Full text: Grundzüge der Politik und der Religion

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Bestimmung, die doch das Leben erhalten will, in das gerade Gegenteil 
verwandelt ist. Die Genußsucht ist nicht mehr Mittel zum Zweck, son 
dern Selbstzweck. Die Zeugung von Nachkommen ist eine häßliche 
Nebenerscheinung geworden. Genau dieselbe Auffassung haben die 
Kapitalisten von der Produktion. Hauptzweck ist der Profit. Daß 
der Arbeiter auch leben will, ist ebenfalls eine häßliche Nebenerschei 
nung geworden. Wie kann nur der Weltenlenker Lebewesen in Form 
von Menschen schaffen, die so häßliche Angewohnheiten haben, auch 
einen Magen füllen zu müssen. Da, lieber Herrgott, sieh dir unsere 
Maschinen an, die wir uns geschaffen haben. Die fressen nur solange 
sie arbeiten. Das ist doch ein gewaltiger Vorteil für uns!!! Ja, lieber 
Kapitalist, das sehe ich ein, sagt mitleidig der Weltenlenker. Aber 
gib mal schön acht. Deine Maschine braucht nur zu fressen, wenn sie 
für dich arbeitet. Sie hilft dir unverdrossen Waren hersteilen, die du 
und deine Maschine nicht verbrauchen ^önnt. Für wen machst du denn 
den großen Vorrat von Waren? Die Magenmenschen, die früher diese 
Waren herstellten, verbrauchten auch diese Waren. Heute liegen diese 
Menschen auf der Straße, verdienen kein Geld und können die Waren, 
die du da aufstapelst, auch nicht kaufen. Siehst du nun deine Dumm 
heit bald ein, oder sollen dich diese Magenmenschen aus Notwehr vor 
dem großen Haufen Ware totschlagen? 
Verfolgen wir im „Kapital“ 1. Ware, Preis und Profit. Ware 
ist alles, was wir für Geld kaufen. Richtiger wäre, wenn nur das ge 
kauft werden könne, was zu unserem Leben nötig ist. Wer es fertig 
gebracht hat, recht viel Geld aus dem Verkehr herauszuziehen, der kann 
sich heute alle Produktionsmittel kaufen und die anderen laufen hinter 
ihm her und warten, bis er aus Gefälligkeit einen Brocken abgibL 
Preis der Ware? Ja, der richtet sich nach Angebot und Nach 
frage, das heißt, wenn die Nachfrage groß ist, dann steigt der Preis. 
Ist das Angebot größer als die Nachfrage, dann fällt der Preis. Man 
könnte annehmen, daß auf diese Weise ein Gleichgewicht hergestellt sei. 
Aber dieses Gleichgewicht wird einmal durch die Ware menschliche 
Arbeitskraft erheblich gestört. Ist die Ware Arbeitskraft in Angebot 
größer als die Nachfrage, dann sinken die Löhne und mit ihm der 
Warenverbrauch und dann der Warenpreis. In diesem Punkte liegen 
die Hauptursachen der Krisen. Aber noch ein anderes Moment der 
Störung des Gleichgewichts finden wir heute in der Vertrustung der 
Produzenten oder deren Diktatur durch Solidaritätserklärung. Diese 
Leute berechnen und diktieren den Preis wie folgt: „Verzinsung des 
Grundkapitals, der Fabrikfläche, Gebäude, Maschinen und Werkzeuge 
einschließlich Abnutzung usw. plus Kosten der Rohstoffe sind fest 
stehende Unkosten oder konstantes Kapital. (Formelzeichen K.) Der 
zweite Faktor ist der Lohn der Arbeiter, der die Rohstoffe in Fertig 
waren verwandelt. Dieser wird als variabel, d. h. beweglich bezeich 
net = v. Drittens berechnet sich der Unternehmer einen Profit, um 
dessentwillen er ja nur sein Kapital arbeiten läßt = P.. Für diese 
ganze Berechnung setzen w 7 ir die Formel: | K. | v. | P. | Den Profit 
berechnet er ungefähr in gleicher Höhe wie das bewegliche Kapital. Die 
Aufstellung in der Warenpreisberechnung war zur Zeit der Manufaktur, 
als noch alles, was auf Vorrat gearbeitet wurde, ohne Maschine herge 
stellt werden mußte, sehr übersichtlich. Die Räumlichkeiten hierzu 
hatten keinen besonders großen Wert. Noch weniger wert waren die 
Werkzeuge. Nur die Rohstoffe waren im Verhältnis die gleichen als 
heute. Kurzum, das konstante Kapital, das schließlich von der herge 
stellten Ware aufgesogen war, war kaum größer oder kleiner als der 
Arbeitslohn, der benötigt wurde, um die Ware herzustellen. Da nun 
der Profit die gleiche Höhe wie der Arbeitslohn ausmachen sollte, so
	        

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