Full text: Grundzüge der Politik und der Religion

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duktion auf Vorrat immer mehr zu. Die Kaufleute stellten infolge guten 
Absatzes weitere Handwerker ein. Die ersten Geldinstitute waren die 
römische Kirche und die Einrichtungen der Handelsleute, vorwiegend 
Israeliten. Die letzteren wurden häufig durch besondere Härten so 
gedrückt, daß ihr zusammengehandeltes Geld den Feudalherren verfiel. 
Wir sehen daher bei den Befreiungskämpfen, den Bauernkriegen, den 
Juden Schulter an Schulter mit dem gepeinigten Bauer kämpfen. Die 
Fürsten scheuten nicht zurück, ihre Soldaten an fremde kriegführende 
Mächte gegen Geld zu verleihen. Glanz und Prunk, die z. B. König 
Ludwig der XIV. leidenschaftlich an seinem Hofe pflegte, fanden bei 
allen Fürsten Eingang. Das nötige Geld hierfür wurde auf alle mög 
liche Art aus dem Volke herausgepreßt. Das Bauernlegen setzte in 
dieser Zeit besonders stark ein. Die Feudalherren erhöhten die Lehns 
abgaben, um den Bauern zu zwingen, das Anwesen zurückzugeben. Die 
Bauern selbst mußten dann Tagelöhner gegen Hungerlöhne unter der 
Herrenknute werden. Sie waren keine Tagelöhner in unserem Sinne, 
sondern Leibeigene. Viele dieser Leute mußten fliehen, weil sie sich 
gegen die Gewalt auflehnten. Die wandernden Kaufleute stellten diese 
mit Vorliebe in ihre Reihen ein. Das Handwerk unter Führung der 
Kaufleute wurde die Grundlage zum Fabrikbetrieb. Durch das Zusam 
menarbeiten vieler Handwerker in einem Betriebe wurden die Werk 
zeuge schnell verbessert. Neue Ideen konnten in der Praxis ausprobiert, 
werden, da der Unternehmer mehr Kapital zur Verfügung hatte, als 
der Zunftmeister. Eine ungeahnte technische Entwicklung begann mit der 
Dienstbarmachung der Dampfkraft. Im englischen Webergewerbe wur 
den die Arbeiter durch technische Webstühle arbeitslos. Aber es ent 
standen andere Industrien, die die Arbeiter wieder einstellten. Wenn 
auch viele dieser Arbeitslosen dem Verhungern nahe waren, so be 
deutete dieser Zustand nur eine vorübergehende Krisenerscheinung einer 
beginnenden Kulturepoche. Die Epoche des freien Wettbewerbs, oder 
des Kapitalismus begann in einer scharfen Kurve, in einem schnellen! 
Tempo. 
4. Der Kapitalismus. 
Der Beginn des Kapitalismus kann im Mittelalter zur Zeit König 
Ludwigs des XIV. von Frankreich gesucht werden. Langsam und fast 
unbemerkt nistete der Kapitalismus sich im Feudalsystem ein, bis durch 
Freiherr vom Stein, und im Jahre 1848 das Lehnswesen endgültig 
beseitigt war. Die Fürsten von damals verloren ihre Macht, jedoch sichtbar 
erst im Weltkriege. An ihrer Stelle regiert jetzt die Hochfinanz, das 
Geldfürstentum. An die Stelle des Zehnten ist die Geldsteuer und die 
Zinsknechtschaft getreten. Als Kapitalisten werden vom Marxismus 
die Großgrundbesitzer oder ehemaligen Feudalherren und die Schlot 
barone geschildert. In Wirklichkeit sind diese Leute nur scheinbare 
Kapitalisten. Die wirklichen Kapitalisten sind die internationalen Geld 
fürsten, die uns den Kriegstributplan auf Generationen hinaus diktiert 
haben, es sind die Inflationisten, eine Gruppe von Geldleuten mit De 
visengepäck. 
Das Urrecht im Kapitalismus lautet: „Angebot und Nachfrage regu 
lieren die Preise/* Damit wird gesagt, daß eine bestimmte Ware im 
Preise fällt, wenn das Angebot größer als die Nachfrage wird, und 
umgekehrt steigt eine Ware im Preise, je größer die Nachfrage und je 
kleiner das Angebot ist. Daß dieses System auf Stelzen geht, beweist 
die Vertrustung des Angebots in den Industrie waren. Wir stehen heute 
vor der fertigen Tatsache, daß die Inhaber wichtiger Industrien Zeit und 
Gelegenheit fanden, den freien Wettbewerb unter sich aufzuheben. Sie 
erklärten sich aus diesem Grunde solidarisch, das heißt sie verpflich-
	        

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