Volltext: Grundzüge der Politik und der Religion

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hindert hat, wohl aber sind durch dessen Bestehen unendlich viele 
Frauen durch den Eingriff unverantwortlicher Elemente gesundheitlich 
schwer geschädigt. Ein Volk, das seine Kinder nicht mehr ernähren 
kann, weil das Existenzminimum unterschritten ist, kann auch mit dem 
§ 218 seine Kinder nicht großziehen. Ich habe mehr Vertrauen zu den 
Minderbemittelten als zu den wohlhabenden Volksschichten. Ich bin 
überzeugt, wenn diese Leute keine Nahrungssorgen mehr haben, daß 
dann der Geburtenrückgang auch ohne § 218 überwunden ist. Die 
Freude am Kind überwiegt in diesen Kreisen bei weitem die Genuß 
sucht. Die Sittenlosigkeit, zu der in erster Linie Ehebruch gehört, 
kam nicht aus den unteren Volksschichten, sondern aus den sogenannten 
besseren Kreisen. Was sagt der Rabbiner zu diesem Thema? 
§ 218 und die Juden. 
In der „Deutschen Israelitischen Zeitung“ vom 19. Februar 1931 finden 
wir im Leitartikel „§ 218 und die jüdischen Frauen“ folgenden Absatz 
aus der Feder des Oberrabbiners Dr. Carlebach: 
„Mag der Staat seine Gesetzgebung einrichten wie er will, als 
Ausdruck „eines allgemeinen Volksempfindens“, im jüdischen Frauen 
bund sollte nicht vergessen werden, daß die jüdischen Frauen und die 
jüdische Ehe nicht mit den allgemeinen verglichen werden können, 
daß wir ein heilig Volk sind mit einem anderen Empfinden, aber auch 
mit einer anderen soziologischen Grundlage, wie die anderen Völker, 
und daß bei uns die Ehe in ihrem Wesen national und 
religiös tiefer verankert ist, als sonst in der Welt.“ 
„Und was erzählen und empfehlen die Juden u n s?“ 
Nahrungssorgen können dort nicht vorgetäuscht werden. Auf diese 
Besserung der besseren Kreise darf aber das Volk auf keinen Fall 
warten. „Ich will“, so muß jeder Einzelne geloben, daß das Reich 
Gottes auf Erden auf gebaut wird und der Wille des Schöpfers hier 
auf Erden so geschehen soll wie im Himmel, im Kosmos. 
Die Lehre Christi war der Wegweiser, der uns aus dem Irrgarten 
des Religionsunwesens befreien sollte. War schon das alte Testament 
der Bibel schleierhaft abgefaßt, so wurde später dem Gläubigen das 
Lesen der Bibel ganz verboten. 
Und heute reichen sich diese beiden Mächte die Hand, um der 
„breiten Masse“ diesen teils verschleierten und teils falsch ausgelegten 
Wegweiser aus der Hand zu schlagen. 
An uns liegt es, dem Religionsunwesen ein Ende zu machen. Wie 
kann von der Zivilisation geduldet werden, daß sich in Indien die Bud 
dhisten auf die Mohammedaner stürzten und sie niedermetzelten, weil diese 
ein Rind geschlachtet hatten, das nach dem Buddhismus heilig ist. Wir 
wissen, daß das Rind einst ein Totemtier war und auf diese Weise vor 
dem Ausrotten geschützt wurde. Aus der guten Sitte ist eine Unsitte 
geworden. Bei Nachahmung alter Sitten sollten wir uns vorher die 
Zweckmäßigkeitsfrage beantworten. 
Ein anderes Beispiel der Rohheit sieht der feinfühlige Mensch im 
Schächten oder koscher Schlachten. Jedes Schlachttier muß bei uns vor 
dem Schlachten betäubt werden. Warum wird dem Israeliten bei uns 
eine Extrawurst gebraten? Er darf das Rind fesseln, umreißen und ihm 
beim vollen Bewußtsein den Hals abschneiden. Diese religiöse Unsitte 
muß jeden Tierfreund empören, der einmal zugesehen hat, welche 
Todesangst ein unschuldiges Rind in den Fingern dieser Leute erleidet. 
Warum ist das nun notwendig? Ja, das Tier blutet besser aus, wird 
behauptet! Auch betäubtes Vieh blutet sich vollkommen aus. Immer
	        

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