Full text: Landflucht

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gekauft, und sagt selbst, bin ich nicht immer ein schöner 
Kerle gewesen? Die Line konnte stets Staat init mir 
machen. Was meinst du, Alte? 
Line: Freilich, freilich. 
Alle (Lachen, Beifall und Johlen). 
Lisbeth: Ach, Philipp, Ihr schwätzt aber was Rechtes daher. 
Meint Ihr, das Mannsvolk in der Stadt schminkt sich, 
das tun doch nur die Weiber. 
Philipp: Ja. ja. die Weiber, die treiben alles, was nichts 
taugt! 
Line: Vater, laß die Weiber zufrieden. Ihr braucht sie ja 
doch gar zu nötig. 
Philipp: Eben drum, es ärgert mich, daß sie alle von daheim 
weglaufen, ihr Glück in der Stadt zu suchen. Die sollen 
bei uns bleiben! 
Line: Die laß' sich nur die Köpfe einrennen, die kommen alle 
wieder, denen wird die Hoffart noch ausgetrieben. Das 
Leben muß sie nur erst in die Mühle kriegen, das 
schrotet sie zurecht. Da bin ich gar nicht ängstlich. Es 
muß alles seine Zeit haben. 
Martha: Das glaubt nur nicht, Line. Es geht nichts über 
das Stadtleben. Und wiederkommen? Das gilt für 
andere, für uns nicht, Line! Me Arbeit bei den Bauern 
ist zu schwer. Man zerreißt zuviel Kleider. Und in der 
Stadt, da hat man sein Geld, kann kaufen, wenn man 
will und was das Herz begehrt! Alle 14 Tage einen 
freien Sonntag, Kino, Tanz, gutes Essen, wem soll das 
nicht gefallen, wenig Arbeit noch obendrein! Ein Narr 
wär' man, wollt' man sich hier noch schinden! 
Line: Schäm' dich, Martha! Du hättest das überhaupt nicht 
nötig, du fändest Arbeit genug daheim! Wo sich deine 
Leute noch ein fremdes Mädchen dingen müssen! 
Martha: Ich mich schämen? Mir fällt's ein! Wie sich einer 
bettet, so liegt er. Wenn Unsere daheim ein Mädchen 
dingen, so bin ich mein eigener Herr. Das ist doch 
fein! Was hat man denn hier? Vieh füttern, Rüben 
mahlen, brrrrr! Gott sei Dank, hab' ich das heute zum
	        

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