Full text: Landflucht

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Erich: Erlauben Sie mal. Aber ich höre Marthchen kom 
men und möchte doch sehr bitten, diese unerquickliche 
Aussprache zu beenden. 
Liesbeth: Ich habe den Anfang dazu nicht gemacht. Ich 
wünschte nur, meine Freundin hätte alles gehört. 
Martha: So, Liebling, zwei Fünfzigmarkscheine. Hoffentlich 
ordnet sich nun alles nach unseren Plänen. 
Erich (überschwenglich): Teuerstes Mädchen! 
Liesbeth: Ich mutz nun aber wirklich heim, Martha. 
Martha: Wir gehen noch ein Stück mit dir, du bist doch 
immer ängstlich. Hier die selbstgestrickten Handschuhe. 
Sparsam, sparsam, dafür aber auch Geld im Beutel. 
Binde dein Rosenhalstuch fest zu. Deine Mutter hat 
es noch gestrickt. 
Liesbeth: Das halte ich in Ehren. Wie lange find die 
guten Hände kalt, die mir das gestrickt haben und so 
viel Liebe für mich hineinarbeiteten. Ach, es ist traurig, 
wenn man die Mutter so früh verliert. Ich war noch 
so klein und bin dann immer bei fremden Leuten ge 
wesen. Ach, Martha, wie froh wäre ich, hätte ich «in 
Heim wie du und könnte Vater und Mutter noch be 
suchen, wenn es in der Fremde kalt und einsam ist. 
Martha: Ich glaube, es ist im Leben immer so. Wenn man 
etwas nicht mehr besitzt, dann weiß man erst, was man 
verloren hat, und was es für Wert gehabt hat. Da, 
nimm dir den Kuchen noch mit. Ich will ihn dir ein 
packen. Mach's gut. 
Liesbeth: Mach's gut! Laß dich mal sehen, wenn du Zeit hatt.
	        

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