Volltext: Grundzüge der Politik und der Religion

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reute vorbehielten. Alle anderen Kinder wurden mit Geld abgefunden 
und lernten irgend ein Handwerk. So wurden deren Kinder und Kindes 
kinder Arbeiter und sind durch den Marxismus zu erbitterten Feinden 
des Grundbesitzes gemacht worden. Zur Versöhnung führt kein anderes 
Mittel, als den Grundbesitz zum Wohle des ganzen Volkes in gleichem 
Nutzen zu bewirtschaften. Damit hört die Verhetzung des Volkes durch 
die Leihkapitalisten auf und gleichzeitig ist deren glänzendes Geschäft 
bankerott und nicht wir. Es ist nun auch die heilige Angelegenheit 
der christlichen Kirche, dies Versöhnungswerk mit allen Kräften zu 
fördern, denn auch Christus, unser Vorbild, war Gegner der Zins 
knechtschaft, und der Feudalherrschaft. 
Die Gegner werden einwenden wollen, Staatsbetriebe arbeiteten 
unrentabel. Das ist möglich, wenn diese Betriebe vom Geiste der 
Gebrüder Sklarek geführt werden. Aber wir werden uns als Muster 
betriebe die ehemalige Staatseisenbahn wählen. Alles ging auf die Se 
kunde. Unterschlagungen sind kaum vorgekommen. Ein Aufstieg wajr 
für jeden möglich. Kurzum, es klappte besser, als in den meisten Privat 
betrieben. Daß jeder in einem Betrieb erst zeigen muß, was er auf 
diesem Gebiete leisten kann, das muß für alle Zukunft festgelegt werden. 
Die Menschen sind in ihrer Veranlagung so verschieden, daß stets nach 
individueller Veranlagung eingestellt werden muß. Auch die Alters 
stufen werden berücksichtigt werden müssen. Hier gilt das Goethe 
wort: „Mag die Welt im ganzen fortschreiten, der Embryo muß immer 
wieder von vorne anfangen und die Epochen der Weltkultur durch 
machen/* Hiermit ist gesagt, so wie unsere Entstehung seit der Be 
fruchtung die ganze Entwicklung vom untersten Tierwesen an durch 
machen muß, so muß auch der Geist, der Verstand, die Entwicklung der 
menschlichen Kulturepochen an seinem Auge vorbeiziehen lassen. Über 
die Möglichkeit oder Unmöglichkeit eines kommunalen Betriebes gegen 
über kleinen und großen Privatbetrieben werden wir uns am besten klar, 
wenn wir uns einen ernsten Plan ausarbeiten, nach dem die Staatsbahn 
an kleine und große Privateigentümer verkauft werden soll, und jeder 
nun über sein erworbenes Eigentum frei verfügen könne. 
Ich behaupte nicht zuviel, wenn ich sage, daß der geregelte Betrieb 
dann undenkbar und unmöglich ist. Jeder hätte soviel Extra Wünsche, 
daß schließlich kein Einheitsfahrplan und was noch wichtiger ist, kein 
Einheitsfahrpreis zustande käme. Immerhin aber ist es möglich, daß 
eine große Privatgesellschaft die Eisenbahn als Ganzes kaufen und be 
wirtschaften kann. Ob diese aber billigere Tarife aufstellen wird als 
ein Staatsbetrieb, das mag sich jeder selbst ausrechnen. Vor 1914 fuhren 
wir für 50 Pfg. dieselbe Strecke mit der Bahn, wie heute für eine Mark. 
Schlußfolgerung. 
Wie wir vorher sahen, lehnte Christus die Zinsknechtschaft ab, in 
seiner Antwort auf die Frage: Ist es Recht, daß man dem Kaiser den 
Zins gebe oder nicht? Matthäus 22 V. 17. 
Wenn wir uns vom Fürsten wesen und vom heutigen Kapitalismus 
der Zinsknechtschaft lossagen, dann müssen wir schließlich Farbe be 
kennen, und das herrschende System ablehnen. Aus den Lehren des 
Nazareners wußten die jüdischen Oberherrn, daß er ebenso wie den 
Juden auch dem Kaiser die Gefolgschaft versagte* Sie schmiedeten nun 
einen Plan, um Jesus juristisch unschädlich zu machen. Sie sandten 
ihm ihre Jünger und auch einen Diener des Herodes, des Statthalters 
des römischen Kaisers. Diese sprachen: „Meister, wir wissen, daß du 
wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes recht und fragst nach nie 
mand, denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage 
uns, was dünkt dich: Ist es Recht, daß man dem Kaiser den Zins gebe
	        

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