Full text: Grundzüge der Politik und der Religion

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Gesichtspunkte aus zu beschreiben. Es wäre die Aufgabe der Kirche 
gewesen, unser Volk über die Todesgefahr aufzuklären, die uns aus dem! 
Kapitalismus aufsteigt. Aber sie sieht zu, wie unser Volk von falschen 
Propheten irregeführt wird. Sie nimmt wenig Anteil an der Existenznot. 
Vor wie nach predigt sie dem inneren Menschen vom ewigen Leben, 
trotzdem sie aus der heiligen Schrift weiß, daß Gott nicht der Toten, 
sondern der Lebendigen Gott ist. Auch aus dem Vaterunser weiß die 
Kirche, daß Christus gekommen ist, das Reich Gottes auf Erden 
aufzurichten. Das Himmelreich, das uns von allen Religionen nach dem 
Tode in Aussicht gestellt wird, wird auch von unserer Kirche so hinge 
stellt. Aus einer Diesseitslehre ist eine reine Jenseitslehre gemacht wor 
den,, die mit dem Dienst am Mitmenschen in Not und Gefahr der Ge 
meinde nicht viel zu tun hat. Unsere Brüder dürfen nicht auf Betteln 
angewiesen werden,, sondern zur Betätigung. Wenn w 7 ir unsere Familie 
und unsere Kinder in wehrloser Ergebenheit allen irdischen Gewalten 
gegenüber erziehen,, so sorgen wir selbst dafür, daß wir im Kampf, im 
freien Spiel der Kräfte, die Schwächeren bleiben. Diese Jenseitslehre 
ist verständlich unter dem Druck der Feudalherren, um ihre Herrschaft 
dadurch zu stützen. Daß man aber diese Glaubenszeremonien dennoch 
weiter predigt, nachdem der volksfremde Kapitalist und absolute Gegner 
des Christentums uns in Zinsknechtschaft geschlagen hat, die gleich 
mehrere Generationen versklaven, die noch nicht geboren sind, ist der 
größte Fehler,, den man begehen kann. Es ist handgreiflich, daß das 
existenzlose, arme Volk die Jenseitslehre nicht mehr mit anhören kann 
und scharenweise der Kirche den Rücken kehrt. Durch diese Tatsache 
wird der Beweis geliefert, daß das Volk sich geistig gesund erhalten 
hat. Es verlangt Taten der Nächstenliebe statt einer Belehrung über 
das Jenseits,, von dem die Prediger nicht mehr wissen als der Laie, da 
sie ja noch nicht imstande waren, einwandfreie Verbindung mit dem 
Jenseits herzuslellen. Wer ist unser Gott? Diese Frage beantwortet 
Jesus in Johannes 10 V. 34: „Ihr seid Götter!“ Die Volksseele ist 
unser Heiligtum. Ihr zu dienen ist göttlicher Dienst oder wahrer 
Gottesdienst. Heute ist es aber umgekehrt. Die Volksseele soll dem 
Herrenwesen dienen so wie bei den Heiden oder Feudalherren durch 
Opfergaben,, damals in Lebensmitteln, heute in Geld. Eine Rettung der 
Völker aus den Klauen der Unterwelt kann nur die christliche Lehre, 
die Lehre der Nächstenliebe im Existenzkämpfe bringen. Die Jenseits 
lehre ist eine hypnotische Ablenkung, ein Betrugsmanöver am eigenen 
Volke. Christus sagt klar und deutlich in Lukas 20 V. 38 „Gott ist 
nicht der Toten, sondern der Lebendigen Gott“. Mithin sind alle die 
jenigen, die vom Gericht im Jenseits predigen, Irrlehrer. Das Gericht 
wird hier im Leben am Einzelnen und an den Völkern geübt. Den Be 
weis liefert die Weltgeschichte! 
Die Weltgeschichte ist das Weltgericht! 
An der Spitze der Weltgeschichte der Vergangenheit steht China. An 
ihm geht das Wort in Erfüllung: „Da hob die Wage des Weltgerichts 
am dritten Tage der Herr des Lichts. Er warf den Drachen wohl von 
dem Stuhl mit Donnerkrachen hinab zum Pfuhl.“ China hatte in seinem 
Wappen den Drachen. Die Kaiser nannten sich Söhne des Himmels. 
Nach ihrer Auffassung glich ihr Reich der Vollkommenheit. In ihm 
waltete eine Gerechtigkeit, wie im Kosmos!!! Aber, o Schande! Mit 
den Knochen und Schädeln der Herrscher von einst spielten die Sol 
daten der Revolutionsarmee Fußball (1928). Die Söhne des Himmels 
hatten im Grabe keine Ruhe, weil ihr Reichtum an Edelsteinen und Gold 
mit ins Grab folgen mußte, und dieser nun selbst dafür sorgte, daß die
	        

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