Full text: Grundzüge der Politik und der Religion

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Wenn Angebot und Nachfrage den Preis regulieren 
sollen, dann muß die menschliche Arbeitskraft als 
W are aus dem Handel herausgenommen werden. An 
dessen Stelle muß die Maschine treten, da ja der 
Mensch von der Maschine abgelöst wurde. Seine 
Tätigkeit im Produktionsprozeß besteht dann in der 
Beaufsichtigung der Maschine. So wie einst der Ar 
beiter von dem Kapitalisten beaufsichtigt wurde, 
so beaufsichtigt in Zukunft der ehemalige Arbeiter 
nun als Teilhaber der Produktion die Technik und den 
Verteilungsapparat. Er ist nicht mehr Tiermensch 
oder Arbeitstier, sondern Geistmensch, der seine 
freie Zeit zur Entwicklung seiner geistigen Anlagen 
benutzt, und in zweiter Linie den Körper durch Sport 
pflegt. Also ist „der Geist mehr denn der Leib und der Leib mehr 
denn die Kleidung“. Der Unterschied Gelehrte und breite Masse muß 
verschwinden, und mit ihm verschwindet die Ringbildung und Ver 
trustung, die man heute mit Diktatur bezeichnen muß. Betrachten wir 
uns den Kapitalismus weiter. 
Die Verteuerung der Ware durch den unberechtigten Profit der 
Produzenten und die Verdrängung des Arbeiters durch die Maschine, 
haben wir kennengelernt. Es gilt aber noch eine Kategorie von Men 
schen ins Licht zu rücken, die die Ware verteuern, ohne daß diese im 
Arbeitsprozeß eingeschaltet sind. Es ist der Handel. Die Urvölker 
tauschten Ware gegen Ware. Auch im Feudalsystem herrschte der 
Warenaustausch Ware gegen Ware vorwiegend. Im kapitalistischen 
System finden wir fast nur Geldwirtschaft. Der Händler kauft beim 
Fabrikanten sagen wir für 100 Mark Ware. Diese Ware ist ver 
kauf sfertig. Der Fabrikant hat mit seiner Fabrik zu tun. Er kann 
nicht in der Fabrik sein und gleichzeitig Kunden suchen. Also besorgt 
der Händler das letztere Geschäft. Er sucht auf dem Markt oder in ihm 
kenntlich gemachten Läden Leute, die diese Ware nötig haben. Er 
verkauft diese Ware nicht etwa für 100 Mark wieder, sondern rechnet 
nochmal seinen Lebensunterhalt, den Ladenmietpreis und sonstige Un 
kosten für einen bestimmten Zeitabschnitt zusammen. Diese Unkosten 
muß dann der Käufer oder sagen wir, der Konsument ebenfalls be 
zahlen. Man sagt aus Erfahrung, ich muß die Ware mit 25 o/ 0 Auf 
schlag verkaufen. Wir würden also bei genauer Nachforschung finden, 
daß die Waren, die dieser für 100 Mark einkaufte, nun für 125 Mark 
verkaufte. Alle Herstellungskosten waren doch schon in den 100 Mark 
enthalten. Nun soll der Käufer nochmal 25 o/o mehr bezahlen, weil die 
Ware ein Zweiter an sich gezogen hat. Aus nichts werden 25 Mark. 
Eine solche Schöpfung widerstrebt dem gesunden Verstand©. Es wäre 
eine Verschleierung, wollte man behaupten, die Ware wäre in der Hand 
des Käufers mehr wert geworden, weil er sie benötigte. Die Ware hat 
in der Tat nicht den Wert, den der Käufer dafür auf wenden mußte. 
Der Käufer müßte, um das Kaufgeld mit der Hände Arbeit zu verdienen, 
den vierten Teil länger arbeiten, als wenn er direkt von Produzenten 
kaufen könnte. Er arbeitet tatsächlich statt vier Tage nun noch einen 
Tag für den Kaufmann, oder aber er muß seine Arbeitstageszeit um 1/4 
verlängern. Kurzum, er ist der Verlierer. Man fragt sich nun, warum 
der Kaufmann oder Händler überhaupt geduldet wird. Hier stoßen wir 
wieder auf die Dreiteilung im Kapitalismus, 1. Hochfinanz, 2. Grund 
besitz, 3. Arbeiter. Die Hochfinanz ist es, die das Kapital regiert. Sie 
entzieht der Wirtschaft soviel Kapital, daß an dieser Grundware Mangel 
herrscht. Nur derjenige, der Geld oder Kredit hat, kann Ware kaufen.
	        

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