Full text: Grundzüge der Politik und der Religion

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die in ihrer Nähe blieben und nur das Kriegshandwerk ausübten. 
Diese Leute waren zum großen Teile gezüchtete Sklaven. Jeder Stam 
mesgenosse mußte nun Lebensmittel für die Krieger abgeben, weil sie 
nun seltener die Scholle zu verlassen brauchten. Wichtige Verkehrs- 
punkte wurden ausgebaut und mit Kriegsknechten bewehrt. Je mehr 
Befestigungen gebaut wurden, desto mehr Kriegsknechte konnten ein 
gestellt werden. Aber auch umsomehr Lebensmittel mußten herange 
bracht werden. Zu spät erwachten die ehemaligen freien Männer als 
Leibeigene, die nur für Nahrung der Krieger zu sorgen hatten. Die 
Priester hatten das Volk durch Opfer dienst eingeschläfert. Geduldig 
trug es sein von den Geistern bestimmtes Los oft Jahrtausende. 
3. Die Feudalherrschaft. 
Die Feudalherrschaft war nach der Weltanschauung der Fürsten die 
gottgegebene Vollkommenheit. Sie verfügte über alle Nahrungsquellen, 
die nach Belieben weiter geliehen wurden. Also nur Lehen statt Besitz. 
Wir sehen, wie China sein Land mit einer Mauer umzogen hat. Städte, 
die sich hier zu Lande freigekämpft hatten, umzogen die Stadt mit 
Festungsmauern. Nach dem Stande der Bewaffnung waren diese Festun 
gen nur durch Belagerung zu bezwingen, die den Zweck des Aushun- 
gerns hatten. In diesem System wurden die Chinesen und die Russen 
tausende von Jahren regiert. China hat sich durch die riesige Mauer 
von den Völkern ringsum abgeschlossen. Die Gelehrten hatten so genü 
gend Kontrolle über den Austausch von Waren. Neuerungen konnten 
nicht verschleppt werden. Die ruhige Abgeschlossenheit brachte manche 
Erfindung, wie Buchdruckerei, Schießpulver, das auch schon beim 
Sprengen des Bel zu Babel von Daniel verwandt wurde und anderes mehr. 
Daß diese Erfindungen nicht ausgewertet wurden, lag an den Fürsten, 
dem Kastensystem, die die Anwendung verboten, da sonst ihre Macht 
geschwächt wurde. Die Wage des Weltgerichts wurde 
durch das aus erwählte Volk gehoben. Ihre objektive Be 
obachtungsgabe verwarf den blöden Götzendienst, der bis dahin die 
Welt beherrschte. Somit war das israelitische Volk kein Dienervolk, 
sondern ein freies Volk und Herrenvolk zugleich. Dieses Volk erkannte 
die wichtigen Volksverbindungen im Austausch der Waren. Seine Klug 
heit im Geschäftsleben brachte ihm aber öftere Gefangenschaften. Doch 
kein Feudalvolk konnte diese Aufwiegler der unteren Volksmassen in 
Knechtschaft halten. Zur Zeit Jesus war dieses Volk auf dem toten 
Punkte angelangt, weil es durch Egoismus den Zusammenhalt verloren 
hatte und unter römische Herrschaft geraten war. Das Streben des 
großen Philosophen Jesus war, das Volk wieder zu einen und die 
Sittenlehre vom eingerissenen Zeremonienwesen zu reinigen. Jesus 
reformierte die jüdische Religion, die wir heute christlich nennen. Aber 
die Bürokraten verwarfen seine Lehre und hielten fest an den veralteten 
Gesetzen Moses und den erfundenen Zeremonien. Die Folge war, daß 
die Juden vernichtet und der Rest in alle Winde zerstreut wurde. 
Aber die neue Lehre des Christus war lebensfähig geblieben. Ver 
folgungen über Verfolgungen der jungen Christen setzten von den Zauber 
priestern der Heiden ein, doch vergebens. Als diese ihre Machtlosig 
keit einsahen, griffen sie zur List. Man bog die christliche Lehre um 
zur Jenseitslehre. „Kinder“, sagte man, das hat Jesus gar nicht gewollt, 
daß hier auf Erden Nächstenliebe geübt wird. Erst nach unserem Tode 
kann Gleichheit und Brüderlichkeit in einem besseren Jenseits vorhanden 
sein. Die Erde ist und bleibt ein Jammertal. Wir sind und bleiben 
allzumal Sünder. Die christliche Jenseitslehre wurde auf dem Konsil 
zu Nicäa im Jahre 325 n. Chr. unter Kaiser Konstantin festgelegt. Hier 
wurde auch die Bibel zusammengestellt. Daß in den 325 Jahren vieles
	        

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