Full text: Grundzüge der Politik und der Religion

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I. Allgemeines. 
Keine Wissenschaft ist so einschneidend in unserem Kampf ums 
Dasein* wie die Wirtschaftslehre des Volkes, die Politik. 
Politik ist ein Monopol der Gelehrten, wie auch aus der nachfolgen 
den Kundgebung, die Ziele des Kyffhäuserbundes, hervorgeht: In Königs 
berg fanden sich die Vertreter des Kyffhäuserbundes zu der Hauptver 
sammlung zusammen. Exzellenz von Horn begrüßte die Ehrengäste 
und ging dann in allgemeinen Worten auf die Ziele des Bundes 
ein. Die Erhaltung und die Schaffung neuer Gesinnungswerte, nicht 
etwa parteipolitische Arbeit, gehöre zu den Aufgaben des Bundes. 
Die politische Einstellung des einzelnen habe viel 
fach dazu geführt, daß sich jeder zur Kritik und zum 
Schimpfen berechtigt fühle, während sich früher nur 
begabte Köpfe um die Politik kümmerten. 
Wir sehen aus vorstehendem Artikel, daß die Herren Militaristen 
das Ziel verfolgen: Politik ist das Monopol der Gelehrten und nicht 
Sache des Volkes oder (wie es allgemein ausgedrückt wird) der „brei 
ten Masse“. Vollkommen sinnlos ist nach dieser Auffassung das Wahl 
recht jedes (nicht klugen oder gelehrten) Staatsbürgers. Wer nun ein 
mal das Recht zum Wählen hat. der muß selbstverständlich auf volks 
wirtschaftlichem Gebiete, das mit Politik gleichbedeutend ist, belehrt 
sein. Hier haben wir eine entsetzliche Lücke in der Schulbildung. 
Dieses Gebiet gehört ohne Zweifel in den Religionsunterricht, genau so 
wie die Juden im alten Testament zum großen Teile ihre Entwick 
lungsgeschichte lehren. 
Doch politische Lehrbücher, die den Ursprung der Volkswirtschaft 
und die Entstehung der Religion offen und ehrlich ohne Eigennutz er 
klären, finden wir nicht. Was wir finden, ist Parteipolitik. 
Am weitesten wagt sich der Marxismus auf politischem Gebiete vor. 
Für alle anderen Parteien ist dadurch eine unangenehme Lage geschaffen, 
weil jeder Schritt weiter unweigerlich den klaren Beweis liefert, daß 
bis heute Politik Geheimwissenschaft ist. Es wird behauptet, daß 
Religion mit Politik nichts zu tun habe; die Religionsgemeinschaften 
dürften keine Politik treiben, wenn sie dem Volke dienen wollten. Be 
trachten wir jedoch die Entstehung der Religion bei den Urvölkern, dann 
erkennen wir, daß Religion nur zu dem Zweck entstand, um hinter 
dieser „spanischen Wand“ Geheimpolitik treiben zu können. Die breite 
Masse wurde absichtlich durch die Religion von der Politik abgelenkt; 
die Religion war ein Suggestionsmittel. Was die heutige Religion ver 
folgt, das darf hier nicht behandelt werden. Ich möchte schon in der 
Einleitung feststellen, daß ich die Religion nicht in ihrer Gesamtheit 
als nur Ideologie verwerfe. Weil sie ein Suggestionsmittel war, so muß 
die Religion auch einen Bruchteil Wahrheit in sich haben. Diese Wahr 
heit ist in erster Linie das Eheleben, das durch sie gepflegt wird, und 
die Lehre über den menschlichen Willen. 
Wer das Eheleben, das Sexualleben verwildern lassen will, der kann 
nichts besseres tun, als die gesamte Religion zu verhöhnen. Da aber in 
diesem Punkte die Religionen die Entwicklung der Völker begünstigten, 
müßte die Abschaffung der Religion auf die Entwicklung des fraglichen 
Volkes höchst ungünstig wirken. Wenn nun der Marxismus die Ver 
wilderung des Sexuallebens zur Leidenschaft fördert, dann beabsichtigt 
er, die Vernichtung eines Volksstammes zu Gunsten des anderen.
	        

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