Full text: Grundzüge der Politik und der Religion

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rend der kurzen Zeit, da die christliche Religion noch Staatsreligion war, 
also noch keine freie Kirche wie später bei den Päpsten, wurde der Keim 
zur Eroberung der weltlichen Macht schon von Augustinus gelegt. Er 
war Verfechter der Herrschaft der Kirche über den Staat. Seine Mei 
nung war es, daß es außerhalb der Kirche kein Heil (sagen wir keine 
Aufklärung) gibt. Mit dieser Auffassung hat er zwar das Richtige 
getroffen. Sie nutzte diesen Grundsatz aber zu egoistischen Zwecken 
aus und nicht zum Wöhle des Volkes. Wenn die christliche Lehre vom 
Staate unter Zensur gestellt wird, dann ist keine wahre Aufklärung 
möglich. 
Um das Jahr 400 wurde das riesige römische Reich unter die beiden 
Söhne des Theodosius geteilt. Es entstand das oströmische Reich mit 
der Hauptstadt Konstantinopel und das weströmische Reich mit 
der Hauptstadt Rom. In jeder Hauptstadt war ein Bischof als Ober 
haupt der Kirche. Zwischen diesen Oberhäuptern kam es zu immer 
größeren Streitigkeiten. 1054 trat eine vollständige Trennung ein, sodaß 
es seit jener Zeit eine römische und eine griechische Kirche gibt. Die 
Bischöfe von Rom hatten das höchste Ansehen, da Rom der eigentliche 
Kampfplatz zwischen den alten Zauberern und der christlichen Welt 
anschauung war, auf dem die Apostel als Pioniere ihr Leben lassen 
mußten. Den Titel Papst legte sich als erster Bischof Leo zu. Er war 
Papst (Vater) Leo I. im Jahre 440 n. Chr. Er war klug und gelehrt, 
aber auch herrschsüchtig. Unter dem Papst Gregor I. ging um das 
Jahr 600 n. Chr. das römische Kaiserreich in Trümmer. Der Kaiser 
war aus Rom verschwunden. Der Glanz ging auf den Papst über. Durch 
Freundschaft der Päpste mit den Königen der Franken wurden diese 
auch weltliche Herrscher 
Eine große Gefahr erwuchs dem Papstwesen durch den Islam. Der 
Prophet Mohammed war Kaufmann. Als solcher machte er mehrere 
große Reisen und erwarb sich Menschen- und Religionskenntnisse. Er 
hatte sich ein großes Vermögen zusammengeschafft und zog sich nun 
in die Einsamkeit zurück, um eine neue Religion zu gründen. Auf die 
jüdische und christliche Religion baute er diese neue Lehre auf. 
Mohammed spekulierte auf die Sinnlichkeit des männlichen Geschlechts. 
Die Vielweiberei war besonders zugkräftig. Er fand Anhänger, mußte 
aber vor seinem eigenen Stamme im Jahre 622 n. Chr. von Mekka nach 
Medina fliehen. Dort fand er riesigen Anhang, ln seinem Gesetz, 
dem Koran, war die Kriegführung vornehmste Pflicht. Das Leben der 
verstorbenen Seelen nach dem Tode ist ebenfalls sehr verlockend. Ewig 
jung im Paradiese dürfen sie in sinnlichen Genüssen schwelgen,. Ruß 
land hat heute ähnliche Lockmittel. Unheimlich schnell breitete sich 
diese Religion aus. Schon im Jahre 711 setzten die Araber von Nord 
afrika nach Spanien über, zerstörten das westgotische Reich, gingen 
über die Pyrenäen und wären noch weiter nach Deutschland und Italien 
vorgedrungen, wenn nicht der Heerführer der Franken, Karl Marteil, 
den Mohammedanern eine vernichtende Niederlage bei Tours in Franken 
im Jahre 732 bereitet hätte. Immerhin war der christlichen Kirche ein 
großer Verlust entstanden, da viele Gebietsteile verlorengegangen waren. 
Die Macht der römisch-katholischen Kirche war bedeutend gesunken. 
Der Aufstieg, der unter Papst Gregor I. scharf einsetzte, wurde ge 
hemmt. In Germanien wurde durch Bonifatius für die römische Kirche 
geworben. Es entstanden Klöster am Rhein (St. Gallen), in Hessen 
(Amöneburg, Fulda) usw. Hatten die Feudalherren sich für den Krieg 
Festungen bauen lassen, so standen die Klöster diesen in nichts nach. 
Sie waren den Fürsten gefährliche Rivalen, da durch die regelmäßigen 
Predigten das Volk der Kirche näher kam, als dem kriegerischen Adel. 
Die Kirche war im Suggerieren geübter als die rauhbeinige Ritterschaft.
	        

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