier auf dem Land. Es ist unsere Sache, wie wir 
uns damit abfinden. Ach, Line, ich bin ja so froh, daß 
ich wieder da bin. Mich treibt's nicht mehr weg. 
Line: Das glaub ich. Und was dein Päckchen betrifft, so 
wirst du's die längste Zeit geschleppt haben, und wirst's 
bald abwerfen. Dir sieht man die Freude aus den Augen 
glänzen. Das ist die Liebe zur Heimat. 
Liesbeth: Meint Ihr?
	        

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