Full text: Grundzüge der Politik und der Religion

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glied hat nur so viele Rechte als es Pflichten hat. Die Maschine gehört 
nicht dem Einzelnen, sondern dem ganzen Volke, wenn sie zur Pro 
duktion gebraucht wird. Die Produktion wird vom Volke geleistet und 
ist Staatseigentum. Privatbesitz gibt es nur noch im Konsumieren. Wert 
messer ist nicht mehr Gold, sondern menschliche Arbeit, die Urheberin 
der Produktion. Durch diese Grundgesetze ist die Inflation der Gesetzes 
paragraphen mit einem Schlage beseitigt, und somit das Recht auf 
Ausbeutung im Wettbewerb. Es ist widersinnig, daß wir trotz Mil 
lionen von Gesetzesparagraphen so rechtlos sind, daß uns das Leben 
bald unmöglich gemacht ist. Es ist dann unmöglich, daß einzelne, 
rücksichtslose Menschen die Produktionsmittel an sich reißen und nun 
nach Belieben das Volk verhungern lassen, weil es kein Gold finden 
kann. Von hoher Warte gesehen ist das heutige Wirtschaftssystem 
widersinnig. Das Kapitel über die Entstehung und Entwicklung des 
Kapitalismus belehrt uns darüber noch ausführlicher. 
Wir verfolgen die Wechselwirkungen zwischen Papstkirche und 
Feudalherren weiter, denn nur diesem dauernden Wechsel verdanken 
wir die heutige technische Entwicklung. Die Maschine und nicht der 
tausendjährige fromme Betrug sorgt mit eiserner Gewalt für die Ein 
führung wahren Christentums oder Untergang durch Kriegstechnik. 
Die katholische Kirche und das Ablaßunwesen belehrt uns darüber, 
daß Opfern die oberste Pflicht der Masse geblieben war, genau wie zur 
Zeit der Zauberer bei den Urvölkern. Weiter lesen wir in der Biblischen 
Geschichte: „Der Priester stand als Vermittler zwischen Gott und den 
Menschen. Das zeigte sich besonders in der Lehre vom heiligen Abend 
mahle. Man lehrte, daß durch die Worte des Priesters: „Das ist mein 
Leib“, das Brot wirklich in den Leib Christi verwandelt werde (siehe 
Innocenz III.). Die Hostie — das Allerheiligste genannt — war dann 
der wirkliche Leib des Herrn. So hatte man den Höchsten leibhaftig 
unter sich, konnte ihn in Prozessionen feierlich umhertragen (Fronleich 
namsfest = Frondienst) und der Priester hatte die Macht, den Leib 
des Herrn durch das Messelesen immer erneut zu opfern. Dieses Messe 
lesen, das zum Heile der Seele notwendig sein sollte, geschah aber nur 
gegen Bezahlung und brachte der Kirche viel Geld ein.“ Wir sehen, 
daß die römische Kirche vieles nachahmte, was die Priester und Zau 
berer der Urvölker erdacht hatten. Ja, die Irrlehre war noch schlim 
mer, weil kein wirtschaftlicher Zweck damit verbunden war, den die 
Urpriester mit dem heiligen Totemtiere oder der Totempflanze als 
Nahrungsmittel verfolgten. In Wirklichkeit war es kein Götzendienst, 
wie man uns heute belehrt, sondern eine höchste Wertschätzung der 
Nahrungsmittel. Erst der Kastengeist verdrehte diese ökonomisch-rituelle 
Einrichtung genau so, wie die katholische Kirche, damit die Faulenzer 
auf Kosten des Volkes schwelgen konnten. Die Irrlehre der römischen 
Kirche überbot durch Einführung des Fegefeuers alle bisherigen Re 
ligionen. Nach dieser neuen Jenseitslehre mußte die Seele des Ver 
storbenen eine geraume Zeit im Fegefeuer leiden. Durch Messeopfer 
konnte diese . Leidenszeit gewaltig abgekürzt werden. Es waren die 
nahen Verwandten, die die Messeopfer zahlen durften!!! Warum 
sollten die katholischen Priester auf eine Einnahme verzichten, die die 
Urpriester im Totenkult erdacht hatten. Wenn diese auch Schlaf vor 
täuschten, so blieben sie immer noch auf der Erde. Anders die römische 
Kirche. Die Sündenstrafen waren so schwer, daß sie auf Erden nicht 
alle abgebüßt werden konnten. Es begann daher ein Ausgleich zwischen 
den Heiligen der Kirche, die in ihrem Leben mehr getan hatten, als von 
ihnen verlangt werden konnte. Die Kirche war nun Verwalterin der 
guten Werke der Heiligen und konnte diese Werke den Sündern gegen 
Entgelt ,an die Kirche ablassen. Es ist erklärlich, daß durch die Ablaß-
	        

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